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Besuch aus der Partnerstadt : „Neumünster ist kein hässliches Entlein“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Vertreter der Partnerstadt Gravesham lobten das Programm, den Wochenmarkt und unseren Umgang mit Flüchtlingen

shz.de von
erstellt am 01.Feb.2016 | 12:00 Uhr

Neumünster | „Oh, it looks good!“ (Es sieht toll aus). Begeistert zeigte Michael Wenban auf den weißen Käse mit den roten Punkten. Gemeinsam mit seinen vier englischen Kollegen stand der Stadtpräsident von Gravesham auf dem Wochenmarkt und staunte. „So etwas kennen wir in Gravesham nicht. Wir haben nur einmal im Monat einen ,Farmers Market’, auf dem Bauern aus der Umgebung ihre Ware anbieten“, sagte Michael Wendan. Stadtführerin Urte Grode, Übersetzerin Hanna Paul und Neumünsters Beauftragter für Städtepartnerschaft, Hans Iblher, hatten die fünfköpfige Delegation der Partnerstadt morgens im Hotel zu einem Rundgang durch die Innenstadt abgeholt. Mit Regenschirmen schlenderte die Gruppe plaudernd und gut gelaunt über den Wochenmarkt. „Wir sind Regen gewohnt“, sagte Fiona Strike lachend. Ihr mache das Wetter nichts aus.

Nach dem Programm, das ihnen (wie berichtet) Hans Iblher in den ersten beiden Tagen geboten hatte, und den netten Begegnungen mit den Menschen wollte Fiona Strike auf keinen Fall diesen Punkt verpassen, sagte die Stadtpräsidentin von Gravesham. Simon Hookway nickte zustimmend. Ihn habe der Mut beeindruckt, mit dem die Neumünsteraner Verwaltung die Ansiedlung von Industrien vorantreibe, sagte der Manager für wirtschaftliche Entwicklung. Während der Rundfahrt durch die Stadt und die Randlagen seien ihm bereits Ideen für die Entwicklung seiner Heimatstadt gekommen.

„Gravesham ist durchaus mit Neumünster vergleichbar. Auch wir haben mit dem Problem von Leerständen in der Innenstadt zu kämpfen. Da Gravesham nur eine halbe Stunde von London entfernt ist, fahren die Menschen zum Shoppen in die Metropole“, bedauerte Hookway. Dass sich Neumünster trotz seiner Nähe zu Hamburg ein innerstädtisches Einkaufszentrum leiste, zeige ihm, dass man manchmal einfach anfangen müsse, um Neuem eine Chance zu geben. „In Gravesham haben wir die Themse und einen kleinen Hafen“, sinnierte der Manager. Es müsse eigentlich möglich sein, diesen Standortvorteil für den Tourismus zu nutzen. „Ich bin das erste Mal in Neumünster, und man hat mir die Stadt im Vorwege als hässliches Entlein beschrieben. Mein Eindruck ist ein anderer: Ich sehe hier überall weiße Federn“, sagte Simon Hookway schmunzelnd, meinte es aber ehrlich.

Auf die Frage, welchen Eindruck die Delegation von der Situation der Flüchtlinge in Neumünster habe (am Freitag hatten die Engländer die Zentrale Erstaufnahme am Haart besucht), zeigten sich die Gäste tief beeindruckt von der Professionalität, mit der den Asylsuchenden in Deutschland geholfen werde. „Ich bin fasziniert, was hier alles für diese Menschen getan wird“, sagte Virginie Whittaker. „In England werden sehr schnell die Kosten mit ins Spiel gebracht, wenn es um das Thema Flüchtlinge geht“, sagte die Tourismusmanagerin aus Gravesham nachdenklich.

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