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Immobilienstudie : Neumünster ist eine Stadt der Mieter

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Wohneigentumsquote liegt mit 40 Prozent unter dem Bundesschnitt.

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erstellt am 24.Mai.2017 | 08:00 Uhr

Neumünster | In der Stadt gibt es etwa 15.700 Wohnungen, in denen die Eigentümer selber wohnen. Damit liegt die Wohneigentumsquote bei knapp 40 Prozent. Das geht aus einer aktuellen Regional-Untersuchung zum Wohneigentum hervor, die das Pestel-Institut in Hannover erstellt hat.

Neumünster liegt damit bei der Eigentumsquote zwar deutlich besser als die anderen kreisfreien Städte Kiel (27 Prozent), Flensburg (28,5 Prozent) und Lübeck (31 Prozent) und auch vor Kreisstädten wie Rendsburg (33 Prozent) oder Itzehoe (38 Prozent), aber unter dem bundesweiten Durchschnitt von knapp 45 Prozent. Deutschland ist damit weit entfernt von einem Wohneigentümer-Land und belegt im Europa-Vergleich mit dieser Quote lediglich den drittletzten Rang.

Das Pestel-Institut sieht deshalb in Neumünster Luft nach oben. Besonders die 25- bis 40-Jährigen könnten sich immer seltener ein eigenes Haus oder eine Eigentumswohnung leisten und müssten zur Miete wohnen. „Dabei gehören die Jobstarter und Familiengründer eigentlich zur typischen Klientel für Wohnungskauf und Hausbau“, sagt der Leiter des Pestel-Instituts, Matthias Günther. Bei dieser Altersgruppe sei die Eigentumsquote innerhalb von zwölf Jahren um gut 20 Prozent zurückgegangen, sagt Günther und beruft sich dabei auf Zahlen aus dem neuesten Mikrozensus.

Matthias Schuster vom Eigentümerverband Haus + Grund in Neumünster überrascht das, denn „die Bedingungen, Wohneigentum zu erwerben, sind eigentlich gut“, sagt Schuster und nennt die niedrigen Zinsen und die in Neumünster immer noch günstigen Preise. Die haben zwar schon zugelegt, kamen aber von einem niedrigen Ausgangsniveau. Heinrich-Christian Prühs, der Leiter der Immobilienvermittlung bei der Sparkasse Südholstein, beziffert die Preissteigerungen innerhalb der vergangenen sechs Jahre auf „15 bis 25 Prozent“. Die Eigentumsquote in Neumünster bezeichnet Prühs für ein Oberzentrum als hoch.

Als Gründe für die abnehmende Eigentumsquote in der Altersgruppe der 25- bis 40-Jährigen nennt das Pestel-Institut die unsichere berufliche Perspektive und fehlende staatliche Unterstützung bei der Bildung von Wohneigentum. Gerade jungen Menschen würden oft nur Zeitverträge angeboten. Für einen Immobilienkredit sei aber häufig ein unbefristeter Job nötig.

Das kann Matthias Schuster bestätigen. Die Arbeitslosenquote in Neumünster sei zwar gesunken, aber immer noch die höchste im Land. Schuster: „Nur wer einen sicheren Job hat, kauft Wohneigentum.“ Aus seiner beruflichen Tätigkeit als Notar kann Schuster aber sagen: „Neumünster hat beim Image deutlich zugelegt. Es drängen viele Käufer aus teureren Wohnstädten nach Neumünster.“ Die Stadt biete hier mit ihren Neubaugebieten gute Rahmenbedingungen.

Und sie erfüllt damit eine Forderung der von mehreren Verbänden gestarteten Initiative „Wohn-Perspektive Eigentum“. Bei anderen Forderungen der Initiative, etwa der Senkung der Grunderwerbssteuer oder einer Ausweitung der Förderprogramme der Kreditanstalt für Wiederaufbau, sind Land und Bund und nicht die Stadt gefordert.

 

 

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