Dr. Dressler aus der Lindenstraße : "Neumünster ist eine freundliche Stadt"

Ludwig Haas ist gebürtiger Eutiner. Seit 1996 lebt er gemeinsam mit seiner Frau Marianne in Neumünster. Foto: Foto: WDR - Steven Mahner
Ludwig Haas ist gebürtiger Eutiner. Seit 1996 lebt er gemeinsam mit seiner Frau Marianne in Neumünster. Foto: Foto: WDR - Steven Mahner

Millionen kennen ihn als Dr. Ludwig Dressler aus der ARD-Lindenstraße. Heute wird Ludwig Haas 80 Jahre alt. Im Interview spricht der Neumünsteraner über seine Heimatstadt.

Avatar_shz von
17. April 2013, 10:59 Uhr

Neumünster | Seit wann leben Sie in Neumünster? Wie hat es Sie hierher verschlagen?
Seit 1996. Ich habe meine Frau Marianne auf Mallorca kennen gelernt. Meine Mutter hatte dort ein Haus, Marianne war in Sichtweite bei Bekannten zu Besuch. Es ging dann alles ganz schnell. Sie lebte in Gadeland in Neumünster und ich in München. Ich habe meine Zelte abgebrochen und bin gen Norden gefahren. Wir haben uns ein Haus in Neumünster gekauft, in das wir uns sofort verliebt hatten.

Sie kannten Schleswig-Holstein aber schon vorher?
Ich bin ja gebürtiger Eutiner. Allerdings habe ich nicht mehr so viele Verbindungen dorthin. Ich bin 1951 nach Hamburg gezogen. Ich fahre aber gern noch mal nach Eutin, laufe dort durch die Straßen und erinnere mich an früher. In Neumünster war ich kurz nach dem Krieg schon mal, es war ja nicht weit weg von Eutin. Ich kenne auch Lübeck, Plön, Flensburg und Husum…

Sie drehen wahrscheinlich sehr häufig für die Lindenstraße, halten Sie sich überhaupt viel in der Stadt auf?
Das Drehpensum ist sehr unterschiedlich, manchmal bin ich eine Woche zum Dreh in Köln, manchmal nur einen Tag. Ich verbringe eigentlich die meiste Zeit in Neumünster.

Und fühlen Sie sich wohl hier? Was mögen Sie an der Stadt?
Ich lebe im Grünen der Stadt, und da fühle ich mich sehr, sehr wohl. Ich liebe die Natur, den Einfelder See und die zauberhafte Landschaft bis rauf nach Kiel. Die Stille am Abend, die wir hier haben, die gefällt mir sehr.

Wo kann man Sie in Neumünster treffen, wo sind Sie unterwegs?
Wenn ich zum Finanzamt gehe vielleicht. Ich halte mich nicht so viel in der Stadt auf. Meine Frau erledigt meistens die Einkäufe. Ich mache mich gern ein wenig rar, denn ich möchte nicht so furchtbar oft angesprochen werden. Ich bin, was das angeht, eher schüchtern und nicht der Mensch, der sein Promi-Dasein genießt. Obwohl es mich natürlich freut, wenn Menschen mich mögen und es beglückt mich, dass ich auch in der Rolle als Dr. Dressler gemocht werde. Ich bekomme viele Briefe. Als zum Beispiel meine zweite Frau in der Lindenstraße gestorben ist, bekam ich einen Brief von einer Dame auf Sylt, die mir angeboten hat, mich zu trösten. Daran sieht man, wie nah die Leute an der Serie dran sind. Sie identifizieren sich mit ihr. Die Lindenstraße ist ein Phänomen.

Was mögen Sie nicht an Neumünster?
Darüber habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht. Außer vielleicht den Großflecken mit seiner Straßenführung. Das finde ich nicht glücklich, das war früher mal anders. Neumünster ist im Grunde eine Arbeiterstadt, und es gibt mit Sicherheit schönere Städte auf der Welt. Aber es gibt einige ganz interessante Häuser und Bauwerke, und es ist eine freundliche Stadt. Ich kann nicht sagen, dass die Stadt mich fasziniert, aber die Landschaft um Neumünster ist einmalig. Das ist das Wichtigste für mich.

Kennen Sie das DOC?
Nein, meine Frau kennt das. Ich bin kein so großer Shopping-Mensch. Man wird ja auch bescheidener im Alter.

Verfolgen Sie die Diskussionen in der Lokalpolitik, zum Beispiel um das neue Einkaufszentrum?
Nein, sehr wenig. Ich bin tatsächlich mehr mit mir beschäftigt als mit der Kommunalpolitik und habe viele Hobbys. Ich male, bildhauere, filme. Ich bin immer irgendwie kreativ tätig und muss auch viel Text lernen.

Wie viel Zeit verbringen Sie denn damit?
Wenn ich eine Szene pro Folge spiele, dann sind es vielleicht vier Seiten Text, Sie können ja hochrechnen, wie viel es bei drei Szenen ist. Ich bereite mich immer sehr viel vor. Es ist mir wichtig, perfekt zu sein, über dem Text zu stehen, ihn nicht nur auswendig zu können, sondern mit ihm etwas zu transportieren. Ich bin ein Schauspieler der alten Schule, mir ist die Gestaltung sehr wichtig. Es dauert schon seine Zeit, aber es ist auch alles eine Trainingsfrage. Wie bei einem Sportler. Wenn man einen Muskel oft und immer wieder betätigt, dann funktioniert das auch.

Sie sind seit Beginn der Lindenstraße 1985 dabei, haben Sie je daran gedacht aufzuhören?
Ich fühle mich sehr wohl in der Serie und auch in meiner Rolle. Sie entwickelt sich immer wieder anders. Der Charakter ist sehr schillernd. Außerdem ist man so einer Produktion gegenüber sehr loyal, wenn man so viele Jahre darin tätig war. Wenn ich es gesundheitlich schaffe, will ich noch länger weiter machen. Wenn ich irgendwann nicht mehr laufen kann, ist das nicht weiter schlimm, denn in der Rolle sitze ich ohnehin im Rollstuhl. Die Hauptsache ist, mein Kopf funktioniert. Aber die Schauspielerei hält auch jung. Ich bin ein guter Beobachter und Psychologe und schaue ganz bewusst, wie die Menschen sich verhalten, das hält geistig beweglich.

Passiert es Ihnen oft, dass Sie als Schauspieler auf die Rolle des Dr. Dressler reduziert werden?
Die meisten bringen einen damit in Verbindung, das ist richtig. Andere Rollen, die ich gespielt habe, werden schnell vergessen. Dabei habe ich viel gedreht, auch im Ausland. Ich bin ein vielseitiger Schauspieler gewesen und bin es immer noch, ich war schon Rechtsanwalt, Penner, Mörder und auch Adolf Hitler. Außerdem habe ich Jahrzehnte am Theater gespielt.

War die Schauspielerei Ihr Traumberuf?
Es bewegt mich, macht mir Spaß. Schauspieler ist ein herrlicher Beruf, und ich konnte mein Hobby damit zum Beruf machen. Schon als kleiner Junge habe ich Stücke geschrieben und in Schulaufführungen auf der Bühne gestanden. Man kann sich in diesem Beruf völlig ausleben, man kann sein, wer man will. Eigentlich ist dieser Beruf die beste Psychotherapie, die es gibt.

Was wünschen Sie sich zum Geburtstag?
Nur Gesundheit, sonst habe ich alles - eine glückliche, gesunde und harmonische Familie, ein schönes Zuhause mit Blick auf den See.

Wie feiern Sie Ihren Geburtstag?
Ganz schlicht und bescheiden im Kreise der Familie. Wir werden irgendwo essen gehen und zusammen Kaffee trinken. Meine Frau macht meine Lieblingstorte, Mürbeteig mit Pudding und Früchten und Schlagsahne dazu. Ich mag es, wenn wir zusammen sitzen und gemeinsam reden, philosophieren und über die Politik schimpfen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen