Neue Millionen-Investitionen : Neumünster ist die Logistik-Hauptstadt im Norden

Firmenchef Henning Voigt steht in den noch leeren Hallen des neuen Stückgut-Terminals. Es soll im August eröffnet werden.
Firmenchef Henning Voigt steht in den noch leeren Hallen des neuen Stückgut-Terminals. Es soll im August eröffnet werden.

Die Branche steht für 5000 Arbeitsplätze in Neumünster. Voigt investiert 16 Millionen Euro in neues Stückgutumschlag-Terminal.

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17. Juli 2018, 08:00 Uhr

Neumünster | Wenn eine Stadt das Attribut „Logistik-Hauptstadt“ im Norden für sich reklamieren kann, dann ist das Neumünster. Die Branche steht hier für rund 5000 Arbeitsplätze, in ganz Schleswig-Holstein sind es 116.000. „Logistik ist eben nicht nur Spedition, Transport und Lagerung, das sind auch die großen Handelsunternehmen wie Edeka, Bela, Lidl, Trinks oder auch DHL – und alle sind sie in Neumünster“, sagt Holger Matzen.

Er ist nicht nur Leiter Geschäftsentwicklung Kontraktlogistik beim Neumünsteraner Unternehmen Voigt-Logistik, sondern auch Vorsitzender der Logistik-Initiative Schleswig-Holstein. Matzen: „Wenn der A7-Ausbau Richtung Hamburg fertig ist, hat Neumünster noch größere Chancen, seinen Stand innerhalb der Metropolregion Hamburg zu behaupten und sogar auszubauen.“

Das macht die Voigt-Gruppe zurzeit im Industriegebiet Süd in Neumünster. 16 Millionen Euro investiert das Unternehmen in ein neues Stückgutumschlag-Terminal. Es entsteht mit 107 Verladeterminals, 10.500 Quadratmetern Hallenfläche auf einem 125.000 Quadratmeter großen Grundstück mit guter Anbindung zur A7. Baustart war im Juni 2017, im August soll die Einweihung gefeiert werden.

Neue Anlage ist auch auf Elektro-Lkw vorbereitet

Auf dem Areal schafft Voigt auch 4000 Quadratmeter Büroflächen. „Die gesamte Verwaltung aus unseren mittlerweile sieben Standorten allein in Neumünster zieht in den Neubau“, erklärt Firmenchef Henning Voigt und erhofft sich durch die Konzentration auf einen Standort „verbesserte Abläufe und Synergien“.

Eine Besonderheit des Neubaus ist eine Photovoltaikanlage, die mit einer Nennleistung von 250 Kilowatt in Spitze den Eigenstrombedarf decken kann. Zur Ausstattung gehören auch eine hochmoderne LED-Beleuchtung, eine effektive Wärmepumpe und mit Lithium-Ionen-Batterien betriebene Flurfördergeräte. Überschüssige Energie kann in großen Akkus gespeichert werden. „Damit sind wir nahezu autark“, sagt Voigt. Die Photovoltaikanlage ist erweiterbar, um mit der erzeugten Energie auch Elektro-Lkw betreiben zu können. Voigt: „Das ist noch Zukunftsmusik. Aber wir sind dafür gerüstet.“

Die Belegschaft soll um 20 bis 30 Mitarbeiter erweitert werden, sodass am Standort künftig 280 Beschäftigte arbeiten. Die Voigt-Gruppe steht für tägliche nationale und internationale Direktverkehre, See- und Luftfracht, Lager- und Kontraktlogistik auf 115000 Quadratmetern Lagerfläche und hat einen eigenen Fuhrpark mit mehr als 100 Lkw. „Das haben nur noch die wenigsten Firmen. Die meisten arbeiten mit Subunternehmern“, sagt Henning Voigt.

Mangel an Berufskraftfahrern

Die Voigt-Gruppe sei dadurch für ihre Kunden „hoch verfügbar“, ergänzt Matzen. Das sei gerade jetzt wichtig. „Die Konjunktur brummt, und es herrscht ein akuter Mangel an Berufskraftfahrern auf dem Markt“, sagt Matzen. Voigt bildet deshalb auch – schon immer – Fahrer aus, und richtet den Blick dabei schon über Deutschlands Grenzen hinaus. Matzen: „Wir haben ein aufwendiges Trainee-Programm in Sprache und Technik für acht neue Mitarbeiter aus Kroatien aufgelegt.“

Die Stadt Neumünster weiß, was sie an diesem Vorzeigeunternehmen hat. Die Erschließungsstraße im Industriegebiet ist nach dem Firmengründer benannt und heißt ganz offiziell Herbert-Voigt-Straße.

Voigt ist nicht das einzige Logistikunternehmen, das massiv in den Standort Neumünster investiert. In unmittelbarer Nähe am Donaubogen hat sich die Firma Peter Bade, ein auf Lebensmitteltransporte spezialisierter Logistiker, angesiedelt. Nebenan weiht DHL Express demnächst ein weiteres Auslieferungslager ein. Dass mit Dachser ein weiteres Logistikunternehmen kommt, ist ein offenes Geheimnis.

Auch die Firma Intermodal investiert

Auch im Norden der Stadt ist eine Menge Bewegung in der Branche. Auf dem Bahngelände an der Max-Johannsen-Brücke baut die Firma Intermodal ihr Terminal für den kombinierten Güterverkehr auf Straße und Schiene aus. Im Gewerbegebiet Eichhof an der Autobahn 7 gibt es nach der Entscheidung der Edeka Nord, ein neues Frischedienst- und Leergutlager zu errichten und mittelfristig den kompletten Standort dorthin zu verlagern, kaum noch freie Flächen. Und an der Baeyerstraße hat das Großhandelshaus Bartels-Langness (Bela) mit dem Bau eines neuen Tiefkühllagers begonnen. Zwölf Millionen Euro nimmt Bela dafür in die Hand. Niederlasungsleiter Axel Hentschel hatte das als „Bekenntnis zum Standort“ bezeichnet (der Courier berichtete). Neumünster sei die „logistische Drehscheibe des Landes“.

Dieser Text erschien in leicht veränderter Form zuerst in „Die Wirtschaft im Norden“. Lesen Sie in der aktuellen Ausgabe alles über die Innovationskraft norddeutscher Firmen und wie Unternehmen aus dem Land weltweit auf Expansionskurs gehen. „Die Wirtschaft im Norden“ erhalten Sie in den Geschäftsstellen Ihrer Tageszeitung (solange der Vorrat reicht). Informationen auch unter www.diewirtschaftimnorden.de.
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