Wirtschaftsagentur zieht Bilanz : „Neumünster ist bereit für eine Hochschule“

Leiterin Iris Meyer und Aufsichtsratschef Gerd Kühl ziehen für die Arbeit der Wirtschaftsagentur im vergangenen Jahr zufrieden Bilanz.
Leiterin Iris Meyer und Aufsichtsratschef Gerd Kühl ziehen für die Arbeit der Wirtschaftsagentur im vergangenen Jahr zufrieden Bilanz.

Viele Firmen wollen sich in Neumünster ansiedeln. Das Thema Hochschule für Neumünster bewegt die Experten im Interview ebenfalls.

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10. Januar 2019, 17:32 Uhr

Im Februar 2002 wurde die Wirtschaftsagentur Neumünster gegründet, ein Jahr später das Technologie- und Gründerzentrum Log-In an der Memellandstraße bezogen. Im Interview mit Courier-Reporter Rolf Ziehm ziehen Iris Meyer, die Leiterin der Wirtschaftsagentur, und der Aufsichtsratsvorsitzende, CDU-Ratsfraktionschef Gerd Kühl, eine Bilanz für 2018 und geben einen Ausblick auf das laufende Jahr 2019.

Wie viele Gründungen haben Sie begleitet und wie ist das Log-In derzeit ausgelastet?

Iris Meyer: Wir haben 60 Gründungen betreut und zurzeit 31 Unternehmen im Log-In. Es ist damit zu 90 Prozent ausgelastet. Eine Vollauslastung ist gar nicht wünschenswert. Die Firmen wollen wachsen und müssen dafür die Möglichkeit haben. Wer hier nicht unterkommt, dem suchen wir einen geeigneten Standort.

Gerd Kühl: Wir als Aufsichtsrat haben das Log-In 2018 von der Strategie etwas anders aufgestellt. Wir wollen Gründer gezielt begleiten und dauerhaft in Neumünster ansiedeln – nicht in erster Linie Mieteinnahmen erzielen. Es soll nicht heißen: Die Wirtschaftsagentur minimiert den Verlustausgleich durch die Stadt. Sondern: Wir schaffen Arbeitsplätze und Steuereinnahmen für Neumünster.

Wie sieht es im angeschlossenen Technologiepark aus?

Meyer: Wir haben nach wie vor Anfragen. Ein Neubau ist in Planung. Etwa 20 000 Quadratmeter sind noch frei.

Zu den Aufgaben der Wirtschaftsagentur gehören Unternehmensansiedlungen und die Bestandspflege. Was hat sich da 2018 getan?

Meyer: Wir haben 31 Projekte im Immobilienbereich begleitet und rund 92 000 Quadratmeter städtische Gewerbefläche vermittelt. Wir haben darüber hinaus mit der Immobilienwirtschaft auch private Flächen vermittelt.

Kühl: Die Ratsversammlung hat beschlossen, Grundstücke an die Logistikfirma Dachser und die Pharmafirma Nuuvera zu verkaufen. Die Stadt will zudem ein Grundstück für das KV-Terminal verkaufen.

Können Sie schon Neuansiedlungen für dieses Jahr nennen?

Meyer: Nein, das darf ich leider nicht. Aber ich kann sagen: Wir haben um die 100 Anfragen von Unternehmen, die sich in Neumünster ansiedeln, umsiedeln oder vergrößern wollen. Die Verkaufsprozesse laufen. Ach ja, die Edeka Nord dürfen wir nennen. Der Vertrag für das 25 Hektar große Grundstück im Eichhofpark wird aufgesetzt.

Gibt es noch ausreichend Gewerbeflächen in Neumünster?

Meyer: Ja. An der Boostedter Straße gibt es noch Flächen, die jetzt in die Vermarktung kommen. Es gibt Flächen im Industriegebiet Süd. Und es gibt Perspektivflächen, zum Beispiel das interkommunale Gewerbegebiet mit Krogaspe. Neumünster ist da mit der Nachbargemeinde im Gespräch. Die Messeachse von den Holstenhallen bis zum Bahnhof bietet auch noch Potenziale.

Kühl: Es gibt noch reichlich private Flächen, etwa das Quartier4Business, die Rügenstraße in Wittorf, die Wrangelstraße oder im Gewerbepark Sternheim. Das ist das alte Haase-Gelände an der Gadelander Straße.

Wie profitiert Neumünster als Mitglied der Metropolregion Hamburg und durch die StädtekooperationNordgate?

Meyer: Wir wirken in verschiedenen Gremien der Metropolregion mit, tauschen uns aus, planen gemeinsame Projekte. Wir vermarkten so den Standort Neumünster auch über die Metropolregion Hamburg. Auch von Nordgate profitieren wir sehr. Unser Motto lautet: One Face to the Customer. Das heißt: Wenn sich ein Kunde bei einem der sechs Nordgate-Partner meldet, erhält er Angebote aus allen sechs Standorten, wenn er das möchte.

Kühl: Nordgate und die Metropolregion sind auf jeden Fall wichtiger als die Kiel-Region. Die bringt uns gar nichts.

Können Sie schon etwas zur von der Stadt beauftragten Hotel-Studie sagen?

Meyer: Ich rechne damit, dass die Studie noch im ersten Quartal 2019 vorgelegt wird. Wir wissen allein von fünf Hotel-Projekten. Eines davon begleiten wir sehr intensiv.

Gibt es neue Pläne/Projekte im Standortmarketing?

Meyer: Eines der bedeutendsten Stadtentwicklungsprojekte ist natürlich die Hochschulansiedlung. Und ich meine hier: Eine staatliche Hochschule mit mindestens zwei Fachbereichen. Hier nimmt die Dynamik sehr zu. Immer mehr Neumünsteraner, Unternehmen und Verbände wie der Unternehmensverband Mittelholstein setzen sich dafür ein. Neumünster ist bereit für eine Hochschule.

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