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60. Geburtstag : Neumünster hat keine Uni, aber eine Burschenschaft

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Verbindung Suebia der Ingenieurstudenten an der früheren Textilfachschule gibt es immer noch. Im Mai wird das 60-jährige Bestehen gefeiert

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erstellt am 05.Apr.2016 | 11:00 Uhr

„Neumünster hat zwar keine Hochschule mehr, aber mit der Technischen Verbindung Lanificaria und der Burschenschaft Suebia gleich zwei studentische Verbindungen“, sagt Henning Büttner (80). Der Brachenfelder trat im Juni 1956 in die kurz zuvor gegründete Burschenschaft Suebia zu Neumünster ein. Gemeinsam mit den Farbenbrüdern Udo Wimbert (80), Ernst Frick (  77) und Dietmar Raksch (64) organisiert Büttner Anfang Mai das Stiftungsfest zum 60-jährigen Bestehen der Verbindung.

Alle vier waren Studenten an der Textilfach- und -ingenieurschule an der Parkstraße. Heute ist dort die Theodor-Litt-Schule. Suebia ist eine sogenannte Ingenieur-Corporation. Die Farben der Verbindung sind Ziegelrot, Schwarz und Grün. Der Leitspruch „Up ewig ungedeelt“ ist aus der Landesgeschichte entlehnt und beschreibt ganz gut, was diese Burschenschaft leitete. Eine Verbindung, in der die Studenten Gemeinschaft und Geselligkeit fanden und mit Hilfe der Alten Herren auch auf ein Netzwerk bauen konnten.

„Viele der Studenten der Textilfachschule wohnten damals auf Zimmer, wie man sagte, oder im Kolpinghaus an der Beethovenstraße“, sagt Hermann Büttner. Solche privat vermieteten möblierten Zimmer wurden damals von Student zu Student weitergegeben. Ernst Frick schwärmt noch heute von der Zeit, als er als Ingenieurstudent mit Familienanschluss bei Bauer Höft in Gadeland wohnte. In den ersten Jahren war Suebia sogar eine schlagende Verbindung – „richtig mit Schläger und Paukboden“, weiß Frick. Zwischen 1959 und 1964 fanden diese Mensuren statt, dann war Schluss.

„Die Basis von Suebia war demokratisch“, macht Udo Wimbert klar und zieht die Traditionslinie zu den Burschaften des Hambacher Festes, die im 19. Jahrhundert Streiter für Freiheit und Demokratie waren. Dass die Geselligkeit dabei eine wichtige Rolle spielte, verhehlen die vier Farbenbrüder nicht. Das als studentische „Konstante“ bezeichnete erste Vereinslokal war das Hotel Zur Tanne an der Rendsburger Straße. Anfang der 1970er-Jahre hatte die Burschenschaft dann sogar ihren eigenen Treff in der vierten Etage der Flora-Apotheke am Kuhberg 8. „Gehen wir mal zur Burschenschaft, war damals ein geflügeltes Wort“, weiß Raksch, denn dort fanden viele Feiern und Feste statt. „Dort entstanden auch Verbindungen fürs Leben“, so Büttner. Heute hat Suebia noch etwa 70 Mitglieder, Treff ist inzwischen die Klostermühle.

Als Verbindung ist Suebia aber keine Zukunft vergönnt. 1978 wurde die Textilfachschule aufgelöst. Seitdem gibt es keinen studentischen Nachwuchs und damit keine „Füchse“ mehr. So heißen die neu aufgenommenen Burschenschafter. Den exzellenten Ruf der Fachschule und die Qualität ihrer Ausbildung halten die Burschenschafter noch heute hoch. „Durch die breit gefächerte Ausbildung konnten wir beruflich sofort Fuß fassen, obwohl die Textilindustrie in Neumünster und Deutschland zu der Zeit ihren Niedergang erlebte“, sagt Udo Wimbert.

Zum Stiftungsfest vom 4. bis 8. Mai werden etwa 100 Gäste erwartet. Der Bummel am Himmelfahrtstag (5. Mai) hat Tradition. Offizieller Festakt ist am Freitag, 6. Mai, um 11 Uhr im Museum Tuch + Technik.

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