Zukunftsatlas : Neumünster hat an Dynamik eingebüßt

Die Arbeitslosigkeit in Neumünster sank zwischen 2010 und 2012 um 4,5  Prozent. In anderen Regionen war der Rückgang aber viel dynamischer.
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Die Arbeitslosigkeit in Neumünster sank zwischen 2010 und 2012 um 4,5 Prozent. In anderen Regionen war der Rückgang aber viel dynamischer.

Im Ranking des Forschungsinstituts Prognos liegt die Stadt Neumünster auf Rang 307 von 402 - und rutscht damit ins Minus. Schlechter steht in Schleswig-Holstein nur Lübeck da.

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12. November 2013, 08:15 Uhr

Neumünster | Alle drei Jahre bewertet das Schweizer Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft, die demografische Situation, den Arbeitsmarkt und die soziale Lage in allen 402 Kreisen und kreisfreien Städten Deutschlands. Neumünster rangiert in diesem „Zukunftsatlas“ diesmal auf Platz 307 und rutscht damit ins Minus: In der Gesamtnote bescheinigen die Forscher der Stadt nach einem ausgeglichenen Chance-Risiko-Mix 2010 nun „leichte Risiken“. Schlechter in Schleswig-Holstein steht nur Lübeck auf Rang 325 da.

Vor drei Jahren belegte Neumünster noch Gesamtrang 302 bei damals 412 Kreisen. Die aktuelle Standortstärke hat sich mit Rang 317 gegenüber 2010 sogar verbessert, als die Stadt hier Platz 344 belegte. Damals wie heute belasten Neumünster die Punkte Wohlstand und soziale Lage: Bei der Kaufkraft rangiert Neumünster mit einer Kennziffer von 88,5 klar unter dem Bundesindex von 100. Das bedeutet mit Rang 324 nur einen Platz im letzten Viertel.

Gleiches gilt für den öffentlichen Verschuldungsgrad der Kommune. Neumünster liegt mit 2061 Euro Schulden je Einwohner nur im Hinterfeld (hat aber den Weg der Konsolidierung längst eingeschlagen). Der Anteil der Hartz-IV-Empfänger ist zwar von 14,4 auf 13,8 Prozent gesunken, damit aber immer noch der höchste in ganz Schleswig-Holstein. Im Bundesschnitt beträgt der Wert 7,4 Prozent. Geradezu niederschmetternd ist die Kriminalitätsrate. Sie ist mit 14.600 Straftaten (auf 100.000 Einwohner gerechnet) zwar signifikant gesunken. Im Ranking bedeutet sie dennoch die „rote Laterne“: Platz 402. „Diese Aspekte sind schon ein Klotz am Bein“, sagte Prognos-Projektleiter Peter Kaiser zum Courier. All das drückt auf den Wohlstand – Neumünster belegt den bundesweit miserablen Rang 394.

Punkten kann die Stadt beim Faktor Demografie. Die laut Kaiser „sehr hohe Geburtenrate“ liegt bei 1,62 Prozent und damit deutlich über dem Bundesmittel von 1,39 Prozent: In der Rangliste bedeutet das Platz 3 in Deutschland! Auch der Anteil junger Menschen zwischen 18 und 30 Jahren ist hoch: Platz 89. „Die Bevölkerung ist stabil, es gab sogar einen minimalen Gewinn“, sagt Kaiser.

Dagegen hat Neumünster beim Faktor Dynamik deutlich Ranglistenplätze eingebüßt. Prognos fasst hier alle Faktoren zusammen, die eine Veränderung beschreiben. Und die können sich eigentlich durchaus sehen lassen. Bei der Zahl der Beschäftigten legte Neumünster zwischen 2010 und 2012 um 4,5 Prozent zu. Das ist mehr als im Bundesdurchschnitt (4 Prozent) und in Schleswig-Holstein (3,7 Prozent). Die Zahl der Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaften ging zurück, ebenso die Arbeitslosenquote: Sie sank um 4,5 Prozent. In Deutschland ging sie im Boom nach den Krisenjahren aber sogar um fast 12 Prozent zurück.

Hierin könnte auch die Erklärung für den paradoxen Befund liegen. Neumünster steht absolut besser da als vor drei Jahren, rutschte aber beim Dynamik-Index von Rang 65 auf Rang 221 ab. „Andere Regionen waren noch dynamischer“, bringt es Peter Kaiser auf eine schlüssige Formel.

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