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Arbeitsmarkt : Neumünster hängt auch Lübeck ab

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Arbeitslosenquote im November mit 9,4 Prozent so niedrig wie seit 20 Jahren nicht mehr. Bei den kreisfreien Städten liegt nur Flensburg besser

Neumünster | Die Zahl der Arbeitslosen in der Stadt ist im November nochmals zurückgegangen und liegt nun bei knapp 3900. Mit einer Arbeitslosenquote von jetzt 9,4 Prozent hängt Neumünster nicht nur Kiel (10 Prozent), sondern auch Lübeck (9,6 Prozent) ab und liegt jetzt bei den kreisfreien Städten auf Platz 2 hinter Flensburg (9 Prozent). Im Oktober lag die Quote für Neumünster noch bei 9,6 Prozent. Im November 2014 war der Wert mit 10,3 Prozent noch zweistellig.

„Seit diese Statistiken geführt werden, also seit zwei Jahrzehnten, gab es keine so guten Zahlen für Neumünster“, betonte Thomas Böhmer von der Agentur für Arbeit Neumünster. Deren Geschäftsführer Jens-Peter Stahl charakterisierte den Arbeitsmarkt in Mittelholstein als „weiter stabil“. Im Agenturbezirk (Neumünster und der Kreis Rendsburg-Eckernförde) sank die Arbeitslosenquote von 6 auf 5,9 Prozent.

Stahl nannte als wesentlichen Grund die im Vergleich zu den Vorjahren „stärkere Nachfrage nach Personal“. Dem gemeinsamen Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit und der Jobcenter wurden seit Jahresbeginn mehr als 7900 sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen gemeldet – das sind fast 800 mehr als im Vorjahreszeitraum (plus 11,1 Prozent). Besonders Unternehmen aus dem Gesundheits- und Sozialwesen, aus dem Handel, dem Bau- und Gastgewerbe suchten im November nach Personal. Die Zahl der offenen Stellen im Bereich kaufmännische Dienstleistungen, Handel, Vertrieb und Tourismus ist mit rund 370 zurzeit fast drei mal so hoch wie vor Jahresfrist.

Die Geschäftsführerin des Unternehmensverbands Mittelholstein (UVM), Dr. Martina Tambert-Thomas, zeigte sich über diese Entwicklung hoch erfreut, da sie „offensichtlich keine Eintagsfliege ist. Unsere Herbst-Konjunkturumfrage deutete das schon an“, sagte Martina Tambert-Thomas. Die Arbeitslosen seien auch nicht in irgendwelche Maßnahmen verschoben und dort versteckt worden. „Die Unterbeschäftigung ist auch gesunken“, sagte die UVM-Geschäftsführerin.

Mit dieser Bezeichnung werden auch diejenigen erfasst, die aufgrund gesetzlicher Regelungen nicht als Arbeitslose gezählt werden, weil sie an einer Weiterbildung oder sonstigen Förderung wie einer Arbeitsgelegenheit („Ein-Euro-Job“) teilnehmen. In der Tat ging auch dieser Wert, der die Menschen ohne Beschäftigung realistischer erfasst, auf jetzt etwas mehr als 5000 zurück. Vor einem Jahr waren es noch fast 500 mehr.

Für Klaus Kasch, den Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Neumünster, macht die Arbeitsagentur „einen guten Job“. Wenn man die nackten Zahlen ansehe, sei das eine positive Entwicklung. Sorgen macht dem Gewerkschafter jedoch „die Verfestigung der Langzeitarbeitslosigkeit. Da ist kaum Bewegung drin.“ Klaus Kasch: „Es gibt zwar mehr Jobs, aber die Entwicklung bei den Minijobs und der prekären Beschäftigung macht mir Sorge.“

Bei der Kreishandwerkerschaft Mittelholstein nannte Geschäftsführer Carsten Bruhn die Entwicklung „toll und erfreulich für Neumünster“. Neuansiedlungen durch die DOC-Erweiterung, die Holsten-Galerie oder auch das Milchtrocknungswerk hätten neue Jobs geschaffen. Auch das Handwerk sei ein zuverlässiger Arbeitgeber. „Die gute Konjunktur schafft Beschäftigung und Nachfrage nach Fachkräften“, so Bruhn. Diesen Zuwachs kann man auch an den Ausbildungsstellen im Handwerk ablesen. Statt 275 im Vorjahr sind es zurzeit 312 – ein Plus von gut 13 Prozent.

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erstellt am 01.Dez.2015 | 18:56 Uhr

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