Seit drei Jahren spurlos verschwunden : Neumünster: Die Suche nach Georg Linnemann geht weiter

In seinem letzten Sommer baute Georg Linnemann im Garten für die Tochter seiner Freundin ein Spielhäuschen aus Holz.
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In seinem letzten Sommer baute Georg Linnemann im Garten für die Tochter seiner Freundin ein Spielhäuschen aus Holz.

Am 15. Dezember 2014 verschwand der Student. Die Polizei glaubt, er ist tot. Seine Freundin will Klarheit, doch auch neue Hinweise führten ins Leere.

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15. Dezember 2017, 12:20 Uhr

Neumünster | „Die Zeit heilt keine Wunden – man lernt nur, mit dem Schmerz zu leben.“ Die junge Frau (35) weiß, wovon sie spricht. Vor genau drei Jahren verschwand ihr Lebensgefährte und Vater ihrer jüngsten Tochter spurlos. Die Mordkommission in Kiel ist sich sicher, dass der Student Georg Linnemann getötet wurde – auch wenn bisher nicht einmal die Leiche des damals 28-Jährigen gefunden wurde. Doch die Polizei ermittelt weiter. Erst vor wenigen Wochen wurden erneut Suchhunde eingesetzt – leider vergeblich.

Der Student Georg Linnemann: Seit dem 15. Dezember 2014 gibt es kein Lebenszeichen mehr von dem Neumünsteraner.
Polizei
Der Student Georg Linnemann: Seit dem 15. Dezember 2014 gibt es kein Lebenszeichen mehr von dem Neumünsteraner.
 

Auch Georg Linnemanns Freundin lässt keine Ruhe. Sie will sein Schicksal klären, um irgendwann die Fragen ihrer Kinder beantworten zu können und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Seit auf dem Großflecken wieder die Weihnachtsbuden stehen, sind ihr die letzten Momente mit Georg wieder so lebendig vor Augen, als wäre es erst gestern gewesen. Seine letzte Handy-Nachricht erreichte die junge Mutter am 15. Dezember 2014 gegen 16 Uhr auf dem Weihnachtsmarkt. Dort machte sie sich mit ihrer ältesten Tochter (heute 4) gerade einen fröhlichen Nachmittag. „Viel Spaß – und passt beim Karussellfahren gut auf Euch auf“, lauteten die liebevollen Zeilen ihres Freundes. Danach blieb Georgs Handy ausgeschaltet – für immer.

„Ich konnte mir nie vorstellen, dass er einfach weggegangen ist“

Dass etwas nicht stimmt, wurde seiner Freundin schnell klar. Georg wollte an dem Nachmittag nur noch rasch was erledigen, anschließend wollte sich das Paar einen gemütlichen Abend machen. Doch Georg meldete sich nicht mehr. „Ich konnte mir nie vorstellen, dass er einfach weggegangen ist“, sagt seine Freundin. Erst kurz vor seinem Verschwinden hatte Georg Linnemann erfahren, dass er Vater werden würde.

„Wir wollten als Familie zusammenleben. Er hat sich sehr auf das Kind gefreut“, erzählt sie. Mittlerweile ist Georgs Tochter zweieinhalb Jahre alt. Ihren Vater kennt sie ausschließlich aus Erzählungen und von Fotos. „Mein Papa lebt im Himmel“, sagt sie manchmal. Gemeinsam mit ihrer großen Halbschwester, die von Georg wie ein eigenes Kind geliebt wurde, spielt sie gern in dem kleinen Holzhäuschen, das der handwerklich geschickte Maschinenbau-Student in seinem letzten Sommer im Garten baute.

Verschwinden bleibt ein Rätsel

Was genau an dem Winternachmittag vor drei Jahren geschah, ist immer noch ein Rätsel. Georgs Freundin startete bereits wenige Stunden nach dem mysteriösen Verschwinden die Suche. Immer wieder wählte sie seine Nummer. „Es war von Anfang an merkwürdig. Georg war auf dem Handy eigentlich immer zu erreichen“, sagt sie. Auch bei Freunden oder im Krankenhaus war er nicht. Am nächsten Tag ging die junge Frau deshalb zur Polizei. Die suchte zwar im Computer, ob sein Wagen irgendwo aufgefallen sei – doch mehr passierte erst einmal nicht.

Dieses Auto des Verschwundenen wurde in Hamburg gefunden. Wer fuhr den Wagen dorthin? Das fragen sich Georgs Freundin und die Polizei.
Polizei
Dieses Auto des Verschwundenen wurde in Hamburg gefunden. Wer fuhr den Wagen dorthin? Das fragen sich Georgs Freundin und die Polizei.

Fünf Tage später, es war der 20. Dezember 2014, gab es die erste Spur: Georgs dunkelblauer Golf IV mit dem Kennzeichen NMS-ZX-88 wurde von der Polizei in Hamburg-Osdorf am Elbe-Einkaufszentrum sichergestellt. Allerdings war auch das noch kein Hinweis auf ein Verbrechen, und deshalb blieb von offizieller Seite die öffentliche Suche aus.

Die Freundin wartet weiter auf Antworten

Georgs Freundin reichte das nicht. Mittlerweile hatte sie die Facebook-Seite „Vermisst wird Georg Linnemann“ einrichten lassen. Dort erhielt sie zwar viel Zuspruch und Interesse vieler Leser, ein brauchbarer Hinweis auf Georg Linnemanns Schicksal war aber auch dort nie dabei.

Im April 2015 – vier Monate nach Georgs Verschwinden – änderte sich alles: Jetzt stand plötzlich die Kriminalpolizei vor der Tür der Neumünsteranerin und hatte Fragen. „Im Rahmen anderer Ermittlungen hatte sich der Tatverdacht gegen zwei Männer aus Neumünster und Kappeln, die dem persönlichen Umfeld des Herrn Linnemann zuzurechnen sind, erhärtet“, erklärt Matthias Arends, Pressesprecher der Polizeidirektion Kiel, für die zuständige Mordkommission.

War Linnemann selbst in Straftaten verstrickt?

Haben die Männer etwas mit dem Verschwinden zu tun? Haben sie Georg umgebracht? Und warum? Antworten hat Georgs Freundin bis heute nicht bekommen. Offenbar schweigen die Männer, die damals wegen Diebstählen in Untersuchungshaft saßen, beharrlich zu den Vorwürfen. Im November 2015 wurden sie vom Landgericht Flensburg zu 5,5 beziehungsweise 3,5 Jahren Haft verurteilt.

Möglicherweise war auch Georg Linnemann in Straftaten verstrickt. Laut Polizei besteht der Verdacht, dass er zu einer Bande gehörte, die in Schleswig-Holstein Garagen und Lagerhallen aufbrach, Aufsitzrasenmäher und Motorräder klaute. Er soll Motorradteile im Internet angeboten haben. Liegt hier das Motiv für sein Verschwinden?

Georgs Lebensgefährtin fehlt jeder Ansatzpunkt. „Mir ist damals nichts Merkwürdiges aufgefallen. Er war täglich bei mir“, sagt sie. Doch sie weiß mittlerweile auch, dass es einige dunkle Seiten in seiner Vergangenheit gegeben haben muss und dass es möglicherweise irgendwo Menschen gibt, die von ihrer hartnäckigen Suche nach der Wahrheit nicht begeistert sind und vor Gewalt nicht zurückschrecken. Deshalb möchte sie auch ihren Namen nicht nennen.

Die Polizei geht von Tötung aus

Die Suche nach Georg Linnemann gestaltete sich von Anfang an schwierig. Wichtige Spuren waren für die Polizei das Auto des Opfers sowie ein gelber Leihanhänger. Der Hänger wurde am 3. Januar 2015 in Neumünster am Wernershagener Weg/Ecke Weberstraße umgestürzt am Straßenrand entdeckt. Georg Linnemann hatte ihn noch selbst gemietet, möglicherweise sollte damit Diebesgut transportiert werden, meint die Polizei. Der Student soll Kontakte nach Hamburg, Dänemark und Niedersachsen gehabt haben. Er wuchs als Sohn eines Ärztepaares in Bremervörde auf.

Diesen Anhänger hatte Georg Linnemann gemietet. Er wurde umgestürzt am Straßenrand gefunden.
Polizei
Diesen Anhänger hatte Georg Linnemann gemietet. Er wurde umgestürzt am Straßenrand gefunden.

Mehrfach suchten die Ermittler konkret nach seiner Leiche: Sie sind sich sicher, dass Georg Linnemann getötet, verbrannt und in Neumünster oder im Umland vergraben wurde. Im Juli 2015 durchkämmte die Polizei eine Wiese in Wasbek, grub mit schwerem Gerät – doch vergeblich. Mitte Oktober 2015 suchte sie nach einem Tipp erfolglos ein Kleingartengelände ab.

Auch drei Jahre nach dem rätselhaften Verschwinden des Studenten gehen die Nachforschungen weiter, sobald es einen Ansatzpunkt gibt: Erst vor wenigen Wochen, im November, „erhielt die Mordkommission einen Hinweis auf einen möglichen Ablageort“, erklärt Polizeisprecher Matthias Arends. Wo genau der Tipp die Beamten hinführte, wollte der Sprecher aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen. Suchhunde wurden eingesetzt, doch Georg blieb auch diesmal wie vom Erdboden verschluckt. Sein Handy wurde ebenfalls bis heute nie gefunden.

Belohnung für brauchbare Hinweise

Auch Suchaktionen, die seine Freundin immer wieder beim kleinsten Hinweis gemeinsam mit Freunden initiierte, verliefen bisher im Sande. Trotzdem gibt sie die Hoffnung nicht auf, irgendwann Licht ins Dunkel zu bringen.

„Das Ermittlungsverfahren läuft nach wie vor. Wir sind auf Zeugen angewiesen, die Angaben zu Georg Linnemann und auch zu einem möglichen Ablageort des Leichnams machen können“, sagt der Polizeisprecher. Für Hinweise, die zum Auffinden der Leiche und zum Täter führen, hat die Staatsanwaltschaft Kiel eine Belohnung in Höhe von 1500 Euro ausgelobt. Zu erreichen sind die Ermittler unter Telefonnummer 0431/1603333.

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