Nach Verfolgungsjagd im Januar : Neumünster: 20-jähriger Raser verurteilt

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Ein junger Mann hatte seinen Roller manipuliert und lieferte sich im Januar eine Verfolgungsjagd mit der Polizei. Jetzt muss er zahlen.

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17. Juni 2015, 06:30 Uhr

Neumünster | Es war ein äußerst gefährlicher Nervenkitzel, den sich ein junger Neumünsteraner am 18. Januar in der Innenstadt gönnte. Mit mehr als 100 Stundenkilometern und Alkohol im Blut raste der 20-Jährige auf einem frisierten Motorroller durch die Straßen und provozierte damit eine einstündige Verfolgungsfahrt durch die Polizei. Gestern sollte sich der Neumünsteraner dafür vor Gericht verantworten – doch er kam nicht. Das schützt ihn jedoch nicht vor den Konsequenzen. Die Richterin erließ auf Antrag der Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl in Abwesenheit des Angeklagten. Jetzt muss der junge Mann wegen vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs 500 Euro zahlen, bekam eine Führerscheinsperre von einem Jahr und ist außerdem den Roller los. Denn der wurde quasi als Tatwerkzeug eingezogen.

Wie gefährlich die nächtliche Raserei des jungen Mannes war, schilderte ein Polizist am Rande der Verhandlung. Der Beamte hatte damals am Steuer des Streifenwagens gesessen, als der Rollerfahrer gegen 3 Uhr mit hoher Geschwindigkeit die Max-Johannsen-Brücke herunterkam. „Wir fuhren gerade auf der Rendsburger Straße stadteinwärts. Plötzlich kam der Roller von links von der Brücke, fast unbeleuchtet und viel zu schnell. Direkt vor unserem Streifenwagen raste er über die Kreuzung Richtung Bad am Stadtwald“, schilderte der Polizist die Begegnung.

Sofort nahmen die Beamten die Verfolgung auf, schalteten Blaulicht, den Schriftzug „Stop Polizei“ und das Martinshorn ein. Gleichzeitig nahmen sie den jungen Raser per Videokamera auf. Doch den schienen all die Aufforderungen zum Halten überhaupt nicht zu stören. „Er drehte sich um, guckte und fuhr weiter“, berichtete der Zeuge noch immer kopfschüttelnd.

In atemberaubendem Tempo ging es weiter in die Carlstraße. Von dort bog der Mann mit seinem Zweirad immer noch in halsbrecherischem Fahrstil in den Stadtpark ab, die Polizei nach wie vor auf den Fersen. „Am Tag hätten wir längst abbrechen müssen, um nicht noch Passanten zu gefährden. Doch nachts um 3 Uhr war ja zum Glück nichts los“, erklärte der Polizist.

Längst hatten die Beamten Verstärkung angefordert, während der Roller an den Bahnschienen entlang raste. Als er schließlich am Junglöwweg wieder heraus kam, warteten dort bereits die Kollegen auf den Kamikaze-Fahrer. Doch der gab noch immer nicht auf. Nach einem Sturz rappelte er sich wieder auf, sprang erneut auf den Roller und setzte die Flucht noch ein paar Meter fort. „Am Sandweg zum Flughafen war schließlich Schluss“, so der Polizist. Schnell stellte sich heraus, dass der junge Mann die Maschine so manipuliert hatte, dass sie statt der zulässigen 25 Stundenkilometer auf rund 100 Sachen kam. Er hatte keinen entsprechenden Führerschein, keinen Versicherungsschutz, dafür aber 0,64 Promille Alkohol im Blut. Als der Raser den Helm abnahm, erkannten die Ermittler ihn sofort als „alten Bekannten“.

Der junge Mann ist nicht der einzige, der mit selbstmörderischen Fahrten auf manipulierten Maschinen den Ordnungshütern in Neumünster das Leben schwer macht. „Es gibt hier eine Gruppe von zirka zehn Jugendlichen und Heranwachsenden, die macht sich einen Spaß draus. Sie provozieren regelrecht Verfolgungsfahrten mit der Polizei, hupen und winken, wenn sie einen Streifenwagen sehen“, so der Beamte. Dass bisher noch niemand ernsthaft zu Schaden gekommen sei, grenze an ein Wunder.

Kommentar: Hochgradig verantwortungslos

Nein, das ist kein Dummer-Jungen-Streich mehr.  Wer  ein Fahrzeug  manipuliert, um damit um einiges schneller zu fahren als erlaubt, gehört sicher nicht auf öffentliche Straßen.  Denn dort muss niemand damit rechnen, dass ein eigentlich langsames Zweirad plötzlich raketenartig um die Ecke gebrettert kommt. Das Verhalten der jungen Raser, die der Polizei seit geraumer Zeit immer wieder das Leben schwer machen, ist alles andere als cool. Stattdessen ist es hochgradig verantwortungslos. Die Folgen eines Unfalls, die die Fahrer – aber auch unschuldige Passanten – ereilen könnten, scheinen  sich die jungen Raser in keiner Weise bewusst zu machen. Stattdessen verstecken sie sich feige unter ihrem Helm, spielen Katz und Maus mit der Polizei, die eben mit Rücksicht auf die öffentliche Sicherheit nicht jeden Kamikaze-Ritt bis zum Schluss  mitgehen darf. Bleibt zu hoffen, dass diejenigen, die dann doch mal erwischt werden, wenigsten die volle Härte des Gesetzes zu spüren bekommen.

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