Bad am Stadtwald : Neues Freibad für 11,5 Millionen Euro

Das Sportbecken im Bad am Stadtwald (im Vordergrund) soll abgerissen und in gleicher Größe neu gebaut werden. Darüber ist der Neubau einer festen Halle geplant, voraussichtlich mit Panorama-Scheiben. Auch das marode Nichtschwimmerbecken (hinten) sowie der Kleinkind-Bereich (nicht im Bild) sollen neugestaltet werden.
Das Sportbecken im Bad am Stadtwald (im Vordergrund) soll abgerissen und in gleicher Größe neu gebaut werden. Darüber ist der Neubau einer festen Halle geplant, voraussichtlich mit Panorama-Scheiben. Auch das marode Nichtschwimmerbecken (hinten) sowie der Kleinkind-Bereich (nicht im Bild) sollen neugestaltet werden.

Der Rat stimmt am 14. Juli über einen neuen 20-Jahres-Vertrag mit dem Bad am Stadtwald über das Schul- und Vereinsschwimmen ab.

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27. Juni 2015, 05:00 Uhr

Neumünster | Nun ist es spruchreif: Zehn Monate, nachdem der Chef vom Bad am Stadtwald, Tom Keidel, die ersten Pläne für eine feste Halle über dem Sportbecken des Freibads vorgestellt hat (der Courier berichtete), entscheidet die Ratsversammlung am 14. Juli, ob sie dem Neubau und damit auch der Umgestaltung des gesamten Freibads zustimmt. Die geschätzten Kosten für die Stadtwerke (SWN) liegen bei 11,5 Millionen Euro. Gibt es grünes Licht, soll im September 2017 alles fertig sein. Die immer wieder durch Sturm beschädigte und jedes Jahr aufs Neue auf- und abgebaute Traglufthalle wäre dann endgültig Geschichte.

Konkret geht es im Stadtparlament um den Vertrag zwischen der Stadt und der SWN Bäder und Freizeit GmbH über das Schul- und Vereinsschwimmen für die Jahre 2017 bis 2037. Mit der neuen Preisstruktur über 20 Jahre wollen die Stadtwerke die Millionen-Investition absichern. Dabei soll auch künftig an der Abrechnung nach geschwommenen Bahnen festgehalten werden. Aktuell zahlt die Stadt den SWN 45,35 Euro pro Bahn. Der Tarif soll deutlich auf 71,70 Euro steigen. Allerdings will die Stadt die Vereine nicht zusätzlich belasten: Sie sollen weiterhin „nur“ 45,35 Euro zahlen.

Um die fehlende Deckung aufzufangen, ist daher ein Zusatzbeitrag von 4,49 Euro pro Bahn für das Schulschwimmen vorgesehen. Das heißt: Die Stadt muss künftig für das Schulschwimmen statt gut 250  000 Euro ab 2017 fast 425  000 Euro im Jahr an die SWN zahlen. Dabei geht die Verwaltung von der Annahme aus, dass auch in den kommenden zwei Jahrzehnten eine Schwimmausbildung in den 3. und 5. Klassen stattfindet.

Beim Vereinsschwimmen sollen sowohl der Anteil der Stadt von knapp 190  000 Euro pro Jahr als auch die Eigenbeteiligung der Schwimmsportvereine von knapp 50  000 Euro pro Jahr unverändert bleiben. Die Stadt subventioniert auf diese Weise über das Schulschwimmen das Vereinsschwimmen. In dem von der Verwaltung eingebrachten Antrag heißt es: „Ausgehend davon, dass das Kontingent von 4158 Bahnen derzeit als voll ausgelastet gilt, kann heute nur vermutet werden, dass der Vereinsschwimmsport zusammen mit den Aktivitäten der DLRG weiterhin einen wichtigen Platz in der Sportlandschaft von Neumünster einnimmt.“

Das Rathaus weist auch eindringlich darauf hin, dass es laut Einkommenssteuergesetz für die SWN unumgänglich ist, das Schulschwimmen im Vertrag kostendeckend abzurechnen. „Eine eventuelle Unterdeckung der tatsächlichen Kosten wird von der Finanzverwaltung als eine verdeckte Gewinnausschüttung von der SWN an die Stadt bewertet. Diese Gewinnausschüttung hätte die Stadt mit 15 Prozent Kapitalertragssteuer zuzüglich 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag zu versteuern.“

Tom Keidel erklärte gestern auf Nachfrage, der Neubau diene in erster Linie dazu, das Schul- und Vereinsschwimmen wetterunabhängig zu gestalten. Wichtig sei zudem, dass auch weiterhin acht 50-Meter-Bahnen eingeplant sind. Damit bleibe das Bad am Stadtwald für internationale Wettkämpfe gerüstet. „Im Zuge des Umbaus werden wir aber nicht nur das marode Sport- und das ebenfalls aus dem Jahr 1971 stammende Nichtschwimmerbecken erneuern, sondern auch den Kleinkindbereich“, sagte er. Im Schul-, Kultur- und Sportausschuss am 2. Juli will der Bad-Chef die Architektenpläne erstmals der Öffentlichkeit vorstellen.

Kommentar von Christian Lipovsek:

Die Konkurrenz schläft schon lange nicht mehr. In Kaltenkirchen hat man gerade viel Geld in die Modernisierung der Holstentherme gesteckt, in Kiel wird ein neues Schwimmbad direkt in der Innenstadt gebaut. Will das Bad am Stadtwald  wettbewerbsfähig und ein Aushängeschild für die Stadt bleiben, muss der Neubau kommen. Nur so ist auch sichergestellt, dass auch bei Sturm und Hagel das Schul- und Vereinsschwimmen zuverlässig stattfinden kann. Dass die Stadt die ohnehin durch die Haushaltskonsolidierung gebeutelten Vereine finanziell verschonen will, macht Sinn. Allerdings trägt sie damit über das Schulschwimmen den Löwenanteil der Kosten selbst; die Konstruktion ist ganz clever. Sie ist finanziell machbar und sowieso ein Zukunftsprojekt ohne Alternative. Mal schauen, wie lange die Eltern nichts für den Schwimmunterricht ihrer Kinder zahlen müssen. Noch ist das offenbar im Rathaus nicht geplant.

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