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Stadtplanung : Neuer Streit um die Bäume am Teich

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Naturfreunde wollen wieder einheimische Laubbäume auf der Promenade / CDU will an freier Sicht über den Teich festhalten

von
erstellt am 20.Feb.2014 | 09:30 Uhr

Fünf Jahre nach dem Umbau der Uferpromenade am Teich zeichnet sich ein neuer Streit um die Gestaltung des Teichufers ab. Der Verein der Naturfreunde richtet einen öffentlichen Appell an die Stadt, die baumlose Flaniermeile an der Straße Am Teich zum frühestmöglichen Zeitpunkt mit mindestens 20 heimischen Laubbäumen zu bepflanzen. Neumünster biete sich „eine einmalige Chance, die denkmalgeschützte Teichuferanlage wiederherzustellen“, begründet Dieter Reese die Forderung des Naturschutzverbandes. Reese verweist auf die vorgeschriebenen Ersatzpflanzungen im Umfeld der künftigen Holsten-Galerie. Er ist auch der Naturschutzbeauftragte der Stadt.

Um das neue Parkhaus an der Kaiserstraße hochzuziehen, müssen im Umfeld der Kaiserstraße 18 größere Bäume weichen. Die Stadt fordert dafür 26 junge Bäume als Ersatz, die aber nach dem Neubau nicht alle an der Kaiserstraße Platz finden. Die Verwaltung hatte dem Bauausschuss daher jüngst vorgeschlagen, die Promenade am Teich mit 14 Säuleneichen zu schmücken (der Courier berichtete).

Genau das hatte der Bauausschuss allerdings vor vier Jahren nach einem erbitterten Parteienstreit um die Begrünung der damals frisch angelegten Promenade abgelehnt. Im Zuge der Neugestaltung hatten die Planer als Ersatz für die 13 gefällten Linden damals zunächst eine Ginkgo-Allee als Baumschmuck empfohlen. SPD und Naturschutzverbände lehnten das ab und plädierten stattdessen für einheimische Laubbäume. CDU und FDP gefiel die neue Promenade schließlich am besten ganz ohne neue Bäume – sie setzten sich im Ausschuss durch. Die Stadt bekam eine neue Uferpromenade, unter deren Pflaster aber bereits eine Reihe so genannter Bauminseln für eine spätere Bepflanzung angelegt ist.

Ratsfrau Helga Bühse (CDU), damals wie heute Mitglied im Bauausschuss, sieht keinen Anlass, ihre Entscheidung von 2009 zu revidieren: „Für den offenen Blick über den Teich haben wir damals viel Zustimmung bekommen“, sagt sie. Es gebe keinen Grund, von der „nach wie vor attraktiven Lösung“ abzuweichen. Die Ersatzbäume für die Holsten-Galerie könnten auch an anderer Stelle gepflanzt werden, zum Beispiel auf der Karstadt-Seite des Teichufers. Ohnehin sei die Stadt dabei, die „grüne Achse“ durch die Innenstadt zu überplanen, argumentiert die CDU-Ratsfrau.

Dieter Reese hält dagegen: Die notwendigen Ersatzpflanzungen böten der Stadt „eine einmalige Chance, einen Fehler zum Nulltarif zu korrigieren“. Die Linden gehörten zum historischen Bild des Teichufers und hätten nie gefällt werden dürfen, rügt der Naturschutzbeauftragte und setzt noch eins drauf: Statt der von der Verwaltung vorgeschlagenen 14 Säuleneichen könnte die Stadt 20 Bäume auf ECE-Kosten auf der Promenade pflanzen. Offenbar habe die Verwaltung ihren üblichen Schlüssel für Ersatzpflanzungen von 1 : 2 gegenüber dem Investor noch nicht voll angewendet. Im Klartext: „Eigentlich wären 32 statt 26 Ersatzpflanzungen fällig“, sagt Reese.

Die SPD hat sich in dem anbahnenden Streit noch nicht positioniert: „Wir warten das Votum des städtischen Naturschutzbeirats ab – wie vom Bauausschuss beschlossen“, sagte Ratsfrau Heidemarie Stephan, 2009 im Ausschuss noch treibende Kraft für eine Bepflanzung der Promenade. An ihrer persönlichen Auffassung habe sich aber seit 2009 nichts geändert, unterstrich sie.

Der Naturschutzbeirat der Stadt tagt am 3. April in nicht öffentlicher Sitzung. Dieter Reese ist dort Vorsitzender, Helga Bühse Mitglied.

COURIER-KOMMENTAR

Bäume haben eine merkwürdige Wirkung: Man nimmt sie erst richtig wahr, wenn sie fehlen. Entsprechend laut war der öffentliche Aufschrei, als 2009 plötzlich nur noch die Stümpfe der Linden aus dem Ufersaum des Teiches ragten. Jahrzehnte hatten die imposanten Baumriesen das Bild der Straße Am Teich und ihrer Häuserfassade geprägt – nun waren sie weg, das schmerzte. Die Stadt tröstete, alles sollte neu und schön werden, und selbstverständlich sollte die neue schöne Uferpromenade wieder von einer Baumreihe gesäumt werden. Dann aber wurden die Bäume plötzlich in der politischen Diskussion zerschreddert. Im Streit um die richtige Baumart war plötzlich die baumlose Allee die beste. Ein bisschen hatte das was von Schilda. Wenn die Stadt jetzt die Chance hat, die ansonsten tatsächlich schmuck ausgefallene Promenade endlich zu vollenden, sollte sie zugreifen.

Jens Bluhm

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