Leonard Fu : Neuer Star am Geigerhimmel aus Neumünster

Leonard Fu kann bereits auf eine beachtliche musikalische Karriere zurückblicken.
Leonard Fu kann bereits auf eine beachtliche musikalische Karriere zurückblicken.

Musikexperten sagen dem 17-Jährigen bereits eine Karriere als Solist voraus. Klassik ist für Fu aber nicht alles. Er hört auch gerne Papa Roach.

shz.de von
14. Dezember 2014, 16:05 Uhr

Neumünster/Hamburg | Sich mit Leonard Fu zu verabreden, ist gar nicht so leicht. Der 17-Jährige hat gerade unheimlich viel zu tun. Zwischen Schule, Hausaufgaben, Abi-Probeklausuren, Bewerbungen an Musikhochschulen, Violinenstunden, Proben und Auftritten bleibt dem jungen Geiger aus Neumünster kaum Freizeit. Schließlich findet sich aber doch ein Termin. Wir treffen uns in einem Café nahe der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, wo der gebürtige Kieler später noch Unterricht haben wird. Er ist dort ein regelmäßiger Gast, drei- bis fünfmal pro Woche besucht er irgendwelche Veranstaltungen. Im Hauptfach hat er Geige belegt, im Nebenfach Klavier. Dazu kommen Theorie, Gehörbildungsunterricht, Kammermusik.

Ein strammes Pensum für einen Teenager. Aber Leonard Fu wirkt kein bisschen gestresst. Im Gegenteil: strahlendes Lächeln, wacher Blick, herzliche Begrüßung. In die Schublade trauriges, von ehrgeizigen Eltern auf Erfolg gedrilltes Wunderkind passt er ganz bestimmt nicht. Weil er von seiner Mutter und seinem Vater zuhause nicht den geringsten Druck kriegt: „Sie haben ziemlich früh damit angefangen, mir alles selbst zu überlassen. Ob ich übe oder nicht, ist allein meine Entscheidung.“ Sich auf Befehl ans Instrument zu setzen, glaubt er, würde eh nichts bringen: „Fürs Spielen musst du in der richtigen Stimmung sein, sonst kannst du keine Fortschritte machen.“

Wer seinen bisherigen Werdegang Revue passieren lässt, gewinnt den Eindruck: Der Sohn chinesischer Einwanderer muss geradezu verrückt nach Musik sein. Mit vier entdeckt er das Piano für sich, mit sieben die Violine: „Ich wollte meinen beiden Schwestern nacheifern. Die Älteste hat Klavier gespielt, die Mittlere Geige.“ 2005 wurde er als einer der jüngsten Studenten an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Seine Lehrerinnen waren Ina Kertscher und Lara Lev. Derzeit unterrichtet ihn Tanja Becker-Bender in Hamburg. Nebenbei hat er Meisterkurse bei Boris Garlitsky, Donald Weilerstein oder Mauricio Fuks belegt.

Er nimmt regelmäßig an Wettbewerben teil. 2009 belegte er zum Beispiel beim „Internationalen Violinwettbewerb Andrea Postacchini“ in Italien den zweiten Platz, 2013 gewann er „Jugend musiziert“ sowohl in der Kategorie Geige als auch mit seinem Klaviertrio. In diesem Jahr ging er aus dem „Tonali“-Finale in Hamburg als Sieger hervor. Mit seiner eindrucksvollen Interpretation des Mendelssohn-Violinkonzerts hatte er die internationale Jury überzeugt.

Das brachte ihm nicht bloß ein Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro ein, sondern ein neues Instrument. Für zunächst zwölf Monate wurde ihm eine hochwertige Violine der Geigenbauerin Nicola Gagliano zur Verfügung gestellt: „Ich bin dafür unheimlich dankbar, weil ich klanglich jetzt viel mehr Möglichkeiten habe.“ Das wird er demnächst unter Beweis stellen, wenn er im Rahmen der „zwölf.orte – Klassik in deinem Kiez“-Konzertreihe im Kulturpalast Billstedt auftritt. An diesem Abend wird Leonard Fu nicht einfach bloß sein übliches Repertoire spielen, er klüngelt gerade ein ausgefallenes Konzept inklusive Moderation aus. Schließlich gilt es, ein jüngeres Publikum für die Werke von Prokofjew oder Schnittke zu begeistern. Dass das eine echte Herausforderung ist, weiß der Nachwuchsmusiker aus persönlicher Erfahrung. Seine Mitschüler finden es zwar ganz cool, einen hochtalentierten Geiger in ihrer Mitte zu haben, trotzdem hören sie deshalb nicht mehr Klassik.

Auch Leonard Fu steht nicht nur auf Brahms und Seinesgleichen, er begeistert sich mindestens genauso für Tim Bendzko, Sunrise Avenue oder Papa Roach. Dance mit dröhnenden Beats kann er dagegen nichts abgewinnen, er ist eh kein passionierter Clubgänger. Erstens fehlt ihm dafür die Zeit, zweitens sind Partys nicht sein Ding. Sport reizt ihn mehr. Theoretisch dürfte er zwar weder Volleyball noch Basketball spielen, weil er sich dabei leicht die Finger verletzen könnte, praktisch hält er sich nicht an dieses Verbot: „Es bringt nichts, mit Angst an alles ranzugehen. Denn meinen Händen könnte doch selbst im Alltag überall etwas passieren.“

Das wäre natürlich fatal. Schließlich sagen Musikexperten Leonard Fu bereits eine Karriere als Solist voraus. Damit würde für ihn ein Traum in Erfüllung gehen, keine Frage. Ein Plattenvertrag und Auftritte mit den besten Orchestern wären für ihn das Allergrößte. Falls es wider aller Erwartungen nicht dazu kommen sollte, würde für den Schleswig-Holsteiner dennoch keine Welt einstürzen. Kammermusik zu machen, Orchestermusiker zu werden oder zu unterrichten – das wären Alternativen, mit denen er sich durchaus anfreunden könnte: „Wenn man mit seiner Musik wirklich etwas zu sagen hat, dann kann man das auf jede erdenkliche Art tun.“

Leonard Fu tritt Sa., 24. Januar, 19 Uhr, im Kulturpalast Billstedt in Hamburg auf. Karten: Tel. 040/82245680.

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