Baustelle : Neuer Ärger um die Wasbeker Straße

Kein Durchkommen mehr: Seit Montagmorgen  können Autofahrer nicht mehr aus der Linienstraße in die Wasbeker Straße einfahren. Zum Ärger vieler Anlieger müssen sie über die Wilhelmstraße ausweichen.
Kein Durchkommen mehr: Seit Montagmorgen können Autofahrer nicht mehr aus der Linienstraße in die Wasbeker Straße einfahren. Zum Ärger vieler Anlieger müssen sie über die Wilhelmstraße ausweichen.

Die geänderte Umleitung durch die Wilhelmstraße stößt bei Anliegern auf wenig Verständnis. Die Bauarbeiten sind mehr als drei Monate im Verzug.

23-2501581_23-57193236_1387553880.JPG von
18. März 2014, 05:00 Uhr

Neumünster | Der Ärger um die Verzögerungen beim Ausbau der Wasbeker Straße nimmt kein Ende. Erst stand die Baustelle still, weil ein Subunternehmer die Baustelle Hals über Kopf geräumt hatte, dann erwiesen sich die Schäden am Kanalnetz als wesentlich umfangreicher als erwartet, jetzt sorgt eine erneute Verlegung der Umleitungsstrecke bei den Anliegern für böses Blut. Sie befürchten, nun noch schwerer gefunden zu werden – und weitere Verzögerungen im Baufortschritt. Schon jetzt liegt der Ausbau drei Monate hinter dem Plan.

Konkret: Entgegen ursprünglichen Ansagen der Stadt wurde die Straße zwischen Eisenbahnbrücke und Einmündung Wilhelmstraße nun doch voll gesperrt. Die Zufahrt zur Wasbeker Straße über die Linienstraße ist seit gestern Morgen nicht mehr möglich (der Courier berichtete). Stattdessen sollen Autofahrer, die die Wasbeker Straße ansteuern, jetzt über die Wilhelmstraße rollen. Die Spielstraße wurde dazu zur Einbahnstraße in Richtung Wasbeker Straße umgewidmet.

Die geänderte Umleitung hat Folgen, etwa für den Sky-Markt: Konnten sich Kunden, die mit dem Auto kommen, bislang noch über Linienstraße und den für Autos frei gegebenen Fußweg neben der Baustelle durchwurschteln, müssen sie jetzt einen noch größeren Bogen über Bahnhofstraße, Friedrichstraße, Wippendorfstraße, Werderstraße und Wilhelmstraße in Kauf nehmen. „Das macht doch niemand mehr mit“, warnt Marktleiter Jan Wohlers, der ohnehin bereits seit Beginn der Baustelle im vergangenen Juni „spürbare Umsatzverluste“ registriert. Die dürften jetzt noch einmal deutlich zunehmen, befürchtet Wohlers. Die neue Umleitung durch die Wilhelmstraße hält er auch verkehrstechnisch für bedenklich: Auch der Anlieferverkehr zum Markt (und anderen Geschäften) müsse jetzt durch die enge Spielstraße mit ihren Verschwenkungen, gibt der Marktleiter zu bedenken: „Wenn unsere Laster wieder vom Parkplatz fahren, müssen mehrere Pkw in der Wilhelmstraße zurücksetzen.“

Die Stadt verteidigte gestern die Vollsperrung – unter anderem mit Sicherheitsbedenken. Trotz klarer Beschilderung sei der extra ausgewiesene Fuß- und Radweg neben der Baustelle kaum angenommen worden, zog Jörg Schulz vom Fachdienst Tiefbau Bilanz. Die Folge: Auf dem fürs Auto freigegebenen Bürgersteig sei es zu teils gefährlichen Begegnungen gekommen. Weil in dem ohnehin engen Baustellenbereich jetzt aber auch noch mehrere Hausanschlüsse zum Kanal verlegt werden müssen, sei die Sperrung aber auch technisch geboten, sagte Schulz.

Anrainer Rainer Lucht, Sprachrohr der frustrierten Anlieger, hat an der überraschenden Ankündigung der Stadt aber noch etwas anderes elektrisiert. Sollte die Sperrung tatsächlich wie angekündigt bis zum 30. April dauern, hätte die Stadt ihren angekündigten Zeitplan um viereinhalb Monate überzogen, rechnet Lucht vor und warnt eindringlich: „Die Stadt spielt mit den Existenzen der Geschäftsleute an der Wasbeker Straße.“ Er fordert die Stadt auf, die Arbeiten endlich zu beschleunigen, etwa durch zusätzliche Schichten am Wochenende.

COURIER-KOMMENTAR

Diese Baustelle stand von Anfang an unter keinem guten Stern: Ausgerechnet zum Auftakt der Holstenköste machte die Stadt im vergangenen Sommer die Wasbeker Straße ab Schleusberg dicht, um den lange diskutierten Ausbau zu starten. Die Folge war ein Verkehrschaos schon am ersten Tag. Weitere Pannen folgten: Zuerst quittierte unverhofft ein Subunternehmen den Dienst, die Arbeiten standen über Wochen still. Dann stellte sich heraus, dass die Schäden am Kanal offenbar weit gravierender waren als angenommen. Aus der zeitsparenden Inliner-Sanierung wurde nichts. Die Straße musste unter hohem Zeitverlust aufgegraben werden. Man kann mit gutem Willen unterstellen – wozu nicht jedermann an der Wasbeker Straße bereit ist – dass die Stadt zumindest an den beiden letztgenannten Pannen keine Schuld trifft. Die Geschäftsleute, die hier seit zehn Monaten ums Überleben kämpfen, aber mit Sicherheit auch nicht. Es wird deshalb Zeit, dass die Stadt den entnervten Anliegern entgegenkommt und die Bauarbeiten endlich forciert, bevor den betroffenen Geschäften finanziell die Luft ausgeht.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen