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Holsteinischer Courier

25. September 2017 | 06:38 Uhr

AJZ : Neue Zeiten schreckten Besucher ab

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Nur rund 80 Gäste fanden am Sonnabend den Weg zum Konzert im AJZ. Die Betreiber haben Widerspruch gegen die Ordnungsverfügung eingelegt.

shz.de von
erstellt am 14.Apr.2014 | 12:00 Uhr

Neumünster | Wie geht es weiter mit der Aktion Jugendzentrum (AJZ)? Diese Frage stellen sich derzeit viele, nachdem die Stadt nach Anwohnerbeschwerden eine Ordnungsverfügung erlassen hat, nach der ein Veranstaltungsende um 22 Uhr gesetzt ist (der Courier berichtete). Am Sonnabend fand das erste Konzert nach der Verfügung statt. „Wir haben Widerspruch gegen den Erlass eingelegt. Bis sich etwas ergeben hat, haben wir mit der Stadt vereinbart, unsere Kulturarbeit wie bisher und im Rahmen der mit der Nachbarschaft getroffenen Absprachen fortzusetzen“, erzählte Anika Pfahl von der AJZ. Demnach dürfe vorerst weiterhin bis 24 Uhr Live-Musik gespielt werden.

Überstrapazieren wollten sie diese Duldung allerdings auch nicht. Mit den Bands „Im und am Körper“ und den „Surfits“ aus Hamburg sowie „Snareset“ aus Greven (Nordrhein-Westfalen) spielten drei Ska-Punk-Bands im Jugendzentrum an der Friedrichstraße auf. „Um ein Entgegenkommen zu signalisieren, haben wir bereits zwei Stunden früher als sonst die Türen geöffnet und machen eher Schluss. Wir merken aber jetzt schon, dass deutlich weniger Gäste gekommen sind“, so Anika Pfahl. Nur etwa 80 Konzertbesucher wurden am Sonnabend gezählt.

Insbesondere für AJZ-Gäste von außerhalb sei die behördlich erlassene Neustrukturierung, sollte sie sich durchsetzen, wenig attraktiv, sodass sie schon jetzt wegbleiben. „Ich komme aus Kiel und zahle 14 Euro, um mit der Bahn hin und zurück zu kommen. Für drei Stunden Konzert lohnt es sich kaum noch, nach Neumünster zu fahren“, erklärte Konzertbesucher Ole Michelsen.

Mirko Krellmann aus Gadeland sieht 40 Jahre Jugendkultur in Neumünster gefährdet. „Es geht nicht nur um die Konzerte, die nicht mehr ausgerichtet werden können. Hier werden Mädchentage gemacht, es gibt Kochgruppen, Hausaufgaben-Hilfen. All das steht mit dem Erlass gefährlich auf der Kippe, wenn keine Einnahmen mehr erzielt werden können“, meinte der Pädagoge. Besonders ärgert es viele Anhänger, dass die Beschwerde-Führer erst vor wenigen Jahren in AJZ-Nähe gezogen sein sollen. Das Jugendzentrum existiert als kulturelle Institution seit den 70er-Jahren. „Die wussten doch, worauf sie sich einlassen“, ärgerte sich Besucherin Sophia Rothenburg aus Faldera.

In der AJZ seien alle jederzeit zu Gesprächen bereit. „Statt mit uns zu reden, wurde leider immer gleich die Polizei gerufen. Wir haben das Gefühl, in einen Kleinkrieg gedrängt zu werden, den wir nicht führen wollen“, sagte Anika Pfahl. Hoffnung mache ihr der von Linken und SPD signalisierte Rückhalt. Weitere Gespräche, unter anderem mit Stadtrat Günter Humpe-Waßmuth, seien geplant.

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