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Mehrwertsteueranpassung : Neue Verordnung treibt Saunapreise hoch

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Mehrwertsteuersatz steigt ab 1. Juli von 7 auf 19 Prozent. Das Bad am Stadtwald und andere Betreiber erhöhen die Preise.

shz.de von
erstellt am 26.Jun.2015 | 06:30 Uhr

Neumünster | Wer regelmäßig in eine öffentliche Sauna geht, muss dafür künftig tiefer in die Tasche greifen. Die Finanzministerien von Bund und Ländern haben beschlossen, die seit 1968 geltende Umsatzsteuer-Ermäßigung abzuschaffen. Die Betreiber sind ab 1. Juli verpflichtet, an das Finanzamt 19 Prozent statt wie bisher 7 Prozent Mehrwertsteuer auf den Saunaeintritt abzuführen. Begründung: Das Saunieren diene dem Wohlbefinden und schütze nicht primär die Gesundheit.

Wie überall im Land steigen daher auch im Bad am Stadtwald die Eintrittspreise – allerdings erst nach der Sommerpause zum 1. September. „Der Aufsichtsrat hat einer linearen Erhöhung um einen Euro zugestimmt“, sagt Bad-Chef Tom Keidel. Das heißt: Die Drei-Stunden-Karte kostet statt 11 künftig 12 Euro (ermäßigt 10 Euro), fürs Frühsaunen werden 9 statt 8 Euro fällig. Die „Bad-Karte“, die sowohl den Eintritt ins Schwimmbad als auch in die Sauna ermöglicht, verteuert sich von bisher 60 Euro im Monat auf 64,30 Euro. Kleines Trostpflaster: „Die Eintrittspreise ins Bad bleiben auch nach der Sommerpause stabil. Sie wurden seit fünf Jahren nicht erhöht“, sagt Keidel.

Burghard Wesselmann, Direktor des Hotels Prisma an der Max-Johannsen-Brücke, nennt die Mehrwertsteuer-Erhöhung eine „schizophrene politische Entscheidung“. Bestraft würden vor allem Geschäftsreisende, die sich nach ihren Terminen abends in der Sauna entspannen wollen. Denn: War der Saunabesuch bisher für Hotelgäste im Zimmerpreis inklusive, wird künftig eine extra Gebühr fällig. „Die zahlen die Arbeitgeber dann aber vermutlich nicht“, sagt Wesselmann. Für die Hotelgäste im „Alten Stahlwerk“ an der Rendsburger Straße bleibt die Sauna zwar vorerst weiter kostenfrei. Dennoch ist auch Geschäftsführer Bernd Storch nicht begeistert von der neuen Regelung: „Was in jedem Fall steigt, ist der bürokratische Aufwand, und das ist unschön.“ Im Neuen Parkhotel im Parkcenter ist die Sauna auch für Hotelgäste ohnehin kostenpflichtig. Hier sollen die Eintrittspreise vorerst nicht erhöht werden.

Wolfgang Hagge, Geschäftsführer von „Neumünster Aktiv“ am Haart, beklagt, dass die Politik die therapeutische Wirkung des Saunierens verkenne. „Es gibt viele Patienten, denen die Wärme gut tut. Ein Saunagang hilft eben nicht nur präventiv, sondern manchmal auch in der Behandlung. Das interessiert die Politiker nur leider nicht.“ Seine Einrichtung werde vermutlich zu Jahresbeginn die Preise anheben, so Hagge.

Der Deutsche Sauna-Bund befürchtet, dass es wegen der Mehrwertsteuererhöhung in den öffentlichen Saunabädern zu erheblichen Besucherrückgängen kommen wird. Allein die Zahl der wöchentlichen Besucher werde um etwa 10 Prozent abnehmen und zu einem finanziellen Verlust in der Branche von 70 Millionen Euro führen, mutmaßt Geschäftsführer Rolf-Andreas Pieper. „Ein Großteil der öffentlichen Saunabäder kommt deshalb in erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten“, sagt er.

 

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