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Markt in Bewegung : Neue Firma: Konkurrenz bei den Taxen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Stadtwerke stellen AST ein und vergeben Linientaxi neu.

von
erstellt am 07.Dez.2016 | 08:00 Uhr

Neumünster | Der Markt der Personenbeförderung in Neumünster kommt in Bewegung. Das neue Unternehmen „Stadtchauffeur“ tritt demnächst an und will der Taxigenossenschaft 44444 Konkurrenz machen. Den ersten Auftrag haben die Neuen den Platzhirschen offenbar schon abgejagt.

Das Theater-Taxi für Rücktouren vom Theaterbesuch fährt zwar noch bis zum Ende der Theatersaison im Mai 2017 und wird dann von den Stadtwerken eingestellt. Allerdings sitzen dort die Fahrer von 44444 nur noch bis zum Jahresende am Steuer. Dann übernimmt „Stadtchauffeur“ den für die SWN defizitären Service. Im ganzen Jahr 2015 gab es nur 301 Theater-Fahrgäste.

Bitter für 44444: Die Genossenschaft verlor auch das Linientaxi an den neuen Mitbewerber. Stadtchauffeur bedient ab 2017 die Touren, bei denen zu bestimmten Zeiten Großraumtaxen die Busse ersetzen. „Unser Angebot hat die Stadtwerke überzeugt“, sagt Thomas Heuer, der pikanterweise bis 2015 Geschäftsführer der Taxigenossenschaft war, dann kündigte und jetzt einer von drei Gesellschaftern bei Stadtchauffeur ist.

Dass die Stadtwerke beim Linientaxi einen neuen Anbieter ausprobieren wollen, sei nicht unüblich, sagt SWN-Sprecher Nikolaus Schmidt. Das Anruf-Sammel-Taxi (AST) stellen die SWN zum Fahrplanwechsel am kommenden Sonntag sogar ganz ein; damit verliert 44444 ebenfalls einen Auftrag, und es endet eine Ära nach 28 Jahren. Die Stadtwerke wollen stattdessen Früh- und Nachtbusse einsetzen (der Courier berichtete). Die sollen nach einem festen Fahrplan fahren. Nutzer müssen sie nicht wie das AST vorbestellen. „Durch die Verlässlichkeit erhoffen wir uns mehr Fahrgäste als beim AST. Die Nachfrage war gering, man konnte dort keine Rollstühle und Kinderwagen mitnehmen“, so Nikolaus Schmidt.

Jan Ketelsen und Horst Schmidt von der Taxigenossenschaft halten dagegen. Die AST-Nutzerzahlen seien zuletzt gestiegen, Nachtbusse böten keinen besseren Service. Horst Schmidt: „Beim AST musste der Kunde zur Haltestelle, wurde auf Wunsch aber direkt vor der Haustür abgesetzt.“ Der Einsatz von Nachtbussen könne nicht wirtschaftlicher sein als das AST.

Das sieht man bei den SWN anders. Die Kosten für die Früh- und Spätbusse entsprächen denen für das bisherige AST. Durch die Verbesserung des Angebots sei eine Steigerung der Fahrgastzahlen zu erwarten. „Der Aufsichtsrat steht hinter dem Beschluss“, sagt dessen Vorsitzender Wolf Rüdiger Fehrs (CDU). Aufsichtsratskollege Bernd Delfs (SPD): „Die Politik ist sich einig. AST ist totgelaufen.“

Standpunkt:

Die Probe aufs Exempel steht aus

Seit 1988  fuhren in den Abendstunden nach 20 Uhr keine Busse mehr in der Stadt.   Stattdessen konnten Fahrgäste auf  Anruf-Sammel-Taxen umsteigen. Sie bezahlten dafür einen Zuschlag zur Busfahrkarte, der von anfangs 50 Pfennig auf zuletzt 1,70 beziehungsweise 2,50 Euro stieg. Die Differenz zum laufenden Taxameterpreis wurde dem Taxiunternehmen 44444 vom Busverkehrsbetrieb erstattet. Das rechnete sich allemal mehr als der Einsatz oft leer fahrender Busse. Und das soll nun nicht mehr gelten?  Klar, für den Fahrgast wird es günstiger, wenn der Zuschlag wegfällt. Ob das beispielsweise mehr junge Leute anlockt, muss sich aber erst noch zeigen. Die Probe aufs Exempel steht noch aus.

 

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