Stadtwerke : Neue Chefs sehen Glasfaser als die Zukunft

Thomas Junker (links) und Tino Schmelzle stehen an der Übergabestation für die Fernwärme an der Bismarckstraße. Sie führen die Stadtwerke seit Jahresbeginn als Doppelspitze.
Thomas Junker (links) und Tino Schmelzle führen die Stadtwerke seit Jahresbeginn als Doppelspitze.

Stadtwerke-Chefs setzen große Erwartungen in die Sparte Telekommunikation. Bäder- und Verkehrsbetrieb können nicht kostendeckend sein

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05. Januar 2017, 08:00 Uhr

Neumünster | Bei den Stadtwerken (SWN) ist das neue Geschäftsführer-Duo gestartet und arbeitet sich in seine Aufgaben ein. Diplom-Ingenieur Thomas Junker (45) übernimmt den technischen Part, Tino Schmelzle (40) als Diplom-Ökonom den kaufmännischen Bereich.

„Die SWN sind ein Stück weit anders als andere Stadtwerke im Land. Viele sind noch am Diskutieren, aber Neumünster hat es schon gemacht und ist in neue Geschäftsfelder wie die Telekommunikation eingestiegen“, sagt Schmelzle. An der neuen Aufgabe reizt ihn die breite Aufstellung der SWN. Schmelzle hatte viele Jahre lang verantwortliche Positionen bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers und war zuletzt kaufmännischer Geschäftsführer der Netze Duisburg.

In der ersten Zeit muss der verheiratete Vater einer Tochter (2) noch von Düsseldorf pendeln; seine Frau erwartet einen Sohn. „Wir möchten aber nach Neumünster kommen. Ich will mich hier nicht als Gast fühlen, sondern zu Hause sein“, sagt Schmelzle.

Für seinen Geschäftsführerkollegen Thomas Junker bedeutet der Posten an der Bismarckstraße eine deutliche Verkürzung der Pendelstrecke. Junker wohnt mit Frau und Tochter (3) in Plön, war nach Führungsaufgaben beim Energieanlagenkonzern ABB, der Deutschen Bahn und der Bahn-Tochter Autokraft zuletzt Infrastruktur-Leiter bei der VAG Verkehrs-AG Nürnberg.

„Die SWN sind attraktiv – auch für die Stadt Neumünster“, sagt auch Junker und nennt den Verkehrs- und Bäderbetrieb. Beide können nicht kostendeckend arbeiten. Sie seien aber ein wichtiger Teil der Daseinsfürsorge für die Bürger und würden im SWN-Konzernverbund finanziert. „Es gibt Bereiche, wo wir Geld verdienen können und müssen – und es gibt Bereiche, wo das nicht möglich ist, wo aber Lebensqualität für die Bürger geschaffen wird“, sagt Tino Schmelzle. Schließlich seien die Stadtwerke ein zu 100 Prozent kommunales Unternehmen.

Als Ertragsstütze im Konzern sehen beide SWN-Chefs weiterhin den klassischen Energiebereich mit den Sektoren Erzeugung, Vertrieb und Netz, wobei die Stadtwerke bei Letzterem nur noch mittelbar als Anteilseigner der SH Netz AG partizipieren. In der Energieerzeugung und im Vertrieb herrsche „totaler Wettbewerb. Es wird zunehmend schwieriger, hier Geld zu verdienen“, so Schmelzle. Große Erwartungen setzen Junker und Schmelzle darum in das Geschäftsfeld Telekommunikation. Schnelle Glasfasernetze seien die Infrastruktur von morgen. Schmelzle: „Beim Glasfaserausbau durch Stadtwerke ist Schleswig-Holstein vorne.“ Und in dieser Spitzengruppe wiederum hätten die SWN eine herausragende Position.

„Ich habe Neumünster bis dato immer unterschätzt“, gesteht Junker und sagt: „Die Stadt hat sich entwickelt.“ Man sehe das an der Einwohnerzahl, die sich nach Jahren des Rückgangs stabilisiert habe. Schmelzle drückt es in der Sprache des Fußballs aus: „Neumünster ist ein Talent, das wieder auf den Platz zurückkommt, um ein Stück weit zu glänzen.“ Die SWN mit ihren zurzeit 750 Beschäftigten wollten als attraktiver Arbeitgeber ihren Beitrag dazu leisten.

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