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Arbeitsmarkt : Neue Chancen für Langzeitarbeitslose

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Arbeitsagentur und Jobcenter werben mit der besonderen Motivation ihrer Kunden. Förder- und Beratungsangebote helfen.

von
erstellt am 22.Dez.2016 | 08:15 Uhr

Neumünster | Die Konjunktur läuft rund. Die steigende Beschäftigung hat nicht nur die Arbeitslosenquote in Neumünster mit 8,9 Prozent auf den niedrigsten Stand seit mehr als 20 Jahren gedrückt. Sie hat auch Langzeitarbeitslose wieder in Lohn und Brot gebracht. Prozentual fällt der Rückgang der Langzeitarbeitslosigkeit im Jahresvergleich mit 6,8 Prozent sogar deutlicher aus als bei den Arbeitslosen insgesamt (minus 4,5 Prozent). Dennoch bleibt der Sockel groß: 1500 der gut 3700 Arbeitslosen in der Stadt sind schon seit mehr als einem Jahr ohne Beschäftigung und sind damit laut Definition langzeitarbeitslos.

Die Arbeitsagentur und vor allem das Jobcenter versuchen, mit speziellen Programmen und Beratungsangeboten gegenzusteuern. Agenturchefin Michaela Bagger nennt die Hauptursachen von Langzeitarbeitslosigkeit: „Es gibt häufig keine oder keine verwertbare Berufsausbildung. Auch das Alter löst bei vielen Arbeitgebern eine Sperre aus.“ Gut ein Viertel der Langzeitarbeitslosen ist älter als 55 Jahre, fast drei Viertel sind als gering qualifiziert eingestuft, knapp 13 Prozent sind Alleinerziehende.

In der Agentur kümmert sich ein Team speziell um Langzeitarbeitslose. „Wir schauen, wo besondere Interessen und Talente liegen, auch ob es berufliche Alternativen gibt“, sagt Bagger und betont: „Es gibt keinen Königsweg.“ Im Jobcenter sind alle speziellen Programme im sogenannten Aktivzentrum gebündelt, erklärt Jobcenter-Leiter Thorsten Hippe und nennt als Stichworte die Beratung für Alleinerziehende und „50 plus“. Mit der Schuldner- und Migrationsberatung oder „Frau und Beruf“ sind auch die Diakonie und Awo als externe Berater im Gebäude des Jobcenters mit im Boot. Hippe nennt auch das mit Mitteln des Bundes und des Europäischen Sozialfonds geförderte Programm „Arbeiten und Leben in Neumünster“. Das Besondere ist hier neben den Subventionen das intensive Coaching für Arbeitgeber und Langzeitarbeitslose durch das Jobcenter.

Thorben Maack ist Pflegedienstleiter bei der Diakonie Altholstein und hat bisher gute Erfahrungen gemacht. „Die Ängste vor einer angeblich fehlenden Motivation von Langzeitarbeitslosen sind unbegründet“, sagt Maack. Bestes Beispiel ist Martin Goldbach: Der 61-Jährige aus Molfsee ist eigentlich Gärtner und Florist, wurde dann 2015 arbeitslos und kam durch die Vermittlung der Arbeitsagentur zur Diakonie. Nach einem Praktikum in der Tagespflege beim Gustav-Schatz-Hof ließ er sich zur Betreuungskraft für ältere und demenzkranke Menschen ausbilden und ist seit November fest bei der Diakonie angestellt.

Weiteres Beispiel für eine gelungene Integration nach langer Arbeitslosigkeit ist Arne Pries (46). Der Einfelder ist eigentlich gelernter Fleischer, war zwei Jahre arbeitslos und fand dann über das Jobcenter eine Arbeit als Maschinist bei der Firma Heinrich Nagel. Deren Chef Jan Stimberg ist sehr zufrieden mit seinem neuen Mitarbeiter und der Betreuung durch das Jobcenter.

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