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Holsteinischer Courier

21. November 2017 | 11:21 Uhr

Jobcenter : Neue Chance für Langzeitarbeitslose

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

„Arbeiten und Leben in Neumünster“: Wer einen Mitarbeiter für mindestens zwei Jahre einstellt, bekommt bis zu 75 Prozent des Lohns erstattet.

von
erstellt am 30.Jun.2015 | 12:00 Uhr

Neumünster | Vor etwa einem Jahr hat das Jobcenter eine „Beschäftigungsoffensive“ für Langzeitarbeitslose gestartet. Jetzt will es mit Fördermitteln des Bundes und des Europäischen Sozialfonds noch eins drauf setzen: Unter dem – etwas sperrigen – Motto „Arbeiten und Leben in Neumünster – Arbeitgeber in und um Neumünster für Neumünster“ soll ein soziales Bündnis geschmiedet werden, das Langzeitarbeitslosen ohne Berufsabschluss die Chance auf einen Job eröffnet.

Die Zielgruppe sind Menschen über 35 Jahren. Sie müssen mindestens zwei Jahre arbeitslos und vermutlich nicht ohne Hilfen vermittelbar sein. Dafür können Betriebe, die für mindestens zwei Jahre einen solchen Mitarbeiter einstellen, deutlich höhere Eingliederungszuschüsse bekommen. Die Förderung beträgt bis zu 75 Prozent der Lohnkosten und Sozialversicherungsbeiträge.

„1672 Langzeitsarbeitslose werden von uns zurzeit im Jobcenter betreut. Davon erfüllen etwa 900 die Voraussetzungen für die Förderung“, sagte Thorsten Hippe, der Leiter des Jobcenters. 1,54 Millionen Euro stehen bereit. Das reicht für etwa 40 Integrationsmaßnahmen. „Wenn wir gut sind, können wir auch weitere Plätze bekommen“, sagte Hippe. Ein wichtiges Element des Programms ist wie schon bei der Beschäftigungsoffensive das intensive Betreuungsangebot für Arbeitgeber und -nehmer durch Coaches vom Jobcenter wie Erwin Srugies oder Andreas Pellner, der sich um die Akquise von Unternehmen kümmert. „Wir kommen in die Betriebe und machen eine handverlesene Bewerberauswahl“, versprach Thorsten Hippe.

Unterstützt wird das Programm von der Kreishandwerkerschaft, dem Unternehmensverband, der Industrie- und Handelskammer zu Kiel sowie von der Wirtschaftsagentur. Schirmherr ist Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras. Und der ist froh, dass sich mit dem Friedrich-Ebert-Krankenhaus bereits ein städtisches Unternehmen gefunden hat.

Das FEK hat über das Programm bereits zwei Mitarbeiter für den technischen Bereich zusätzlich eingestellt, machte FEK-Prokurist und Personalleiter Gerd Achtenberg deutlich. Sie hätten sich bei einem Praktikum bewährt. „Wir sind mit etwa 2000 Beschäftigten der größte Arbeitgeber der Region und haben auch eine soziale Vorbildfunktion“, sagte Achtenberg. Auch in der Stadtverwaltung werde zurzeit geprüft, ob es dort Plätze für Langzeitarbeitslose gebe, sagte OB Olaf Tauras. 

Standpunkt

Bodo, Teil II

Wer kennt noch „Bodo“? Die Abkürzung steht für „Beschäftigungsoffensive des Oberbürgermeisters“ und  stammt aus  Vor-Hartz-IV-Zeiten, als Sozial- und Arbeitslosenhilfe noch zwei verschiedene Paar Schuhe waren. Der OB hieß Hartmut Unterlehberg. Schon damals ging  es darum, Förderinstrumente miteinander zu kombinieren. Auch jetzt ist jede Geldquelle willkommen.  Vier von fünf Arbeitslosen in Neumünster werden vom Jobcenter und nicht von der Arbeitsagentur betreut, sind also Hartz-IV-Empfänger. Zwei Drittel von ihnen wiederum sind Langzeitarbeitslose; 70 Prozent haben keinen Berufsabschluss.  Hier liegt  die Hauptursache für Langzeitarbeitslosigkeit. Wichtiger noch als finanzielle Anreize sind die Beratung und Begleitung von Langzeitarbeitslosen und Unternehmen, die ihnen hoffentlich jetzt eine Chance geben. Das inzwischen vom Jobcenter aufgebaute Netzwerk zu Firmen  ist schon ein Wert für sich und trägt hoffentlich länger als die begrenzte Dauer von Förderprojekten.

 

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