Umweltschutz : Nein zum Fracking nach kontroverser Debatte

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Ratsversammlung stimmte mit 30 : 10 Stimmen für die Korbacher Resolution

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11. Dezember 2014, 05:00 Uhr

Neumünster | Zahlreiche Umlandgemeinden haben sich bereits klar positioniert, jetzt stößt auch die Stadt Neumünster zur breiten Front der „Fracking-Gegner“. Mit 30 : 10 Stimmen bei einer Enthaltung schloss sich die Ratsversammlung am Dienstag der sogenannten Korbacher Resolution gegen das umstrittene Förderverfahren an.

Darin werden Bund, Länder und EU aufgefordert, „sämtliche Formen von Fracking bei der Erforschung, Aufsuchung und Gewinnung“ fossiler Energieträger zu verbieten. Gleichzeitig soll der Handel mit „gefrackten“ Gas- oder Ölvorkommen unterbunden und die Abkehr von fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energien forciert werden.

Ähnliche Verbotsforderungen waren in den vergangenen Wochen bereits in Ämtern und Gemeinden im Süden Neumünsters laut geworden. Aktueller Anlass: In der Region zwischen Quickborn, Bad Bramstedt, Trappenkamp und Wankendorf hat das zuständige Landesamt für Bergbau ein so genanntes „Erlaubnisfeld“ (Barmstedt 1) ausgewiesen, in dem Energieversorger nach Gas- oder Ölvorkommen suchen dürfen – wenn auch nicht mittels Fracking. Gemeinden und eine inzwischen gegründete Bürgerinitiative fürchten dennoch Verseuchungen des Grundwassers oder andere Schädigungen der Natur, wenn das umstrittene Pressing-Verfahren zum Einsatz kommen sollte. Beim Fracking werden unter hohem Druck Sand und chemische Zusätze in tiefliegende Gesteinsschichten gepresst, um an neue Gas- oder Ölvorkommen zu gelangen.

Der Rat diskutierte das Thema überraschend kontrovers. Während Thomas Puls (Piraten/BFB) von einem „unkalkulierbaren Risiko“ sprach, warnte Babett Schwede-Oldehus (CDU) vor einem Gespenst. So gebe es bis heute keinen einzigen Antrag zum Fracking im Lande. Der Schlüssel für das Problem liege ohnehin in Berlin. „Wer sind wir, dass wir anderen Ländern vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben?“, fragte die Ratsfrau. Auch Reinhard Ruge (FDP) ging die Resolution zu weit: „Sie verbietet Tiefenbohrungen schlechthin, das lehnen wir ab.“ Hans Heinrich Voigt (Grüne) mahnte, Neumünster sei sehr wohl unmittelbar betroffen, weil das „Erlaubnisfeld“ vor den Toren der Stadt liege: „Wir sollten uns sachlich und fachlich damit beschäftigen.“

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