zur Navigation springen

Neumünster : Navis kennen Verkehrsversuch nicht

vom

Die Stadtverwaltung hat den teilweise gesperrten Großflecken bewusst nicht an Kartenzulieferer gemeldet. Auch Internet-Karten zeigen die Umleitung nicht an.

Neumünster | Der Verkehrsversuch auf dem Großflecken wird für auswärtige Autofahrer mit Navigationsgerät oder mobiler App auf dem Smartphone zum Problem, denn: Die Stadt hat die geänderte Verkehrsführung bei den Navigationsgeräte-Herstellern und deren Kartenzulieferern nicht angezeigt.
Michael Köwer, im Fachdienst Stadtplanung für den Verkehrsversuch verantwortlich, bestätigt: "Wir haben uns bewusst entschieden, den Verkehrsversuch nicht an die entsprechenden Hersteller weiter zu tragen." Die Stadtverwaltung habe abgewogen, ob dies Sinn mache, sich dann aber dagegen entschieden. Schließlich sei die veränderte Straßenführung zunächst befristet und die Sperrung gelte nur zwischen 9 und 18 Uhr. "Wer per Navigationsgerät zum Großflecken gelotst wird, parkt ohnehin woanders, und der Durchgangsverkehr hält sich aufgrund der Nord- und der Südumgehung in Grenzen", sagt Köwer.

Aktualisierungen brauchen Zeit

Doch selbst wenn die Stadt die Änderungen angezeigt hätte - das Navigationsgerät kennt die neue Straßenführung erst, wenn der Benutzer die Karten-Software darauf manuell aktualisiert und die Änderungen von Herstellerseite schon eingearbeitet wurden. Gerätehersteller Garmin etwa stellt seinen Kunden dafür bis zu vier Mal pro Jahr eine Aktualisierung zur Verfügung, wie Produktmanagerin Berna Celik-Rymdzionek auf Anfrage mitteilt. Die Rohdaten dafür liefert Kartendienstleister Navteq, der Gerätehersteller reichert diese mit aktuellen Informationen an. Das kann dauern: "Bis das aktualisierte Material den Nutzern zur Verfügung gestellt werden kann, vergeht notwendigerweise etwas Zeit", so Berna Celik-Rymdzionek weiter.
Anders sieht es bei Online-Kartendiensten wie beispielsweise Google Maps aus. Viele Navigations-Apps nutzen das Kartenmaterial des Suchmaschinen-Konzerns oder alternativ den kostenlosen Anbieter Open Street Map. Anders als bei reinen Navigationsgeräten werden diese Online-Karten nicht permanent auf dem Gerät gespeichert, sondern bei jeder Navigation neu aus dem Internet abgerufen. Dadurch sind die Karten eigentlich immer auf dem neuesten Stand. Auch Google Maps und der auf Open Street Maps basierende Routenplaner mapquest.de schicken die Autofahrer jedoch weiterhin über den gesperrten Großflecken.

Autofahrer können auch selbst aktiv werden

Immerhin: Bei den Online-Kartenanbietern können die Autofahrer selbst aktiv werden. "Falls Nutzer einen Fehler in Google-Maps-Karten bemerken, können sie mithilfe der Funktion Ein Problem melden direkt mit uns in Kontakt treten und uns über mögliche Änderungen und Aktualisierungen, die vorgenommen werden müssen, in Kenntnis setzen", teilt ein Google-Sprecher auf Anfrage mit. Wie lange es dauert, bis die Anregungen übernommen werden, ist jedoch unklar. "Wir bemühen uns, diese Änderungen dann so schnell wie möglich umzusetzen", heißt es von Google. Der freie Kartendienst Open Street Map wiederum funktioniert, ähnlich wie das Online-Lexikon Wikipedia, nach dem Gemeinschaftsprinzip. Das heißt: Jeder kann sich einbringen. Auf openstreetmap.de gibt es ebenfalls einen "Problemknopf".
Ob bei Navigations-Geräten oder per App - das Einpflegen von aktuellen Informationen braucht also in jedem Fall seine Zeit. Michael Köwer erklärt, dass sich der Aufwand bei einer zeitlich begrenzten Maßnahme wie dem aktuellen Verkehrsversuch gar nicht lohne, zumal er die Zahl der Betroffenen ohnehin eher niedrig einschätzt: "Wir vermuten, dass der Anteil der Fahrzeuge, die mit Navigationsgerät über den Großflecken fahren, sehr gering ist und unter zehn Prozent liegt", sagt er.

zur Startseite

von
erstellt am 07.Aug.2013 | 10:21 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen