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Navis für 16 000 Euros auf dem Postweg verschwunden?

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

von
erstellt am 07.Feb.2017 | 15:47 Uhr

Ein klassischer Internet-Betrug oder ein ärgerlicher Fall von „Post-Schwund? “ – Noch ist man sich am Amtsgericht offenbar nicht sicher. Verhandelt wird dort seit gestern gegen einen 38-jährigen Internethändler, der seinen rumänischen Geschäftspartner um immerhin 16 000 Euro erleichtert haben soll.

Der Neumünsteraner soll dem Rumänen im vergangenen Jahr über die Internetplattform Ebay 60 Navigationgeräte zum Sonderpreis verkauft, die versprochenen Geräte aber nie verschickt haben. Wie der extra aus Bukarest angereiste Geschäftsmann beschrieb, hätten sich in dem Ebay-Paket statt der erhofften Elektronikgeräte lediglich Tüten mit Getreidesamen befunden. Dafür gebe es sogar einen Zeugen. Um im Falle eines Falles Nachweise beibringen zu können, öffne er seine Pakete stets im Beisein des Paketboten, versicherte der Geschäftsmann.

Der Rumäne beschwerte sich bei Paypal, einem Ebay-Tochterunternehmen, das eine sichere Abwicklung für Käufer und Verkäufer gewährleisten soll. Um den Käufer zu schützen wird die eingezahlte Kaufsumme bei Paypal dabei zunächst einbehalten, bis der Käufer den Eingang der Ware bestätigt, bzw. keinen Widerspruch innerhalb bestimmter Fristen einlegt. Erst dann wird das Geld an den Verkäufer überwiesen.

Nach Einlassung des Verteidigers hat Paypal dem Verkäufer jedoch die ordnungsgemäße Versendung des Pakets bestätigt. Sein Mandant habe daher Anspruch auf Auszahlung des Kaufpreises.

Schlimmer noch für den Bukarester Händler: Ihm gegenüber hat Paypal den Käuferschutz verweigert, weil er den Kaufpreis in zwei Raten überweisen wollte – das ist nach den Regeln des Garantieschutzes aber ausdrücklich untersagt. Immerhin eine Rate über 8000 Euro soll jedoch mindestens geflossen sein.

Für die Redlichkeit des Neumünsteraner Geschäftspartners spricht, dass es bereits mehrere Geschäfte ähnlicher Art zwischen ihm und dem Bukarester gegeben hat, die allesamt ohne Komplikationen verlaufen waren. „Bislang gab es nie Probleme“, bestätigte der Händler aus Rumänien. Andererseits gibt es auch Unstimmigkeiten. So hatte sich der Neumünsteraner etwa unter falschem Namen bei Ebay angemeldet. Auf Nachhaken des Staatsanwalts begründete er das mit einem früheren Konkursverfahren. Damit hätte er unter seinem echten Namen nie ein Konto bei Paypal bekommen, gestand der Angeklagte. Aber ist das schon ein Beleg dafür, dass er betrügen wollte?

Um vielleicht doch noch Licht in den festgefahrenen Fall zu bekommen, will die Richterin jetzt versuchen, einen Paypal-Mitarbeiter zu laden. Von ihm erhofft sich das Gericht etwa darüber Aufschluss, wie der Angeklagte den Versand des Pakets gegenüber Paypal nachgewiesen hat und warum dem Bukarester Unternehmer der Käuferschutz versagt wurde.

Der Prozess wird am Dienstag, 28. Februar , um 13 Uhr fortgesetzt.

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