Böckletrsiedlung : Naturschützer fordern Konsequenzen

Die Stadt prüft noch, Naturschützer sind sich sicher: Die Rodung an der Lötzener Straße, bei der Ende Februar mindestens 19 ausgewachsene Baumriesen gefällt wurden, hätte einer Genehmigung durch die Untere Naturschutzbehörde bedurft. Naturschutzbeirat und Nabu drängen auf Konsequenzen.
Die Stadt prüft noch, Naturschützer sind sich sicher: Die Rodung an der Lötzener Straße, bei der Ende Februar mindestens 19 ausgewachsene Baumriesen gefällt wurden, hätte einer Genehmigung durch die Untere Naturschutzbehörde bedurft. Naturschutzbeirat und Nabu drängen auf Konsequenzen.

Die umstrittene Baumrodung an der Lötzener Straße war nicht genehmigt. Die Stadt erwartet jetzt auf eine Stellungnahme von der Wobau.

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13. März 2018, 15:50 Uhr

Die massiven Baumrodungen an der Lötzener Straße haben möglicherweise noch ein politisches Nachspiel. Die Stadt prüft, ob die Wobau bei der Abholzung von 19 Großbäumen auf ihrem Gelände zwischen Böcklerschule und PSV-Sportplatz gegen Naturschutzauflagen verstoßen hat.

Das bestätigte gestern Ute Obel, Fachdienstleiterin Umwelt und Bauaufsicht. Die Stadt als Untere Naturschutzbehörde habe die Courier-Berichterstattung über die Fällungen (siehe HC vom 3. März), aber auch mehrere Hinweise von Anliegern zum Anlass genommen, vor Ort zu recherchieren, sagte Obel. Danach seien auf dem Areal mindestens 19 Großbäume, unter anderem mehrere Buchen gefällt worden. Die Stadt prüfe derzeit, ob die Rodungen genehmigungspflichtig gewesen seien. „Fest steht, dass eine solche Genehmigung nicht vorlag“, so Obel. Zu möglichen Konsequenzen für die Wobau wollte sich Obel nicht äußern: „Die Prüfungen sind noch nicht abgeschlossen.“

Die Abholzungen am Waldrand hatten in der letzten Februarwoche nicht nur in der Böcklersiedlung hohe Wellen geschlagen. Anlieger fühlten sich durch die Rodungen um einen attraktiven Teil ihres Grüngürtels im Stadtviertel beraubt (wir berichteten). Einige sprechen von „Kahlschlag.“

Wobau Chef Uwe Honsbehn hatte die Rodungen dagegen mit dem geplanten Bau einer Parkplatzanlage und überfälliger Knickpflege begründet. Weil solche Arbeiten mit Rücksicht auf die Natur nur bis zum 28. Februar erlaubt seien, habe die Zeit gedrängt, so der Wobau-Chef.

Anleger halten das für vorgeschoben: Die Wobau wolle das Gelände für den Bau neuer Wohnblocks am Waldrand vorbereiten, aber damit noch nicht rausrücken, wird im Stadtteil kolportiert.

Auch bei Naturschützern kommt die Rodung ohne Genehmigung (und Auflagen) nicht gut an: Klaus Langmaack, Vorsitzender des städtischen Naturschutzbeirats, erhebt schwere Vorwürfe gegen die Wobau: Die Tatsache, dass die Wobau es nach der Rodung „sehr eilig“ gehabt habe, die mächtigen Stubben zu beseitigen, nähre den Verdacht, dass die städtische Tochter „sehr genau wusste, was sie tat“, erbost sich Langmaack: „Die Stadt muss jetzt sehr genau hingucken, was passiert ist“, sagte der Naturschützer und mahnte vor den Folgen für die Akzeptanz von Naturschutzauflagen: Es könne nicht sein, dass jeder Gartenbesitzer, der einen größeren Baum fällen möchte, sich bei der Stadt rückversichern muss, eine Wohnungsgesellschaft sich aber um solche Regeln „herummogelt.“

Auch der Naturschutzbund Nabu forderte Konsequenzen: Allein die Größe und Anzahl der gefällten Bäume legt nahe, dass die Rodung genehmigungspflichtig war – und im Falle einer Genehmigung durch die Naturschutzbehörde mit Ausgleichspflanzungen verbunden worden wäre, sagt Nabu-Vorsitzender Dr. Björn Rickert. Es wäre fatal, wenn jemand, der selbstherrlich Fakten schafft, ohne Ausgleichsauflagen davonkäme.“

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