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Holsteinischer Courier

18. August 2017 | 07:22 Uhr

Aukrug : Natur und Landwirtschaft Hand in Hand

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

80 Betriebe haben sich an einem neuen Bewertungsverfahren des Verbandes für Landschaftspflege beteiligt / Wie hoch ist der Naturschutzwert?

80 landwirtschaftliche Betriebe im Naturpark Aukrug haben sich in vergangenen Jahr an einem neuen Bewertungsverfahren beteiligt, bei dem der „Naturschutzwert“ der Höfe ermittelt wurde. „Unser Pilotprojekt war ein Supererfolg“, freut sich Jan Marcus Carstens, der die Betriebsdatensammlung für den „Deutschen Verband für Landschaftspflege“ (DVL) vornahm. „Mit verantwortlich für die positive Resonanz waren sicherlich auch die Vorarbeiten des Naturschutzrings, der mit seinem ‚Aukruger Weg’ seit Jahren in der Region zeigt, wie Landwirtschaft und Naturschutz in Landschaftspflegeverbänden erfolgreich kooperieren. Das große Interesse der Landwirte, etwas über Naturschutzmöglichkeiten auf dem eigenen Hof zu erfahren, hat uns trotzdem überrascht“, meint Uwe Dierking, der Koordinator des DVL Schleswig-Holstein.

Das Pilotprojekt des DVL im Naturpark Aukrug wurde vom Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MELUR) des Landes Schleswig-Holstein gefördert. Einen besonders vorbildlichen „Naturschutzwert“ ermittelte Projektleiter Carstens für den Milchviehbetrieb von Mario Jürgens in Sarlhusen (Kreis Steinburg). Die Flächen von Jürgens können eine Vielzahl von Landschaftselementen wie Knicks und naturnahe Entwässerungsgräben vorweisen, zeichnen sich durch eine abwechslungsreiche Fruchtfolge in der Ackerbewirtschaftung aus und haben auch diverse Dauerweideflächen sowie extensiv genutztes Grünland zu bieten.

„Der Betrieb der Familie Jürgens liegt mit seinem Ergebnis im oberen Drittel aller Höfe, die wir untersucht haben“, lobt Carstens. Er zeige beispielhaft, wie es möglich ist, die Erhaltung von Artenvielfalt und Lebensräumen in die landwirtschaftliche Praxis einzubeziehen. „Ich war neugierig, ob ich durch das Projekt meinen eigenen Betrieb vielleicht noch besser kennen lerne. Und ganz wichtig war mir, zu zeigen, dass Natur und Landwirtschaft Hand in Hand gehen können und sich nicht gegenseitig ausschließen müssen“, sagt Jürgens.

Der Landwirt hat in den vergangenen Jahren bereits mehrfach Vertragsnaturschutzmaßnahmen aus dem Artenschutzkatalog des Naturschutzrings Aukrug in Anspruch genommen, und auch in diesem Jahr stellt er wieder Flächen für Stoppelbrachen und artenreiches Grünland zu Verfügung. „Speziell über einer Stoppelbrachefläche sieht man beim Spazierengehen immer viele Greifvögel auf der Jagd nach Mäusen kreisen. Da passiert also wirklich was. Und da, wo wir Getreide stehen lassen, ist auch richtig was los, da sieht man viele Gänse und Wildenten“, berichtet Jürgens.

Insgesamt 21 Naturschutzmaßnahmen wurden im Zuge des DVL-Pilotprojekts durch den Naturschutzring Aukrug umgesetzt, denn Jan Marcus Carstens hat in den vergangenen Monaten nicht nur den „Naturschutzwert“ der Betriebe bewertet, sondern stets auch gemeinsam mit den Landwirten überlegt, welche Maßnahmen möglich wären, um die Lebensbedingungen für wild lebende Tiere und Pflanzen noch zu verbessern. So entstanden als willkommener Nebeneffekt des DVL-Projekts im ganzen Naturpark neue Gewässer, Knicks, Streuobstwiesen, Blühstreifen und extensive Dauergrünlandflächen.

Noch mehr Betriebe hätten gern freiwillige Maßnahmen in Angriff genommen, sahen sich hierzu jedoch aufgrund von wirtschaftlichen Zwängen nicht in der Lage. „Besonders die immer weiter steigenden Pachtpreise lassen vielen Betrieben wenig Spielraum“, vermerkt Carstens. Aufgrund des positiven Projektergebnisses möchte der DVL sein neues Bewertungsverfahren nun gern auch außerhalb des Naturparks Aukrug im Rahmen freiwilliger Naturschutzberatungen einsetzen.

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erstellt am 04.Jan.2014 | 14:52 Uhr

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