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Brokenlande : Nagelneue Anlage - da platzte ein Schieber

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Aus einem Leck einer Biogasanlage flossen zwei Millionen Liter Flüssigkeit in die Umwelt / 200 Einsatzkräfte waren stundenlang vor Ort

Auslaufene Gärstoffe aus einem Fermenter der „Ara Biogasanlage Brokenlande“ haben am Sonnabend für einen Großeinsatz der Feuerwehr gesorgt. 200 Einsatzkräfte waren stundenlang vor Ort, um einen größeren Umweltschaden zu verhindern. Nach Angaben des Geschäftsführers Christian Saul traten rund zwei Millionen Liter Substrat aus, das aus Rinder- und Hühnerkot sowie aus Rüben besteht. Der größte Teil wurde in einer rund 1,5 Hektar großen und mit einem Wall umgebenen Auffangfläche gesammelt und gefror. Eine unbekannte Menge gelangte allerdings über eine Drainage in den Bach Flottbek. Die Feuerwehr geht allerdings nicht von einem größeren Umweltschaden aus.

Dieser Teil der Anlage war nagelneu und erst vor vier Wochen in Betrieb gegangen. Die Ursache für das Leck war laut Geschäftsführer Saul ein herausgebrochener Schieber. Warum das passierte, war gestern noch unklar. Um 9.11 Uhr bemerkte ein Anwohner die undichte Stelle in dem mit 3800 Kubikmetern Gärstoffen gefüllten Bioreaktor und alarmierte die Einsatzkräfte. Die Feuerwehren aus Großenaspe, Armstedt und Wiemersdorf, die Führungsgruppe des Amtes Bad Bramstedt-Land, der Gefahrguteinsatzzug Bad Bramstedt und Mitglieder des ABC-Zugs des Kreises Segeberg waren wenig später vor Ort und versuchten zunächst, das Leck mit Siloballen zu stopfen. Doch erst der Einsatz eines Traktors, der mit seiner Schaufel einen großen Sandsack gegen die undichte Stelle presste, führte gegen 11.30 Uhr zum Erfolg. Gleichzeitig wurde damit begonnen, die noch verbliebene Masse in einen anderen Behälter umzupumpen. Der Geruch hielt sich für die Akteure, anders als erwartet, in Grenzen. Während der Arbeiten war die benachbarte Bundesstraße 4 zeitweise voll gesperrt.

Bei der Erkundung der Umgebung stellten die Feuerwehrleute dann ein altes Drainagerohr fest, aus dem das Substrat in den Flottbek tropfte. Das Rohr sei aber rasch verschlossen worden, erklärte der stellvertretende Amtswehrführer Klaus-Dieter Lau. Erst gegen 15 Uhr konnten die Helfer abrücken. Zuvor hatte die Bereitschaft des Roten Kreuzes die Einsatzkräfte bei den Minustemperaturen mit einer warmen Mahlzeit und Getränken versorgt. „In dieser Größenordnung war das schon ein einmaliger Unfall“, sagte Lau gestern gegenüber dem Courier.

Durchschnittlich zehn Zentimeter hoch stand gestern die Brühe auf der Auffangfläche, teilte Geschäftsführer Saul gestern mit. Sie ist zum Teil gefroren und soll ab heute nach und nach in Absprache mit dem Kreis abgetragen werden. „Dabei kommt uns der Frost zugute, weil die Masse nicht so tief in den Boden eindringt“, sagte Saul. Er hat einen Gutachter beauftragt, der sich nun den herausgerissenen Schieber aus dem neuen Fermenter genauer anschaut. Auch der Hersteller des Lagerbehälters wird in die Fehleranalyse einbezogen. Saul geht davon aus, dass der Schaden von der Versicherung übernommen wird. Die Versorgung der rund 30 Kunden, die Strom und Wärme aus der Biogasanlage beziehen, sei gesichert. Die Ara Biogasanlage Brokenlande betreibt nach eigenen Angaben insgesamt zehn Blockheizkraftwerke, ein rund sechs Kilometer langes Biogasnetz sowie rund drei Kilometer Nahwärmeleitungen in der Gemeinde Großenaspe.

Saul dankte gestern nicht nur den Einsatzkräften von Feuerwehr, Polizei und DRK, sondern auch seinen Mitarbeitern und hilfsbereiten Nachbarn. „Die sind sofort gekommen und haben angeboten, das Substrat in ihren Anlagen aufzunehmen“, sagte er.

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erstellt am 27.Jan.2014 | 05:30 Uhr

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