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Holsteinischer Courier

17. Oktober 2017 | 04:26 Uhr

Nadéah – verrückt, verspielt, genial

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

300 Besucher erlebten in der Werkhalle ein tolles Konzert

shz.de von
erstellt am 12.Sep.2013 | 16:02 Uhr

Der Titel war gewöhnungsbedürftig, das Ergebnis aber genial: Mit „Pinot Noir und Poesie zum Frühstück“ begeisterte die australische Pariserin Nadya Miranda (Nadéah) in der Werkhalle am Sonnabend beim Kunstflecken rund 300 Besucher. Allein wie sie den deutschen Song „Frühstück“ mit ihrer samtig-weichen Stimme sang, überzeugte sofort.

Miranda und ihre Begleiter, Victor Paillet (Gitarre), Antoine Simoni (Bass) und Oliver Ferrarin (Drums) überzeugten mit einem musikalischen Tanz durch verschiedenste Musikgenres. Dabei bewegte sich die ehemalige Frontsängerin der französischen alternativen Rockband „Nouvelle Vague“ unverschämt charismatisch, verspielt, verknallt, aber auch zurückgenommen, wie bei dem Song über die Krebserkrankung eines ihrer Produzenten. Querbeet bot sie einen Wirbelsturm durch die Musikwelt von der Titelmelodie der Fernsehserie Dr. Monk, Musik von Tom Waits bis hin zu peitschenden Beats des Rock-Appeal.


Wechsel von ruhigen und explosiven Momenten


Diese Vielfalt an Ungezähmtheit und Experimentierfreudigkeit wirkte insgesamt als ihr eigener, harmonischer Stil von Rock- und Pop- und Jazz-Elementen. Dabei wechselte sie mit traumwandlerischer Sicherheit zwischen explosiven und ruhigeren Momenten. Ihre Songs begannen meist ganz unspektakulär minimalistisch, etwa mit einer Rassel oder nur einer angezupften Saite der Gitarre. Nach einer Pause setzen dann die anderen Instrumente oder ihre unwahrscheinlich vielfältige Stimme ein bis hin zu überbordender Musikalität. So etwa bei einer Zugabe, da brillierte Schlagzeuger Ferrarin mit einem Feuersturm an seinem Schlagwerk.

Insgesamt hatte Nadéah ihre Musiker fest im Griff, doch sie selbst, so der Eindruck, machte das, worauf sie Lust hatte: Sympathisch, launig, verteufelt gut. Ihre Texte verlangten vom Zuhörer einiges ab. Sang sie doch meist von Ärger, Leid, Wut und auch Alkohol. Leider hatte sie nur ein Liebeslied im Programm.

Insgesamt präsentierten die Musiker ein tolles Konzert, bei dem die Neuerung der Veranstalter, keine Stuhlreihen aufzustellen, dem Bewegungsdrang der Gäste sehr entgegenkam. Den konnten die Zuhörer bei dem schönen wilden Wirbelwind auf der Bühne voll ausleben.

Lediglich die subtropischen Temperaturen in der Halle begrenzten diese Vorhaben. Schlagzeuger Ferrarin wurde es schon nach einer halben Stunde zu heiß. Er spielte fortan mit freiem Oberkörper.

Die lobenswerte Aktion von Johanna Göb, der Leiterin des Kulturbüros, eine Notausgangstür zur Belüftung zu öffnen, hatte leider nur begrenzten Erfolg. Doch bei der Qualität, die die Gäste auf der Bühne erlebten und mit anhaltendem Beifall quittierten, war die Temperatur nur eine nebensächliche Erscheinung.


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