Innenstadt : Nach Karstadt-Aus: „Da müsste sowas wie Nortex rein“

Was passiert mit dem Karstadt-Haus? Viele Händler am Großflecken hoffen auf einen neuen Kunden-Magneten.
Was passiert mit dem Karstadt-Haus? Viele Händler am Großflecken hoffen auf einen neuen Kunden-Magneten.

Handel drängt auf schnelle Nachnutzung der Schlüssel-Immobilie .

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15. Mai 2015, 06:00 Uhr

Neumünster | Wie geht es weiter auf dem Großflecken? – Nach dem lang erwarteten Aus für Karstadt gehen beim Handel im Stadtzentrum darüber die Meinungen weit auseinander. Einige befürchten jetzt ein weiteres Geschäftesterben, wenn Neumünsters letztes großen Warenhaus im kommenden Jahr als Kundenmagnet wegbricht. Andere setzen auf die Aufbruchstimmung in der Stadt und die Zugkraft der neuen Holsten-Galerie. Einig ist man sich vor allem in einem Punkt: Für das zum 30. Juni 2016 geräumte Warenhaus muss es eine möglichst schnelle Nachnutzung geben.

„Ein langer Leerstand wäre fatal“, warnt etwa Ingo Kirsch, der schräg gegenüber von Karstadt das Erzgebirgsstübchen und das Dessous-Fachgeschäft „La Cherie“ betreibt. Der Großflecken benötige einen Kristallisationspunkt – ein größeres Geschäft mit Rund-um-Angebot – um das sich kleinere Fachgeschäfte gruppieren können, erklärt der Geschäftsmann. Solange dieser neue Anker nicht gefunden sei, werde die Unsicherheit unter den Geschäftsleuten am Großflecken bleiben oder noch zunehmen, „einige werden sich wohl verabschieden“, sagt Kirsch voraus. Er fordert eine konzertierte Aktion, einen Runden Tisch der Stadt mit den Geschäftsleuten, an dem dann auch die Park- und Verkehrsprobleme der Stadt besprochen werden sollten. „Dazu sind wir nämlich nie befragt worden“, kritisiert der Ladeninhaber.

Evelyn Müller betreibt mit ihrem Mann das Fachgeschäft „Porzellan Horn“ fast am anderen Ende des Großfleckens, beurteilt die Lage aber ganz ähnlich: Das Aus für Karstadt sei eine Katastrophe, auch wenn die Stadt die Auswirkungen erst nach und nach zu spüren bekomme, sagt die Geschäftsfrau. Auch sie setzt auf einen möglichst starken Nachfolger von Karstadt, der die Magnetfunktion des Kaufhauses übernimmt: „Da müsste so etwas wie Nortex rein oder C. J .Schmidt in Husum.“ Das auch in der Vergangenheit schon diskutierte Konzept, das Karstadthaus zu einem zweiten Einkaufscenter auszubauen, hält die Geschäftsfrau dagegen für illusorisch. „Ein zweites ECE wäre in der Stadt nicht tragbar.“

Trotz der eher pessimistischen Einschätzung will Porzellan Horn am Großflecken bleiben. Ein Angebot, in die künftige Holsten-Galerie umzuziehen, hat das Geschäft kürzlich abgelehnt.

Sehr viel optimistischer sieht man die Rolle des Großfleckens als zentrale Einkaufszone bei C  &  A. Das Modehaus, hat sein 1982 bezogenes Haus am Großflecken gerade mit großem Aufwand grundlegend renoviert. Die Entscheidung dazu sei völlig unabhängig davon gefallen, ob Karstadt bleibe oder nicht, versichert Filialeiter Mario Reese: „Wir stehen zum Standort Großflecken.“ Das Aus für Karstadt sei bedauerlich, werde den Aufschwung des Großflecken aber nicht aufhalten, ist Reese überzeugt.

Eine Einschätzung, die Philipp Hennemann teilt. Der Immobilienmakler hat zuletzt den Einzug der Supermarkt-Kette Rewe in die Alte-Post-Passage (Eröffnung Herbst 2015) eingefädelt und sich dabei auch mit der Situation im Umfeld beschäftigt: Das Aus für Karstadt sei zwar ein Rückschlag, auf dem Großflecken werde aber an verschiedener Stelle unübersehbar investiert, so Hennemann. Das zeige die Dynamik.

Auch Matthias Neumann, Chef der Stadt-Apotheke und Vorsitzender von Stadtmarketing Neumünster, nimmt das Aus für Karstadt eher gelassen: Tatsächlich habe sich die Schließung des Kaufhauses seit langem abgezeichnet, so Neumann. „Das Aus ändert nichts daran, dass Stadt und Handel mit der Holsten-Galerie insgesamt auf einem guten Weg sind“, sagte Neumann. Wichtig sei jetzt jedoch, dass die Stadt die Klammer zwischen Holsten-Galerie und Großflecken schaffe.

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