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Holsteinischer Courier

19. Oktober 2017 | 03:53 Uhr

Reha-Kur : Nach dem Saft rauf auf das Trimmrad

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

21 krebskranke Kinder aus der Ukraine kamen wohlbehalten gestern an / Vier Wochen gibt es viel Vitamine, frische Luft und schöne Erlebnisse

shz.de von
erstellt am 25.Jul.2017 | 08:30 Uhr

Neumünster | Kurz nach 15 Uhr rollte gestern der Bus vor die Fröbelschule, und etwas müde kletterten die kleinen Patienten aus der Ukraine hinaus: 21 krebskranke Kinder im Alter von 6 bis 15 Jahren werden sich vier Wochen lang hier erholen. Das dringendste Bedürfnis klärte Eberhardine Seelig, die zum 26. Mal die Reha-Kur mit einem großen Helfer-Team organisiert, sofort: „Dort an den Türen seht Ihr ein Männchen, dort eine Frau als Symbol – und Hände waschen nicht vergessen.“ Dann servierten die Helfer Kuchen und Schokoküsse als süßen Willkommens-Happen.

Bis zu anderthalb Tage waren die Kinder aus allen Gegenden der Ukraine nach Kiew angereist, zum Teil mit Nachtzügen; 12 Uhr hob gestern der Flieger nach Hamburg ab. Einigen Kindern sah man an, dass sie eigentlich nur eines wollten – schlafen. „Jetzt sitzen wir hier wie eine große Familie, das ist wie in einer kleinen Familie. Man guckt, ob alle da sind, man ist freundlich zu den anderen, und wenn Ihr etwas braucht, sitzen an jedem Tisch zwei Betreuer“, erklärte Eberhardine Seelig im Speisesaal, und die ukrainische Deutschlehrerin Oksana Romanzowa übersetzte. „Wir sind allen Menschen hier dankbar, die bereit sind und es fröhlich möglich machen, dass die Kinder hier sind, das ist wunderschön“, sagte Krankenschwester Liubov Morokhovets in einem Tischgebet sichtlich gerührt. Im Nu waren Kuchen und Schokoküsse vertilgt. Danach gab es noch Bananen und den „Spezialsaft“: Früchtetee und Traubensaft gemischt.

Das ist Programm: Gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vitaminen ist das A & O der Reha-Kur – in der Ukraine können sich viele Eltern dieses nicht leisten, da sie ihr Geld für Medikamente ausgeben. In der Ukraine gibt es keine Krankenversicherung wie in Deutschland. Dazu kommt Bewegung an der frischen Luft, leichter Sport, Physiotherapie, aber auch „Futter“ für den Geist in Form von Religions- und Deutschunterricht. Denn diese Kinder lagen wochen- und monatelang in Krankenhäusern, mussten Chemo- oder Strahlentherapien durchstehen, die meisten müssen auch jetzt noch regelmäßig Medikamente nehmen. Daher waren viele lange nicht in der Schule und außerdem isoliert. Schöne Erlebnisse in Gesellschaft anderer Kinder, die dasselbe Schicksal teilen, sollen helfen, Hoffnungen und den Lebensmut wieder zu erwecken, sagt Eberhardine Seelig.

Begleitet werden die Kinder von acht Betreuern, darunter zwei Ärztinnen, eine Lehrerin, zwei Krankenschwestern – und zwei ehemaligen Patienten. Maxim Vasilenko (22) ist bereits zum dritten Mal als Betreuer für die Jungen dabei; er war bereits 2007 hier zur Rehabilitation. Er studiert inzwischen Astrophysik. Eberhardine Seelig organisierte für ihn ein Praktikum im Max-Planck-Institut in Heidelberg. Maria Protsidym (21) war als Zwölfjährige zur Erholung in Neumünster.

Schon nach dem Essen sah man, wie die Energie in den Kindern erwachte – die Trimmräder wurden gestürmt, es wurde Tischfußball gekickert und Tischtennis in der Halle gespielt. Wer noch Kleidung (Größe 128 bis 176) oder Spiele, die ohne Deutschkenntnisse begriffen werden können (Federball, Ballspiele) spenden möchte, kann das in der Fröbelschule an der Flensburger Straße abgeben.

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