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Musik-Festival : Nach dem Konzert gab es vom Weltstar ein Lächeln gratis

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

3200 Besucher feierten die sympathische Gegenvirtuosin Anne-Sophie Mutter in den Holstenhallen

shz.de von
erstellt am 31.Aug.2015 | 08:00 Uhr

Neumünster | Anne-Sophie Mutter und „Die vier Jahreszeiten“ – das sind zwei Namen, die man kennt, auch wenn man kein Kenner von klassischer Musik ist. Anne-Sophie Mutter gehört seit vier Jahrzehnten zu den großen Geigenvirtuosen unserer Zeit, und „Le quattro staggioni“ von Antonio Vivaldi haben seit ihrer Veröffentlichung im Jahre 1725 die Welt erobert. Auch dank der „Vier Jahreszeiten“ kommen Menschen in die Konzertsäle, in deren Alltag die klassische Musik kaum eine Rolle spielt. Die Programmmacher des Schleswig-Holstein Musik-Festivals (SHMF) und Anne-Sophie Mutter (52) wissen das natürlich, wollen möglichst vielen Menschen Appetit auf Klassik machen – und im Falle des Konzertes am Freitagabend ging die Rechnung auf: Sage und schreibe 3200 Besucher kamen zum 174. und damit vorletzten Konzert des SHMF in die Holstenhalle.

„Ich bin fasziniert“, schwärmte Elisabeth Kraft bereits nach dem ersten Programmteil, auf dem moderne Werke von Krzysztof Penderecki und Andé Previn sowie ein barockes Stück von Johann Sebastian Bach standen. Sie sei sehr froh, dass sie sich zwei Stunden vor dem Konzert auf den Weg gemacht habe, um noch eine Karte an der Abendkasse zu erstehen. „Da ich nie weiß, ob ich pünktlich aus meiner Praxis komme, ist das SHMF eine tolle Gelegenheit, um auch spontan hochkarätige Veranstaltungen zu besuchen“, sagte die Neumünsteraner Ärztin für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. Bis jetzt habe sie immer Glück gehabt, und dass sie nun auch noch Anne-Sophie Mutter erleben dürfe, freue sie besonders. „Die Virtuosität und Leidenschaft, mit der diese Frau spielt, sind unglaublich“, sagte Elizabeth Kraft.

Diesen Eindruck konnte Christiane Harms-Rohwer nur bestätigen. Ihr habe vor allem das Nonett für zwei Streichquartette und Kontrabass von André Previn gefallen. „Das war sehr eingängig und erinnerte mich an Filmmusik. Der Bach war sehr rasant, auf meinem Platz im Südturm kamen aber leider nicht alle Töne deutlich an. Mit dem modernen Stück von Penderecki muss ich mich erst näher beschäftigen. Das erschloss sich mir nicht sofort“, meinte sie in der Pause. Nun sei sie sehr gespannt auf die Vier Jahreszeiten im zweiten Teil.

Auch Nane von Stülpnagel hatte anfangs Schwierigkeiten mit der avantgardistischen Komposition des gebürtigen Polen Penderecki, fand es aber sehr mutig, dass Anne-Sophie Mutter ihr Konzert mit einem modernen Stück begonnen hatte. „Viele Menschen sind sicherlich wegen der ,Vier Jahreszeiten’ gekommen“, sagte Nane von Stülpnagel. „Aber wer weiß, vielleicht hört der eine oder andere die moderne Musik nach diesem Abend mit anderen Ohren“, überlegte die Neumünsteranerin.

Im Sinne von Anne-Sophie Mutter wäre es sicherlich. Die Ausnahmekünstlerin hat am Freitagabend bei ihrem zweiten Konzert in Neumünster (nach 1989) viel dazu beigetragen, dass sich Menschen gegenüber der klassischen Musik öffnen, auch der weniger bekannten: mit virtuosem Spiel, mit großer Bühnenpräsenz, mit ihrem freundlichen Umgang mit den anderen Musikern und nicht zuletzt mit ihrer unprätentiösen und charmanten Art nach dem Konzert.

Denn die letzte Zugabe war gerade mal 15 Minuten verklungen, da saß die weltberühmte Virtuosin in Jeans und Pulli am Ausgang vor der Holstenhalle und signierte CDs und Eintrittskarten. Für jeden der zahlreichen Fans gab es ein paar nette Worte und ein Lächeln oben drauf. Mehr kann man nicht verlangen.

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