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Holsteinischer Courier

18. November 2017 | 00:07 Uhr

G 20-Gipfel : Nach dem Frühdienst an die Front

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

115 Beamte aus der Polizeidirektion Neumünster waren beim G 20-Gipfel im Einsatz.

Neumünster | Der G  20-Gipfel ist vorbei, die Aufarbeitung der Gewaltexzesse noch längst nicht. 115 Beamte aus der Polizeidirektion (PD) Neumünster waren am Wochenende in Hamburg im Einsatz. Erfreulich: Von den Beamten aus Neumünster und dem Kreis Rendsburg-Eckernförde wurde niemand verletzt. „Das ist meine größte Freude, dass wir alle unversehrt zurückgekehrt sind“, sagte Jörg Henningsen (52) aus dem Führungsstab der PD gestern.

Der Polizeihauptkommissar leitete eine Einsatzhundertschaft. Sie machte sich erst Freitagnachmittag nach Hamburg auf. Zu diesem Zeitpunkt flogen an der Elbe schon Steine, Flaschen, Bretter und Brandsätze. 223 Kräfte aus dem ganzen Land waren als Verstärkung abgestellt worden, davon 44 aus der Direktion, die ihren Sitz in Neumünster hat. Weitere 71 Beamte aus Neumünster und Rendsburg zählten zu einem Vorauskommando, das bereits acht Tage vor dem Gipfel seine Arbeit aufnahm.

Einige Beamte eskortierten die Staatsgäste auf Motorrädern sowie in Führungs- und Schlussfahrzeugen. Andere hielten die Kreuzungen frei, damit Putin, Trump und Merkel ungehindert von A nach B gelangen konnten. Beamte der Rendsburger Kripo leisteten Dienst in der Gefangenensammelstelle. Auch Diensthundeführer traten mit ihren Vierbeinern in Aktion; die Hunde suchten nach Rauschgift und Sprengstoff.

Die heikelste Mission aber mussten Jörg Henningsen und seine nachträglich entsandte Mannschaft erfüllen. Viele der Polizisten hatten die Eskalation am Donnerstagabend noch am heimischen Fernseher verfolgt. Keine 24 Stunden später standen sie selber an dieser Front.

„Die meisten Kollegen hatten zum Zeitpunkt der Anforderung schon einen Frühdienst versehen“, berichtete Henningsen. Der Ruf nach Hamburg erreichte ihn am Freitag gegen 10 Uhr. Fünf Stunden später ging’s los. Am frühen Nachmittag war Treffen auf einem Rastplatz an der A  1. Ab etwa 16.30 Uhr ging es hinein in die Zone der rohen Gewalt. Landungsbrücken, Millerntor, Reeperbahn, Schanzenviertel, das waren die Stationen bis 6 Uhr. Flaschen, Steine, Böller flogen den Polizisten entgegen, so Henningsen, aber zum Glück keine Molotow-Cocktails. Auch zu körperlichen Auseinandersetzungen mit Demonstranten kam es in seiner Einsatzhundertschaft nicht.

Nur einmal wurde es kritisch: Eine Beamtin war mit Kreislaufschwäche ausgefallen und sollte in die Klinik gebracht werden. Plötzlich griffen Chaoten den Rettungswagen an. Eine Scheibe ging kaputt, die Polizistin und weitere Insassen bekamen „einen erheblichen Schrecken“, erzählte Henningsen.

War die Polizei für G  20 gewappnet? „Ja“, meint der Polizeibeamte – und macht dann doch eine Einschränkung: Seine Hamburger Kollegen hätten sich sehr professionell und in zahlreichen Übungen auf den Gipfel vorbereitet. „Die Lebenswirklichkeit sieht aber so aus, dass man sich nicht auf jede Eventualität vorbereiten kann.“ Störungen und Sachbeschädigungen seien ganz bewusst an vielen Orten gleichzeitig verursacht wurden, um die Polizei zu binden. Das habe es besonders schwierig gemacht. Die Einschätzung, ob das G  20 in Hamburg überhaupt hätte stattfinden dürfen, überlässt Henningsen anderen.

Das Leben und der Job gehen weiter. „Einige Beamte haben schon am Sonnabend wieder gearbeitet, weil sie um die personelle Not auf ihrer Heimatdienststelle wissen“, sagt Henningsen.

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