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Kriminalität : Nach dem Einbruch: „Das Schlimmste ist das Gefühl“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Einem Neumünsteraner wurde vor einigen Wochen das Haus ausgeräumt. Er berichtet darüber

von
erstellt am 14.Apr.2015 | 12:00 Uhr

Neumünster | 272 Wohnungen wurden 2014 in Neumünster aufgebrochen. Eine davon gehört einem 59-jährigen Gadelander, der die Momente nach dem Einbruch beschreibt. Er möchte nicht mit seinem Namen in der Zeitung stehen.

 

„Meine Frau und ich waren zu einem Abstecher nach Mecklenburg gefahren. Nach zwei Tagen musste ich aus beruflichen Gründen allein zurückfahren, und irgendwann in diesen knapp 40 Stunden waren die Einbrecher bei uns im Haus. Am Kinderzimmerfenster hatten sie es vergeblich versucht, aber das Schlafzimmerfenster haben sie aufgehebelt und sind rein. Ich habe es sofort gemerkt, denn das Haus war eiskalt und alles durchwühlt. Alle Schubladen, alle Schranktüren standen auf, zum Teil waren die Sachen auf den Boden gekippt. Sie waren fast überall – bis auf das Ankleidezimmer. So haben sie zumindest nicht in der Unterwäsche rumgewühlt.

Die Polizisten kamen nach etwa zweieinhalb Stunden. Sie hatten zu wenig Fahrzeuge frei, sagten sie. Die Beamten haben den Fall aufgenommen und Fotos gemacht, das war es. Fingerabdrücke wurden wegen vermutlich mangelnder Verwertbarkeit nicht gesichert.

Die Einbrecher haben Bargeld, Armbanduhren, Schmuck, Kameras, einen Laptop, einen Tablet-Computer und andere elektronische Geräte mitgenommen. Auch ein paar Erbstücke meiner Schwiegermutter sind weg; zum Beispiel eine tolle Kette, an der natürlich viel Erinnerung hing. Das tut besonders weh; den Schaden ersetzt uns keine Versicherung. Ansonsten weiß man im ersten Moment gar nicht, was genau fehlt – und du fragst dich tage- oder wochenlang: ,Lag auf dem Schränkchen noch eine Armbanduhr?‘ Erst kürzlich rief meine Frau plötzlich: ,Verdammt, die goldene Kette ist ja auch weg!‘ Ich kann nur jedem raten, seine Wertsachen zu fotografieren und die Quittungen so aufzubewahren, dass man sie auch findet.

Den materiellen Schaden wird uns die Versicherung ersetzen. Aber das Schlimmste ist das Gefühl, dass jemand in deinem Haus war und in deinem Leben geschnüffelt hat. Ich bin eigentlich kein ängstlicher Typ, aber seitdem lasse ich draußen und im Flur das Licht an. Ich schlafe auch schlecht. Bei jedem Geräusch schrecke ich hoch.“

 

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