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Landgericht : Nach dem Dienst ging es auf Raubzug

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Trio wegen des Überfalls auf Einfelder Rentnerpaar vor Gericht

Neumünster | Nach Dienstschluss ging er auf Raubzug: Mike M. (25), Oberstabsgefreiter der Marineunteroffizierschule in Plön, soll dabei teilweise nicht einmal seinen Kampfanzug ausgezogen haben. Seit gestern steht der ehemalige Bundeswehrsoldat mit seinen Komplizen Silvio F. (45, Fleischer) und Michael B. (29, arbeitslos) vor dem Kieler Landgericht. Das Trio aus Neumünster soll wohlhabende, gebrechliche Senioren ausgespäht haben, um sie in ihren Villen zu überfallen. Die Staatsanwaltschaft wirft den drei Männern räuberische Erpressung, schweren Bandendiebstahl und Einbruch vor.

Mit Sturmhauben maskiert, soll das Trio am 21. Juni 2016 am Haus eines älteren Paares in Einfeld gelauert haben. Als die Ehefrau (73) die Terrassentür öffnete, um einen umgekippten Stuhl aufzustellen, sollen die Männer sie ins Haus gedrängt haben. Oberstaatsanwalt Michael Bimler: „Zwei der Angeklagten schlugen der Ehefrau ins Gesicht, zogen Kabelbinder um ihre Hände.“ Der dritte Täter soll den durch einen Schlaganfall geschwächten Ehemann (75) gefesselt haben. Durch weitere Schläge ins Gesicht der Frau hätten die Angeklagten dann die Kombination für den Tresor erpresst.

Bimler: „Sie erbeuteten 90  000 Euro Bargeld, Schmuck und Uhren im Wert von 20  000 Euro. Das Flehen der Geschädigten, das Spray für ihre Lungenerkrankung nehmen zu dürfen, ignorierten sie.“ Das Ehepaar wurde ins Gäste-WC gesperrt, wo es der Seniorin schließlich gelang, die Kabelbinder mit einem Feuerzeug durchzubrennen.

Schnell geriet das bereits polizeibekannte Trio in den Fokus der Ermittler. Die Beamten observierten einen Einbruch in eine Autowerkstatt, wo Felgen und Werkzeug gestohlen wurden, dann den Einbruch in ein Einfamilienhaus, das eingerichtet, aber noch nicht bezogen war. Dort transportierten die Männer den Fernseher, die Waschmaschine, den Trockner und eine Sofagarnitur ab. Wert der Beute: 15  000 Euro.

Vermutlich durch Telefonüberwachung wussten die Ermittler dann, dass ein Raubüberfall auf ein weiteres Rentnerpaar (beide 86) geplant war. SEK-Beamte gruben sich dort im Garten ein. Mike M., Silvio F. und Michael B. fuhren am 2. November 2016 mit bereits in Schlaufen gelegten Kabelbindern und Pfefferspray in den Taschen zu der Villa in Wittorf.

Als sie, wieder maskiert mit Sturmhauben, gegen 21.15 Uhr die Terrassentür aufhebeln wollten, zündeten die Spezialkräfte Blendgranaten. Nur Bundeswehrsoldat Mike M. gelang die Flucht – bis er stolperte. Oberstaatsanwalt Bimler: „Noch im Fallen drehte er sich herum, sprühte den beiden Beamten, die ihn verfolgten, Reizgas ins Gesicht, trat ihnen danach gegen den Kopf.“ Trotzdem gelang es den Beamten, Mike M. zu fixieren.“

Sein Rechtsanwalt sagt: „Mein Mandant ist für Kriegseinsätze geschult. Als die Blendgranaten explodierten, schaltete er um – auf das Überleben in Kriegsgebieten, so wie trainiert. Es war ihm nicht klar, dass ihn Polizisten verfolgen, der Angriff tut ihm leid.“ Wie seine Komplizen bestreitet Mike M., den Raubüberfall in Einfeld begangen zu haben. Und er gibt an, in Wittorf sei nur ein Einbruch geplant gewesen. „Das Pfefferspray hatten wir für die Abwehr von Hunden dabei.“ Der Prozess wird fortgesetzt.

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erstellt am 29.Apr.2017 | 08:30 Uhr

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