OB-Wahl : Nach dem Debakel: Ratlosigkeit in der SPD

Geschockt vom schlechten Abschneiden ihrer Kandidatin suchten Volker Andresen und Franka Dannheiser (beide SPD) noch am Wahlabend im Rathaus nach Erklärungen.
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Geschockt vom schlechten Abschneiden ihrer Kandidatin suchten Volker Andresen und Franka Dannheiser (beide SPD) noch am Wahlabend im Rathaus nach Erklärungen.

Die Sozialdemokraten machen die geringe Wahlbeteiligung für Niederlage verantwortlich / BFB kündigt härtere Gangart gegen den OB an

shz.de von
12. Mai 2015, 11:00 Uhr

Der Tag nach der haushoch verlorenen OB-Wahl war für die SPD ein Tag der Ratlosigkeit. Während sich Wahlsieger Olaf Tauras gestern erleichtert auf seiner Wahl-Homepage für die breite Unterstützung bedankte, gingen viele SPD-Spitzen offenbar auf Tauchstation. SPD-Parteichefin Kirsten Eickhoff-Weber verwies auf den am Abend tagenden Kreisvorstand. Man müsse die Lage erst in Ruhe analysieren, um dann die richtigen Schlüsse ziehen zu können, sagte sie.

Gravierende Fehler im Kampf um die Rückeroberung das OB-Sessels mochte die SPD-Parteichefin nicht erkennen. Man habe einen engagierten Wahlkampf mit einer kompetenten Kandidatin geführt: „Wir haben nichts vergeigt“ sagte Eickhoff-Weber, offensichtlich auf die Courier-Kommentierung vom Montag anspielend.

Als Hauptursache für das schlechte Abschneiden von Elke Christina Roeder machte die Parteichefin erneut die „erschreckend niedrige“ Wahlbeteiligung aus. Offensichtlich gebe es ein wachsendes Potenzial von benachteiligten Menschen, die sich von der Politik nichts mehr versprechen. „Es ist uns augenscheinlich nicht gelungen, diese Menschen, für die wir ja eigentlich Politik machen, zu erreichen“, sagte die SPD-Chefin selbstkritisch.

Frust und Ratlosigkeit lassen sich auch gut auf der Facebook-Seite der SPD-Ratsfrau Franka Dannheiser nachlesen. Sie schrieb: „Frauen, wo wart Ihr? Menschlein, denen Elke Christina u. wir aus der SPD helfen wollten, wooooo wart Ihr? Nicht zur Wahl gehen und denen das Zepter überlassen, denen Euer Wohl NICHT am Herzen liegt! Ich fass es nicht, was wollt Ihr? Der jetzt gewählte Oberbürgermeister wird Eure Situation mit Sicherheit nicht verbessern! Es ist ja sooooooo bequem mit dem A.... zu Hause zu bleiben. Warum mache ich mir eigentlich Gedanken um Euch, warum sorge ich mich um Eure Zukunft eigentlich, wenn Ihr mir und uns, die ehrenamtlich für Euch tätig sind, sooooooo die Rote Karte zeigt?“

Auch beim Bündnis für Bürger, das die SPD-Kandidatin im Wahlkampf unterstützt hatte, saß die Enttäuschung gestern tief: Es werde jetzt noch schwieriger, in der Ratsversammlung soziale Politik gegen einen Bürgermeister der Wirtschaft durchzusetzen, befürchtet BFB-Ratsfrau Esther Hartmann. Fraktionschef Jörn Seib kündigte eine härtere Gangart gegen den Oberbürgermeister an. Es gelte, die Fehler und Versäumnisse des OB noch stärker als bisher herauszustellen. „Der OB hat sich in der Vergangenheit einfach zu gut darstellen können – auch mit Duldung derjenigen, die es besser wissen“, sagte Seib. Das müsse sich ändern.

Tauras zeigte sich nach einer Nacht, „in der ich bestens geschlafen habe“, zufrieden. „Der Wahlsieg ist für mich eine Bestätigung meiner Arbeit der vergangenen Jahre“, sagte er. Traurig, dass weder Elke Christina Roeder noch SPD-Fraktionschef Uwe Döring seine Wahlparty besucht hatten, sei er nicht. „Frau Roeder hat mir noch im Rathaus gratuliert und Herr Döring eine SMS geschickt.“ Besonders gefreut habe er sich aber über einen anderen Glückwunsch aus dem SPD-Lager: „Der Ministerpräsident hat mir per SMS gratuliert.“

Für ihn werden die Abende und Wochenenden der kommenden drei Wochen nun etwas entspannter. Ursprünglich hatte sein Büroleiter Thorben Pries zu diesen Zeiten nämlich für den Fall einer Stichwahl den Terminkalender für den weiteren Wahlkampf blockiert.

Mit einer kurzen Notiz berichteten gestern auch die Pyrmonter Nachrichten über die Wahl der Ex-Bürgermeisterin von Bad Pyrmont (2006-2014). Der Bericht endet nach einer kurzen Schilderung des Ergebnisses so: „Roeder, die im Wahlkampf auf ihr Pyrmonter Markenzeichen, die Sonnenbrille, verzichtet hatte, war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.“

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