Neumünster : Nach Antifa-Vorwürfen: „Big Harry“ sagt Konzert in der Kneipe „Titanic“ ab

Big Harry rockte Sonntagfrüh beim Frühschoppen im und am Festzelt oberhalb der Schlei.
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Musiker Big Harry wehrt sich gegen die Vorwürfe der Antifa. Er lehne alles Radikale ab.

Die Neumünsteraner Kneipe ist beliebt in der rechten Szene. Jetzt nimmt der Musiker Stellung. Und auch die NPD meldet sich zu Wort.

shz.de von
10. Januar 2018, 16:14 Uhr

Neumünster | „Which side are you on, Big Harry?“ (Auf welcher Seite bist du?) Diese provokante Frage richtete die Antifa Neumünster kürzlich in einem offenen Brief an Harry „Big Harry“ Schmidt – Schauspieler, Musiker und deutschlandweit bekannt vor allem aus der TV-Show „Big Brother“.

Was war passiert? Der 57-Jährige hatte für den 6. Januar 2018 einen erneuten Auftritt in der Neumünsteraner Kneipe „Titanic“ angekündigt. Diese ist seit Jahren bei Anhängern der rechten Szene beliebt. Wirt Horst Micheel war zudem bei der Kommunalwahl 2013 für die NPD angetreten und ist regelmäßig auf Demonstrationen der rechten Szene in Neumünster zu sehen. 

Die Antifa forderte den Musiker auf, Flagge zu zeigen. „In einer Zeit, die durch einen gesamtgesellschaftlichen Rechtsruck bestimmt wird, in der das erste Mal seit 1945 wieder eine Nazi-Partei in den Bundestag eingezogen ist, [...] halten Sie es für eine gute Idee, Ihre Popularität ausgerechnet dafür einzusetzen, eine Nazikneipe zu unterstützen?“, heißt es in dem Schreiben. Das Konzert wurde abgesagt.

„Big Harry“ weist Vorwürfe von sich:

 

Nun hat Harry Schmidt, der seit Oktober 2017 auch als Wirt in „Big Harry's Kultkneipe“ in Eckernförde arbeitet, auf Facebook Stellung bezogen. „Ich bin nicht rechts, ich bin aber auch nicht links, ich bin einfach nur Harry“, sagt der Familienvater in einer Videobotschaft. „Wir machen Musik, mehr nicht. Ich trete auch bei der Feuerwehr auf und bin kein Feuerwehrmann. Und falls ich irgendwo gespielt habe, wo auch ein Rechter war, bin ich noch lange kein Rechter.“

NPD spricht von Hetze

Auch die NPD hat sich bereits zu dem Thema zu Wort gemeldet. Ebenfalls in einer Videobotschaft auf Youtube. Ratsherr Mark Proch bezeichnet darin die Antifa als eine „linksextremistische, kriminelle Vereinigung“, die in ihrer „unerträglichen Hetze“ einen völlig unbescholtenen Bürger ins Visier genommen habe. Jeder wisse, dass „Big Harry“ unpolitisch sei. „Ihn in die Nähe von sogenannten Nazis zu rücken, ist völliger Blödsinn.“ Die Absage des Konzerts bedauere Proch. Er spricht zudem von Drohanrufen, die „Big Harry“ erhalten haben soll.

Der Künstler selbst widersprach dieser Aussage gegenüber shz.de. Gewaltandrohungen gegen ihn oder seine Familie habe es nicht gegeben. Er sei jedoch vor „Konsequenzen“ gewarnt worden. „Da ging es eher darum, dass ich nicht mehr gebucht werde, wenn ich da spiele“, so Schmidt.

„Will einfach nur Mucke machen“

Der Grund für die Konzert-Absage sei das aber nicht gewesen. Er habe nicht gewusst, dass die Kneipe als Anlaufpunkt für Rechte gilt. „Da habe ich bei früheren Auftritten nichts von mitgekriegt. Jetzt habe ich mich damit befasst und keinen Bock, dass mein Name von irgendeiner Seite instrumentalisiert wird.“ Für alles Radikale – ob links oder rechts – sei er nicht zu haben. „Ich will einfach nur Mucke machen.“

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