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Shanty-Chor Neumünster : Nach 25 Jahren: Sänger gehen von Bord

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der älteste Shanty-Chor der Stadt löst sich auf. Der Pressewart und der Ex-Vorsitzende schwelgten zum Abschied in Erinnerungen.

shz.de von
erstellt am 08.Jun.2017 | 15:00 Uhr

Neumünster | Viele Fotos von Auftritten, gemeinsamen Feiern, Treffen mit anderen Chören, Programme, Faltblätter und viele Liederzettel: In dicken Ordner blättern Udo Müller (73) und Jürgen Heidenreich (78), wenn sie von der Geschichte ihres Chores erzählen. Nach 25 Jahren löst sich der Shanty-Chor Neumünster, der älteste seiner Art in der Stadt, jetzt auf.

Der Pressewart und der ehemalige Vorsitzende schauen trotz des traurigen Anlasses positiv zurück: „Es war eine schöne Zeit. Viele Freundschaften sind entstanden, und wir hatten viele    Auftritte.“ Doch am Ende fehlte trotz vieler Aufrufe und Bemühungen der Nachwuchs, die Chor-Mitglieder sind zu alt geworden, zogen weg oder starben.

Doch die Erinnerungen bleiben. Auftritte auf der Holstenköste, im Textilmuseum, in Bad Bramstedt und im Hof Lübbe in Boostedt, im Marinearsenal in Kiel, auf dem Heringsfest in Kappeln oder dem Fischerfest in Ascheberg: Der Shanty-Chor Neumünster schmückte mit seinen Liedern vor allem maritime Veranstaltungen in ganz Schleswig-Holstein. Auch im Ansgarstift, in dem die Mitglieder mittwochs probten, sangen sie in ihrer rot-weißen oder blau-weißen Tracht für die alten Menschen. Höhepunkte waren die Teilnahme bei „Neumünster singt und spielt“ und das Konzert zum 20-jährigen Bestehen, bei dem der befreundete Chor „Volldampf voraus“ aus Bad Pyrmont sang.

Gegründet wurde der Chor von Reinhard Hinrichs. 1995 wurde der inzwischen verstorbene Rainer Stoffregen Vorsitzender, dann folgte Jürgen Heidenreich bis 2016. Gesungen wurden die traditionellen Shantys, die einst als Arbeitslieder der Seemänner beim Segelhieven, Ankerlichten, Deckschrubben und Rudern entstanden. Gesungen wurden die Klassiker vom betrunkenen Seemann, der Pest vor Madagaskar, La Paloma, Lieder von kleinen Möwen vor Helgoland, Piraten und der Sehnsucht nach dem weiten Meer.

Oder die Sänger gingen auf Kaperfahrt, ob mit oder ohne Bärte. „Wir haben ganz bewusst viele Lieder auf Plattdeutsch umgetextet, damit auch unsere älteren Zuhörer das verstehen“, sagt Heidenreich. „Shantys gehören für uns Norddeutsche, die am Wasser groß geworden sind, einfach dazu, sie sind eingängig, Ohrwürmer, diese Stimmungslieder sind einfach, aber voller Atmosphäre“, sagt Udo Müllers Frau Brigitte, die Kassenwartin war. Mit zum Repertoire gehörten auch Weihnachtslieder – auch meistens op Platt. Der letzte Auftritt fand stilecht beim Leuchtturm in Kiel-Holtenau an der Schleuse statt.

Einige CDs des Chores wurden an die Stadtbücherei übergeben, damit Interessierte den Chor auch nach der Auflösung weiterhin hören können. „Zuletzt waren wir noch sieben Aktive und zwei Passive“, sagt Heidenreich. Die restlichen Mitglieder werden sich einmal im Monat treffen, um die Geselligkeit weiter zu pflegen und den Kontakt nicht abbrechen zu lassen. Und dabei werden sie sicher auch noch den einen oder anderen Shanty schmettern.

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