Neumünster-Gadeland : Nabu stemmt sich gegen Abholzung

 Björn-Henning Rickert, Vorsitzender des Naturschutzbundes, spricht sich gegen die Abholzung in Gadeland aus. Foto: Vaquette
Björn-Henning Rickert, Vorsitzender des Naturschutzbundes, spricht sich gegen die Abholzung in Gadeland aus. Foto: Vaquette

Klares Nein zu den Plänen für den neuen Supermarkt in Gadeland / Nabu-Chef Rickert: "Verlust eines kompletten Ökosystems"

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06. April 2013, 07:16 Uhr

Neumünster | Ein Eichhörnchen huscht durch das Laub, ein Fink schmettert sein Lied: In dem Waldstück in Gadeland am Krogredder regt sich Leben. "Hier gibt es einen seltenen Lindenbestand, außerdem Buchen und Eichen. Das ist ein Stück intakte Natur direkt vor der Haustür, eine Säule der Lebensqualität und ortsbildprägend", sagt Björn-Henning Rickert, Vorsitzender der Naturschutzbund-Gruppe Neumünster. In der Debatte um den geplanten Supermarkt bezieht der Nabu klare Position: Er unterstützt die Bürgerinitiative gegen die Errichtung des Zentrums und lehnt eine Abholzung des etwa einen Hektar großen Waldes ab.

"Auch Rehe sind gesichtet worden. Fledermäuse können wir nur vermuten", sagt Rickert, der neben der Nah erholung noch verschiedene weitere Aspekte aufzählt. Der Wald filtere Feinstaub als "grüne Lunge", sorge für Abkühlung durch das Verdunsten des Wassers, entziehe der Atmosphäre Kohlendioxid. Diese Wirkungen des Waldes gingen bei einer Abholzung ebenso verloren wie der Lebensraum zahlreicher Tierarten. "Das wäre der Verlust eines kleinen, aber komplett funktionierenden Ökosystems", sagt Rickert. Daran ändere auch die Wiedergutmachung nichts: Bei der Aufforstung einer Ackerfläche außerhalb des Stadtgebietes werde es Jahrzehnte dauern, bis die gleichen ökologischen Funktionen des 60 bis 80 Jahre alten Laubwalds wieder hergestellt wären.

Dabei geht es dem Nabu nicht darum, ein Nahversorgungszentrum zu verhindern. Die "unzweifelhaft notwendige Weiterentwicklung" des Stadtteils dürfe nur nicht durch die "rücksichtslose Vernichtung gewachsener Strukturen" erfolgen, sondern mit der nötigen Sensibilität gegenüber den Belangen der Natur. Der Wald dürfe nur in Anspruch genommen werden, wenn das Vorhaben nicht woanders realisiert werden könne, zitiert Rickert den Naturschutzbeauftragten der Stadt, Dieter Reese. Ob das bereits geprüft wurde, sei anzuzweifeln. Ist ein Kompromiss mit einer teilweisen Abholzung denkbar? Mit dem Nabu nicht, stellt Rickert klar. "Das wäre eine tiefgreifende Entwertung." Er setzt auf die Untere Naturschutzbehörde und die staatliche Forstbehörde. Diese können das Einverständnis zur Abholzung versagen.

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