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Holsteinischer Courier

24. September 2017 | 19:47 Uhr

Umfrage : Muttertag: Tradition oder Kommerz?

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Am Sonntag ist Muttertag. Der Ehrentag ist ein wiederkehrendes Streitthema: Wird gefeiert oder nicht? Wir haben uns umgehört.

shz.de von
erstellt am 07.Mai.2016 | 08:30 Uhr

Neumünster | Blumen, Pralinen, Parfum, etwas Selbstgebasteltes oder vielleicht noch ein kleines Gedicht: So oder ähnlich werden Kinder und auch gestandene Männer ihre Mütter am Sonntag erfreuen – oder auch nicht. Ist der Muttertag eine schöne und erhaltenswerte Tradition oder nur ein von den Floristen etablierter Kommerz?

Pro: Jeder Tag ist Muttertag

von Dörte Moritzen, selbst Mutter

Muttertag? Was soll das sein? Schon in meiner Kindheit wurde auf diesen fragwürdigen Feiertag verzichtet. Meine Mutter hielt ihn für eine Mischung aus Nazi-Propaganda und Hokuspokus der Blumen-Industrie. Stattdessen brachte sie mir bei, dass in unserer Familie jeden Tag Muttertag, Vatertag und Kindertag sei. Sprich: Wir ehren, respektieren und helfen uns rund ums Jahr. Ich habe die Tradition der Muttertags-Verweigerung längst an meine Kinder weiter gegeben. Meine Töchter versorgen mich stattdessen immer mal wieder ganz zwanglos mit kleinen Aufmerksamkeiten, wenn ihnen einfach danach ist. Sie wissen: Mama mag bunte Bilder, kleine Sträußchen aus Löwenzahn oder eine Fee, die ohne Aufforderung die Geschirrspülmaschine ausräumt, rund ums Jahr. Leider mussten sich meine Kinder einst im Kindergarten immer für ihre ablehnende Haltung zu kollektiven Muttertags-Bastelaktionen rechtfertigen. Doch sie haben es alle Jahre wieder selbstbewusst gemeistert.

Contra: Denk doch mal an Mutti!

von Christian Lipovsek, selbst Vater

Sie bringen uns auf die Welt, trösten, wenn wir krank oder einsam sind, und helfen uns in jeder Lebenslage. Mütter sind doch etwas Wunderbares (zumindest sollten sie es sein)! Und weil das im Alltag so schnell mal vergessen wird, ist der Muttertag eine gute Gelegenheit, um Danke zu sagen. Ja, der Tag wurde mal von der Blumenindustrie eingeführt, aber es müssen ja nicht immer Blumen verschenkt werden. Auch etwas Selbstgebasteltes von den Kleinen, ein Besuch im Restaurant von den Größeren oder einfach nur ein paar Stunden schöne Zeit bei einem Ausflug tun es doch auch. Das muss gar nicht immer Geld kosten. Die Geste steht im Vordergrund.

Wer meint, er lobe die Arbeit seiner Mutter ohnehin jeden Tag, vor dem sei der Hut gezogen. Allen anderen kann man nur raten, sich dieses Datum rot im Kalender anzustreichen. Denn selbst, wenn Mama vielleicht sagt, sie brauche „den ganzen Quatsch“ nicht, über Beachtung und Lob freut sich jeder Mensch – und eben auch jede Mutti!

Ihre Meinung ist gefragt.

Feiern Sie den Muttertag?

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Das sagen Passanten in Neumünster:

Antonie Lemke: „Früher gab es Papierherzen und Gedichte

Foto: Gabriele Vaquette

„Es gab früher von den Kindern Blumen, aber auch Selbstgebasteltes wie Papierherzen mit einem Gedicht. Und es ist nicht selbstverständlich, sondern ein besonderes Zeichen“, sagt Antonie Lemke (58) aus Mühbrook. Das schönste Geschenk war für sie aber die Geburt ihres jüngsten Sohnes Kai: „Vor 29 Jahren eine Woche vor dem Muttertag.“ Ihre Tochter Maike (34) schenkt aber gerne auch etwas zwischendurch: „Wenn man unterwegs ist, schaut man und denkt an die Mutter und kauft etwas Kleines. Der Muttertag selbst aber ist kommerzialisiert. Lieber unternehmen wir etwas gemeinsam.“ Ihre Tochter Pia (5) lerne diese Tradition aber nicht mehr in der Kita.

Thorsten Wiese: „Die gemeinsame Zeit ist das Geschenk.“

Thorsten Wiese und Sohn Oliver (10) aus Nordstrand servieren Mama Birgit ein schönes Frühstück und schenken ihr Blumen und etwas Selbstgebasteltes.
Thorsten Wiese und Sohn Oliver (10) aus Nordstrand servieren Mama Birgit ein schönes Frühstück und schenken ihr Blumen und etwas Selbstgebasteltes. Foto: Fotos: Vaquette
 

„Jeder Tag ist eigentlich Muttertag, aber am Sonntag werden wir der Mama ein nettes Frühstück aufdecken, den Tisch mit Blumen schmücken und auch kleine Geschenke an ihren Platz legen“, sagt Thorsten Wiese (45) aus Nordstrand. Sohn Oliver (10), einer von vier Söhnen, hat für seine Mama einen Stein gebastelt, den er erst im Ofen erhitzt und dann mit Wachsmalstift mit einem blauen Herz und orangenem Hintergrund bemalt hat. „Alle vier Jungs im Alter von 10 bis 14 Jahre machen etwas für meine Frau Birgit“, sagt der Pastor. Ihm ist es aber wichtig, dass auch außerhalb des Muttertages Zeichen der Aufmerksamkeit und Wertschätzung gegeben werden: „Sie ist nicht nur Mutter, sondern auch Lehrerin, sie hat also einen Doppeljob. Da ist es wichtig, sich nicht nur auf diesen Tag zu fokussieren, sondern lieber zwischendurch zu einem schönen Essen einzuladen. Die gemeinsame Zeit ist das Geschenk.“

Katharina Möbius-Brunzel: „Die kleinsten Gesten zählen.“

Für Katharina Möbius-Brunzel (51) aus Gadeland ist der Muttertag „ein ganz normaler Tag, der eigentlich nicht erwähnt wird, denn es ist ein kommerzialisierter Tag, das stört“. Sie genieße jeden Tag mit ihrer Tochter Hanna (18): „Ich werde immer verwöhnt und es harmoniert zwischen uns. Es ist ein Geben und Nehmen, bei dem man nicht gegenrechnet.“ Die kleinen Gesten würden zählen, die ohne großes Aufheben passierten, sagen Mutter und Tochter. Hanna kocht mal etwas für ihre Mutter oder versorgt die zwei Pferde. „Nur ganz früher, als sie noch im Kindergarten war, gab es gemalte Bilder.“

Bernd Schöning: Der Muttertag hat Tradition“

Für Bernd Schöning (58) aus Einfeld ist der Muttertag eine Tradition, die einfach dazu gehört: „Das gehört sich so, so wurde ich erzogen. Ich besuche meine Mutter, bringe Blumen mit, wir trinken Kaffee, das war schon immer so. Als Kind habe ich ihr selbstgemalte Bilder geschenkt oder von der benachbarten Gärtnerei Blumen geholt.“ Das sei ein Zeichen dafür, dass er seine Mutter wertschätze: „Sie hat mich großgezogen, ihr verdanke ich viel.“ Mit diesem einen Tag sei es aber nicht getan, und da seine Mutter nicht weit weg wohne, sei auch die gemeinsam verbrachte Zeit ein Geschenk. Sein Fazit: „Eigentlich sollte die jüngere Generation diese Tradition auch lernen, das wäre schön. Aber sie geht verloren, das ist schade.“

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