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Dogma Chamber Orchestra : Musikalisches Bekenntnis zur Toleranz

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Das Dogma Chamber Orchestra begeisterte mit weichen Streicher-Klängen und einer ungewöhnlichen Darbietung.

shz.de von
erstellt am 08.Mai.2013 | 08:02 Uhr

Neumünster | Arthur Foote? Samuel Barber? Die Werke der beiden amerikanischen Komponisten sind eher selten zu hören. Von Dmitri Schostakowitsch und Felix Mendelssohn Bartholdy kann man das nicht behaupten. Doch genau diese vier Komponisten standen am Montagabend auf dem Programm des Dogma Chamber Orchestra. Im Theater der Stadthalle warteten 320 Gäste gespannt auf die Darbietung, denn nicht nur das Programm versprach Außergewöhnliches, auch das musikalische Anliegen des 16 Musiker umfassenden Ensembles ist neu.

Unter der Leitung von Mikhail Gurewitsch kommen die international erfahrenen Künstler regelmäßig zusammen, um zeitgerechte Interpretationen klassischer Musik mit moderner Konzertgestaltung zu verbinden. Auf glattpolierte Ästhetik verzichten sie dabei ebenso wie auf Stühle und einheitliche Kleidung. Mit ihrer Suche nach inhaltlich neuen Wegen hoffen die Musiker, ein junges Publikum für klassische Musik zu begeistern.

In der Stadthalle nutzte Mikhail Gurewitsch dann auch gleich die Gunst der Stunde und fragte Schüler, die in der ersten Reihe saßen: "Na, was hat Euch denn her verschlagen?" Verlegenes Lachen und dann verblüffte Gesichter, als Gurewitsch erklärte, dass Mendelssohn die Streichersinfonie Nr.12, g-Moll im Alter von 14 Jahren komponierte - "gerade mal so alt, wie Ihr jetzt". Bereits in diesem frühen Werk zeigt sich Mendelssohn als ein vollendeter Meister, der die kompositorischen Raffinessen souverän einzusetzen vermag: Beide Ecksätze enthalten sehr schwere Fugen, die das Orchester rasant und technisch vollendet mit differenzierter Bogentechnik umsetzte. Besonders schön gelang der liedhafte Mittelsatz, dessen Thema sich aus den Bratschen mit weichem Vibrato in die Violinen erhob und am Ende mit zartem Schmelz verklang.

Das Dogma Chamber Orchestra spielt stehend und ohne Dirigent. Es versteht sich als ein Ensemble von Solisten, die während des Spiels miteinander kommunizieren. Deutlich wurde das Spannungsverhältnis von solistischem Impuls und Ensemble-Geist in der Kammersinfonie, Op. 110 a von Dmitri Schostakowitsch. Dieses Stück, eine Bearbeitung des achten Streichquartetts des Komponisten, werde niemanden unberührt lassen, versprach Michail Gurewitsch in seiner Ankündigung.

Und tatsächlich: Kaum ein Konzertbesucher konnte sich der ungeheuren Intensität und der anrührenden Kraft dieses Werkes erwehren, das einer Widmung zufolge als Gedenken an die Opfer des Faschismus und Krieges gehört werden kann. Die Interpretation des Dogma Chamber Orchestras ließ nichts zu wünschen übrig: Fabelhaftes Zusammenspiel, höchste Aufmerksamkeit aller Musiker, größte Präzision in der Themengestaltung, dynamische Ausdruckskraft und solistisch hervorragende Einzelleistungen ließen die fünf ineinander übergehenden Sätze zu einer einzigen großen Klage werden, die im hauchzarten Pianissimo ausklang und keine Zugaben mehr zuließ. Mit tosendem Applaus wurden die Musiker verabschiedet.

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