Alte Handwerkskunst in Neumünster : Musik liegt ihm im Blut

Alexander Kisner ist ein Meister auf dem Akkordeon.
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Alexander Kisner ist ein Meister auf dem Akkordeon.

Musiklehrer Alexander Kisner stimmt und restauriert auch Klaviere und Flügel.

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01. März 2018, 08:15 Uhr

Neumünster | In einer Serie stellt der Courier alte Handwerkskunst aus Neumünster vor. Heute: Alexander Kisner. Der 73-Jährige stammt aus Semipalatinsk in Kasachstan und ist auch im Rentenalter noch als Musiklehrer für Trompete, Waldhorn, Posaune, Tuba und Akkordeon aktiv.

„Mein zweiter Beruf ist das Stimmen, Reparieren und Restaurieren von Klavieren und Flügeln. Ich mache das seit 52 Jahren“, sagt Kisner. Zurzeit bringt er ein Zimmermann-Klavier aus Leipzig (Baujahr 1912) auf Vordermann. Dafür müssen die Tastatur ausgerichtet, die Mechanik eingestellt und die Hammer abgeschliffen und tourniert werden. „Die Hammer werden mit der Zeit hart und müssen mit Nadeln aufgelockert werden“, erläutert Kisner. „Nur so kommen die Obertöne sauber heraus. Sonst klingt es metallisch.“ Zum Abschluss muss das gute Stück noch mit Schellack überzogen werden.

1998 kam Kisner über das Aussiedlerlager Friedland nach Deutschland und dann nach Neumünster. „Ich war der letzte der Familie. Alle meine Geschwister waren schon lange in Deutschland“, sagt er. Musik liegt Alexander Kisner wahrlich im Blut. 21 Jahre lang wirkte er als Musiklehrer am Musik-College in Semipalatinsk. „Ich habe dort auch studiert, am Konservatorium in Alma Ata meine Fortbildung zum Ausbilder gemacht, dann in Moskau studiert“, sagt Kisner. Schon im Alter von vier Jahren konnte er Balalaika spielen, mit sieben Akkordeon. „Das habe ich mit selbst beigebracht. Mein Vater spielte Harmonika“, sagt Kisner. Es folgte Privatunterricht – „bei einem Juden, einem unglaublich guten Akkordeonspieler“, so Kisner.

Seit 1961 ist er Berufsmusiker, von 1963 bis 1977 in einem Blasorchester der Roten Armee, die er im Rang eines Hauptfeldwebels verließ. Es folgte die erwähnte Zeit im Musik-College von Semipalatinsk. Kisner: „Da gab es 120 Klaviere. Ich habe sie alle regelmäßig gestimmt – fast jeden Tag musste ich eines nachstimmen.“

Das schult das Gehör. Dennoch bedient sich Alexander Kisner heute auch eines elektronischen Stimmgeräts. Eigentlich ist er längst im Rentenalter. „Aber ohne Arbeit kann ich nicht leben. Ich muss etwas machen“, sagt Alexander Kisner. In Neumünster gibt er deshalb auch nach seiner Zeit als Honorarlehrer an der Musikschule (zuerst an der Boostedter Straße, dann im Caspar-von-Saldern-Haus) weiter Privatunterricht als Musiklehrer und stimmt und repariert Klaviere.

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