Landgericht Kiel : Munition und ein falscher Polizeiausweis

Der Betrugsprozess um Scheinfirmen in Neumünster, Husum und Bremen und die Ausbeutung von osteuropäischen Arbeitnehmern wurde gestern fortgesetzt.

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23. Februar 2018, 08:15 Uhr

Neumünster | Eine groß angelegte Hausdurchsuchung mit Unterstützung des Spezialeinsatzkommandos (SEK) in Mildstedt bei Husum war gestern im Betrugsprozess vor dem Kieler Landgericht Thema. Ein Zeuge vom Zoll berichtete über manch spektakulären Fund. In dem Wohnhaus, das im Sommer 2017 ins Visier der Ermittler geraten war, lebte damals unter anderem einer der Männer, die sich jetzt wegen bandenmäßigen Betrugs vor der Wirtschaftsstrafkammer verantworten müssen. Das Trio soll zum Teil von Neumünster aus die Bundesagentur für Arbeit von 2014 bis 2017 mit fingierten Anträgen auf Arbeitslosengeld I in großem Stil geschädigt haben. Dazu sollen die Männer im Alter von 30, 43 und 47 Jahren die Personalien von zirka 100 ahnungslosen Bulgaren missbraucht und Scheinfirmen im Raum Neumünster, Husum und Bremen eingerichtet haben (der Courier berichtete).

„Mit 20 bis 25 Einsatzkräften“ stand der Zoll am 12. Juni vergangenen Jahres in dem Ort in Nordfriesland morgens kurz nach 5 Uhr vor der Tür. Gestern berichtete ein Zollbeamter, der damals dabei war, von dem aufsehenerregenden Einsatz. Warum das SEK mit vor Ort war, „dazu kann und darf ich keine Aussage machen“, erklärte der Zeuge auf Nachfrage des Richters. Direkt nach der Durchsuchung hatte die Kieler Staatsanwaltschaft davon gesprochen, dass es einen Hinweis auf Waffenbesitz gegeben habe. Und auch der Zollbeamte zählte jetzt neben den gefundenen Unterlagen, Handys und einem PC einige Details auf, die aufhorchen ließen: In der Sauna des Hauses entdeckten die Ermittler demnach 75 Schuss Großkaliber-Munition, in der Küche zwei Schreckschusswaffen, die jedoch „nicht erlaubnispflichtig“ gewesen seien. Außerdem standen mehrere Autos auf dem Grundstück. Neben zwei „Luxuskarossen von Mercedes und Audi“ habe man sich einen VW-Passat genauer angesehen. Im Kofferraum lag ein Lederkoffer mit einer Kleinkaliberwaffe und Munition. Ein mehrfach eingewickelter Gegenstand machte die Ermittler stutzig: „Nach den Waffenfunden war ich sensibilisiert“, so der Zeuge. Man ließ das Päckchen aus Angst vor einem Sprengsatz röntgen. Es war aber ein Schalldämpfer.

Neben 10 000 Euro entdeckten die Beamten noch einen gefälschten Dienstausweis des Bundeskriminalamtes – ausgestellt auf einen der Angeklagten und mit Foto versehen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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