zur Navigation springen

Erweiterung wird diskutiert : Mülldeponie wird vielleicht vergrößert

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Stadtwerke halten sich eine Option in Wittorferfeld offen.

shz.de von
erstellt am 03.Nov.2014 | 05:00 Uhr

Neumünster | Am 31. August war offiziell Schluss. Zum letzten Mal durfte laut Betriebsgenehmigung an dem Sonntag Müll auf die Deponie in Wittorferfeld gebracht werden. Diese bundesweit einzigartige zeitliche Begrenzung hatten damals die Padenstedter durchgesetzt (siehe Infokasten). Doch nun könnte es doch ein Nachspiel geben. „Wir halten uns die Option offen, die Deponie nach Süden Richtung Brokenlande zu erweitern“, teilte Dr. Norbert Bruhn-Lobin mit. Er ist Geschäftsführer der Mechanisch-Biologischen Abfallbehandlungs-Anlage (MBA). Nötig wird dies seinen Worten zufolge, wenn die geplante Erweiterung der Deponie Böxlund bei Flensburg ausbleibt.

Seit 1. Juni 2005 darf Hausmüll nicht mehr deponiert werden. Seitdem kommt der Abfall aus Neumünster und mittlerweile aus anderen Kreisen in die Thermische Ersatzbrennstoff-Verwertungsanlage (TEV), wo Fernwärme produziert wird. Die dort anfallenden Aschen und Schlacken von rund 40 000 Tonnen pro Jahr kommen bisher auf Deponien in Tensfeld (Segeberg) und Lübeck. Die aber sind auf absehbare Zeit voll.

„Neumünster hat sich langfristig für Fernwärme entschieden, deshalb brauchen wir eine Alternative“, sagt Bruhn-Lobin. Die sollte eigentlich die Deponie Böxlund sein, doch an der dänischen Grenze regt sich Widerstand gegen den Ausbau. Platzt dort die Abnahme, soll dann die alte Deponie in Wittorferfeld stufenweise in 20- bis 30-Meter-Streifen erweitert werden. „Das ist sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich sinnvoll, ehe wir das Zeug durch die Republik kutschieren müssen. Denn Deponien in Schleswig-Holstein für diese Rückstände gibt es ansonsten nicht“, sagt Bruhn-Lobin. Der MBA-Beirat ist über die Option bereits informiert.

Der Kampf der Padenstedter

Vor fast 30 Jahren nahmen die Padenstedter den Kampf auf: „Padenstedt ist gegen die Deponie“ schrieb der Courier am 2. Dezember 1985. Damals war der Plan der Stadt Neumünster, die Deponie in Wittorferfeld zu bauen, frisch auf den Tisch gekommen. „Die Gemeindevertretung stellte fest, daß man sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln wehren wolle“, hieß es, denn schließlich lägen zwölf Hektar der geplanten Deponie  auf Padenstedter Gebiet. Man sei durch die A7, die Bahnlinie nach Hamburg, die künftige Südumgehung sowie durch die alte Mülldeponie in Faldera und deren Sickerwasser schon genug belastet.

Im September 1987 wurde Neumünsters Stadtrat Berend Harms in einer Bürgerversammlung in Padenstedt von aufgebrachten Bürgern beschimpft, als er die Deponiepläne vorstellte. Zwei Monate später beschloss der Gemeinderat einstimmig, Beschwerde einzulegen. CDU-Gemeindevertreter Klaus Janetzky und SPD-Mann Werner Rupnow wurden in der Sitzung von Zuhörern bejubelt, als sie sagten: „Padenstedt hat genug für die Allgemeinheit getan. Wir sagen ein ganz klares Nein!“

Ungerührt strengte Neumünster das Planfeststellungsverfahren an und zog es durch. Die Gemeinde Padenstedt und 400 Bürger legten offizielle Widersprüche ein – alles vergeblich. Im Januar 1989 reichte Padenstedt sogar Klage gegen den Sofortvollzug ein, verlor aber erneut. Im Jahr 1991 wurde die Deponie eröffnet.

Das einzige, was die Padenstedter damals in ihrem jahrelangen Kampf erreichten, war die Begrenzung der Deponielaufzeit bis zum 31. August 2014. (tg)

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen