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Holsteinischer Courier

24. November 2017 | 14:18 Uhr

Gadeland : Motten hüllen einen ganzen Baum ein

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Blätter sucht man an diesem Baum vergebens: Zigtausende von Raupen der Gespinstmotte leben in einer gewebten Kinderstube.

shz.de von
erstellt am 08.Jun.2015 | 07:45 Uhr

Neumünster | Von weitem sieht der Baum an der Segeberger Straße 32 auf dem Grundstück der Gadelander Mühle aus, als ob er viele kleine weiße Blüten hat. Wer näher kommt, weiß nicht, ob er das schön oder eklig finden soll: Der Baum ist überzogen mit einem fein gewobenen Gespinst, in dem Zigtausende von Raupen „wohnen“.

Auch Dachdeckermeister Sönke Wendt, der auf dem Grundstück seine Firma hat, und Karsten Wendt, dessen Vater Adolph die Mühle gehört, hat das längst auf den Plan gerufen. Sie stehen immer wieder fasziniert unter dem Baum, machten Fotos oder fassen die Gespinstbeutel, die von den Ästen hängen, sogar an. „Das war vielleicht mal ein Obstbaum oder ein Zierstrauch, das wissen wir nicht genau“, sagt Karsten Wendt.

Die kleinen Larven haben schon ganze Arbeit geleistet: Vom Baum selbst sind keine Blüten oder Blätter zu sehen, nur noch die Äste. „Die letzten drei Jahre war der Baum leicht befallen, aber so habe ich das noch nicht gesehen. Und am Mittwoch hing auch noch nichts herunter“, sagt Karsten Wendt.

Denn nicht nur die Äste und die Zwischenräume sind völlig um- und durchwoben: Von den Ästen herab haben sich Raupen in gesponnenen Beuteln „abgeseilt“ – vielleicht, um den Weg zum nächsten Baum auszuforschen. Die ganze Vorgehensweise und das Aussehen passt auf einen Schädling, vor dem im Internet gerade in dieser Jahreszeit von Fachverbänden besonders gewarnt wird: der Gespinstmotte, eine Falterart, die zu den Schmetterlingen zählt.

Wie der Naturschutzbund Hamburg im Internet erläutert, überziehen die Gespinstmotten die Pflanzen mit einem Gespinst, das sie vor Fressfeinden wie Schlupfwespen, Vögeln, Raubwanzen und einigen Parasiten schützt. Wenn sie weiterwandern, wird alles eingesponnen, was ihnen in die Quere kommt – auch Rasen, Gartengeräte oder anderes. An der Segeberger Straße sieht man deutlich, wie die Mauer unter dem Baum ebenfalls erobert wird. Ende Juni verpuppen sich die Raupen, um nach zwei Wochen als fertige Gespinstmotten zu schlüpfen. Von einer Bekämpfung mit Insektengiften rät der Nabu ab, denn das würde nur die vielen natürlichen Feinde schädigen, während die Raupen selbst unter dem Gespinst sehr gut vor versprühtem Gift geschützt sind.

Nicht zu verwechseln sind diese Motten mit dem Nest des gefährlichen Eichenprozessionsspinners. Dessen Raupen sind behaart und schädigen den Menschen mit diesen Brennhaaren, die heftigen Hautausschlag verursachen können. Wie der Name sagt, siedeln diese gefährlichen Insekten nur auf Eichen; in Neumünster handelt es sich um einen Obstbaum oder Zierstrauch., vermutlich eine Sauerkirsche. Außerdem sind die Raupen nicht behaart.

Heute wird sich eine Fachfirma den eingesponnenen Baum ansehen, so die Wendts.

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