888 Jahre Neumünster : Moritaten und Musik

Moritatensänger spielten früher mit ihrer Drehorgel und erzählten von schauderhaften Geschichten, die sich wirklich zugetragen hatten. Äffchen sammelten das Geld von den Zuhörer ein. Ein lebendes Äffchen hatte Ute Weber nicht dabei, aber eine Puppe, die immerhin ihren Hut heben und seinem Gegenüber den Vogel zeigen konnte.
Moritatensänger spielten früher mit ihrer Drehorgel und erzählten von schauderhaften Geschichten, die sich wirklich zugetragen hatten. Äffchen sammelten das Geld von den Zuhörer ein. Ein lebendes Äffchen hatte Ute Weber nicht dabei, aber eine Puppe, die immerhin ihren Hut heben und seinem Gegenüber den Vogel zeigen konnte.

Das fünfte historische Drehorgeltreffen mit 35 Spielern war ein voller Erfolg.

shz.de von
27. April 2015, 08:30 Uhr

Neumünster | Am Sonnabend hallten Drehorgelklänge durch das Stadtgebiet. Während der fünften Auflage des Historischen Drehorgeltreffens verteilten sich 35 Drehorgelspieler mit ihren einzigartigen Instrumenten vom Kleinflecken über Mühlen- und Lütjenstraße zum Großflecken.

Um die Drehorgeln sammelten sich Menschentrauben, die der unverkennbaren Musik lauschten und die Auftritte mit Applaus quittierten. Jede Drehorgel war für sich ein Meisterstück. Manche ließen sich aber zudem noch etwas Besonderes einfallen, etwa die Moritatensänger Marja und Werner Schnell aus dem Württembergischen Baindt sowie Ute und Franz Weber aus Köln. „Moritatengesang war die Boulevardzeitung von damals. Es wurden schauderhafte Geschichten erzählt, die sich zugetragen hatten. Dazu wurden gemalte Bilder gezeigt“, erklärte Ute Weber. Um mehr Aufmerksamkeit zu erregen, lockte man die Menschen mit dem Klang der Drehorgel an. Getreu dem damaligen Gebrauch machten es die Moritatensänger auch am Sonnabend an der Mühlenbrücke vor.

Am Kleinflecken ließ Gerhard Zweig in eine Cornettino Drehorgel von 1888 hineinblicken. „Die Walzen werden individuell für ein Gerät hergestellt“, erzählte Zweig. Er kann also eine Walze nicht in jedes x-beliebige Gerät setzen. Für seine Drehorgel hatte er zwei Walzen mit je acht Liedern dabei. Zum einen zünftige Marschlieder, „auf der anderen Walze sind Klassiker wie ‚Berliner Luft‘ oder ein Stück von Lili Marleen“, erzählte Zweig weiter.

Während er per Kurbel Luft in seine Drehorgel trieb, um ihr kräftige Klänge zu entlocken, stimmten auf dem Großflecken Christa Honhäuser und Angelika Wiemann aus Berlin selbst an und begleiteten sich mit ihrer Drehorgel zum Evergreen „Only You“ von The Platters.

Das fünfte historische Drehorgeltreffen war ein voller Erfolg. Ins Leben gerufen hatten es 1994 Margret und Klaus Bracker. Sie organisierten vier Drehorgeltreffen in Neumünster. Im Jahr 2010 erlitt Klaus Bra-cker jedoch einen Schlaganfall. Ihm und seiner Frau zu Ehren wurde nun das fünfte Drehorgeltreffen ausgerichtet.

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