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„Mein Kampf“ : Mittags waren alle Exemplare weg

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

In Neumünster bekamen nur Kunden, die vorbestellt hatten, die beiden Bände der Neuauflage des kommentierten Werkes von Adolf Hitler.

Neumünster | Nach einem jahrzehntelangem Verbot durch den Freistaat Bayern darf Adolf Hitlers Buch „Mein Kampf“ seit gestern wieder frei gedruckt und verkauft werden. 70 Jahre nach dem Tod des Diktators ist das Urheberrecht erloschen. In Neumünster gingen gestern nur einige vorbestellte Exemplare des 1948 Seiten starken Werkes vom Institut für Zeitgeschichte mit ausführlichen Kommentaren über den Ladentisch. Bereits mittags waren die bundesweit 4000 Exemplare der ersten Auflage ausverkauft.

„Ich habe fünf Reservierungen und finde das erstaunlich viel“, sagte Tina Krauskopf, Inhaberin der gleichnamigen Buchhandlung am Großflecken. Sie selbst hat „Mein Kampf“ damals für den Geschichte-Leistungskurs in der Schule aus eigenem Interesse gelesen. „Ich musste in der Bücherei viele Erklärungen unterschreiben, dass ich das Werk nicht missbrauche.“ Bis zum Ende des Buches ist sie nicht gekommen: „Das ist inhaltlich, stilistisch und grammatikalisch unerträglich.“

Zu dem Schluss kommt auch Thomas Bernhardt, Filialleiter der Buchhandlung Lübbert. Er begrüßt aber, dass das Werk jetzt veröffentlicht wurde. „Es gab so etwas wie eine Mythenbildung“, sagte er. Gefahr geht seiner Ansicht nach von dem Buch nicht aus; „Das richtet kein Unheil mehr an.“

Bei Hugendubel in der Holsten-Galerie gab es nach Aussage der Buchhändlerin Neele Johannsen „eine handvoll Vorbestellungen“. Dort bekommt man die zwei Bände (einmal das Buch, einmal die Erklärungen und Anmerkungen) nur, wenn man danach fragt. „So etwas muss nicht in der Auslage angepriesen werden“, betonte sie. Auch ihre Kollegin Silke Dudda von der Hieronymus-Buchhandlung Clément am Kuhberg war wenig begeistert über die Veröffentlichung. „Ein Kunde hat zwei Exemplare vorbestellt. Sonst ist das Interesse gering“, sagte sie.

Auf Courier-Nachfrage erklärte ein Sprecher von Bundesjustizminister Heiko Maas, wenn eine unkommentierte Ausgabe erscheinen sollte, reiche die bestehende Gesetzeslage für das Buch immer noch aus, um den Fall wegen Volksverhetzung vor Gericht zu bringen.

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