Brügge : Mitreißende Musik und freche Texte in der Brügger Kirche

Mit Geige und Oboe erzählten sie vom Winter und vom Feiern: Jule Schwarz (links) und Christine von Bülow.
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Mit Geige und Oboe erzählten sie vom Winter und vom Feiern: Jule Schwarz (links) und Christine von Bülow.

100 Besucher begeisterten sich für das Programm der Klezmerband „Di Chuzpenics“.

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08. Januar 2015, 06:00 Uhr

Brügge | Wie erwärmt man bei klammen 14 Grad Celsius die Besucher einer Kirche und hält sie zwei Stunden auf ihren Plätzen? Mit Chuzpe! Die Klezmerband „Di Chuzpenics“ heizte am Dienstagabend den etwa hundert Besuchern der Sankt Johanniskirche mit jiddischer Musik und frechen Texten ein. Dass an Epiphanias, dem christlichen Fest, an dem Jesus von Johannes getauft worden ist, jüdische Musik in einer evangelischen Kirche gespielt wurde, war zudem ein Beispiel für einen lebendigen interreligiösen Dialog.

Mit augenzwinkernder Unverfrorenheit, der jiddischen „Chuzpe“ eben, präsentierten die Kieler Musiker am Dreikönigstag ihr Programm: „Chuzpe zum Fest haben wir vor etwa drei Jahren entworfen, weil wir immer wieder nach einem Weihnachtsprogramm gefragt worden sind“, erzählte Martin Worlitzsch, der das Akkordeon spielt. Da Weihnachten im Judentum nicht gefeiert wird, haben sich die vier Charakterköpfe, die seit über 15 Jahren zusammen spielen, ein „Nicht-Weihnachtsprogramm ausgedacht, in dem es ums Feiern und die kalte Jahreszeit geht“, erläuterte Martin Worlitzsch weiter, der sich wegen seiner Instrumentenwahl selbst Martin „Quetsche“ nennt. Eigentlich wird die jüdische Volksmusik Klezmer überwiegend instrumental dargeboten, „Di Chuzpenics“ haben aber jiddische Lieder mit aufgenommen, die Martin Luth mit kräftiger Stimme und starkem Ausdruck vorgetragen hat.

„Die Musik bildet das ganze Leben ab, fröhliches Jauchzen und Melancholie liegen eng zusammen“, beschreibt Martin Worlitzsch die Attraktivität von Klezmer. Und so abwechslungsreich zeigte sich auch das Konzert: Manchmal saßen die Künstler mit geschlossenen Augen musizierend auf Stühlen, doch meistens wirbelten die Oboistin Christine von Bülow und Jule Schwarz, die frisch die Geige fiedelte, herum, jauchzten und lachten. Für eine authentische Stimmung sorgte auch der Verzicht auf Mikrofone oder sonstiges elektrisches Gerät, so dass die Zuschauer sich vorstellen konnten, wie ausgelassen eine jüdische Hochzeit etwa sein kann.

„Ich mag Klezmer und habe die Gruppe auch schon mal gesehen. Der Sänger ist besonders gut“, fand Beate Malchow, die extra mit dem Fahrrad aus Bordesholm zur schönen Natursteinkirche nach Brügge gefahren kam. Abwechselnd zu den Musikstücken lasen die Künstler Geschichten vor, die etwa von den Querelen eines frommen Rabbiners mit der Eitelkeit handelten oder den weihnachtlichen Kitsch liebevoll aufs Korn nahmen. Auch der Schnaps wurde besungen und stilecht prosteten sich die Musiker zu. Das rundum gelungene Konzert belohnten die Zuschauer mit viel Applaus, und als Zugabe gab es dann das à cappella gesungene katholische Lied „Maria durch ein Dornwald ging“. 

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