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Holsteinischer Courier

11. Dezember 2017 | 22:27 Uhr

Stammzellspende : Mit wenig Aufwand Leben retten

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Thies Riebandt (38) hat Stammzellen gespendet. Der Sparkassen-Mitarbeiter will Menschen motivieren, sich typisieren zu lassen.

von
erstellt am 16.Sep.2014 | 05:30 Uhr

Neumünster/Kaltenkirchen | Als das Telefon klingelte, wusste Thies Riebandt noch nicht, wie sehr dieser Anruf sein Leben verändern würde. In der Leitung war ein Mitarbeiter der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS), bei der sich der 38-Jährige vor zwei Jahren registrieren ließ. Der Mann teilte ihm mit, dass es einen Leukämie-Patienten gäbe, der eventuell die gleichen Gewebemerkmale besitzt und dessen Leben durch eine Stammzellspende gerettet werden könnte. Bereits einen Tag später saß Thies Riebandt bei seiner Hausärztin und ließ sich Blut für einen Abgleich entnehmen.

Weitere zwei Tage später erhielt der Kaltenkirchener, der seit sieben Jahren als Marketing-Experte bei der Sparkasse Südholstein in Neumünster arbeitet, das Ergebnis. Die Daten stimmten überein. Thies Riebandt überlegte keine Sekunde. „Wenn man die Chance hat, ein Leben zu retten, zögert man nicht“, sagt er überzeugt. Mit dem Flugzeug ging es für den Vater eines Sohnes und einer Tochter nach Köln. Dort wurde er noch einmal ausführlich untersucht und musste diverse Fragebögen ausfüllen. „Das war alles total unkompliziert. Am Abend war ich schon wieder zu Hause bei meiner Familie“, erinnert er sich.

Einen Tag später gab die DKMS endgültig grünes Licht. Thies Riebandt flog kurz darauf ein weiteres Mal nach Köln. Die Stammzellspende verlief ohne Komplikationen. „Ich musste ein paar Tage vorher ein Medikament nehmen, das die Stammzellenproduktion anregt. Zur Entnahme wurde lediglich ein Zugang gesetzt. Das Blut läuft von dort in eine Zentrifuge, die die Stammzellen herausfiltert. Über einen zweiten Zugang erhält der Spender sein eigenes Blut wieder zurück. Alles lief komplett ohne Narkose ab“, erzählt Thies Riebandt. Zwei Tage später saß er wieder an seinem Schreibtisch in Neumünster.

Mit seiner Geschichte will er potenziellen Spendern die Angst nehmen. „Viele Menschen glauben, dass eine Stammzellspende gefährlich ist und denken sofort an eine Spritze, die ins Rückenmark gestochen wird. Das ist nicht der Fall“, sagt er.

Neben der peripheren Stammzellspende gibt es auch die Knochenmarkspende. Dabei wird dem Spender unter Vollnarkose mit einer Punktionsnadel aus dem Beckenkamm Knochenmark entnommen. Bei Thies Riebandt war das nicht notwendigt: „In meinem Fall war der Aufwand minimal und der Ablauf total harmlos.“

Auf die Frage, ob sich in seinem Leben etwas verändert habe, antwortet Riebandt spontan: „Ja klar! Die eigene Perspektive ist eine andere geworden. Jeder von uns könnte eine ähnliche Diagnose erhalten, die den eigenen Lebensentwurf komplett auf den Kopf stellt. Ich genieße jeden Tag mit meiner Familie viel intensiver als vorher. Es wird einem bewusst gemacht, was man alles hat – nämlich Gesundheit.“

Über seinen genetischen Zwilling weiß Thies Riebandt bislang nur wenig. „Es handelt sich um einen 28 Jahre alten Mann aus Deutschland. Im Dezember erhalte ich Informationen über seinen Gesundheitszustand. In zwei Jahren besteht die Chance, sich kennenzulernen, sofern der gegenseitige Wunsch besteht.“ Eine Möglichkeit, die Thies Riebandt gerne nutzen würde. „Viele berichten, dass zwischen genetischen Zwillingen äußerliche oder charakterliche Ähnlichkeiten bestehen. Es würde mich freuen, das herauszufinden.“

Periphere Stammzellspende

In rund 80 Prozent der Fälle werden die Stammzellen aus der Blutbahn entnommen. Dem Spender wird über fünf Tage hinweg der Wachstumsfaktor G-CSF verabreicht. Das Medikament steigert die Anzahl der Stammzellen im peripheren Blut, die dann über ein spezielles Verfahren direkt aus dem Blut gewonnen werden. Die Spende dauert vier bis acht Stunden an ein bis zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Es ist keine Operation notwendig, der Spender kann die Klinik meist am selben  Tag verlassen. Während der Gabe des Medikaments können grippeähnliche Symptome auftreten. Langzeitnebenwirkungen sind bislang nicht bekannt. Mehr Informationen, auch zur Typisierung,  sind im Internet unter www.dkms.de erhältlich.

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