Mit voller Absicht den Unfall provoziert?

Vor Gericht: Soldat aus Jagel erhebt schwere Vorwürfe gegen Berufskraftfahrer

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21. Oktober 2011, 07:49 Uhr

Neumünster | Wie er sich nach dem Vorfall gefühlt habe, wollte der Richter von dem Zeugen (26) wissen. Ihm selbst sei es gut gegangen, antwortete er, aber sein Beifahrer habe erst mal aussteigen müssen und zitternd eine Zigarette geraucht.

Sollte sich alles so abgespielt haben, wie gestern vom Zeugen und der Staatsanwaltschaft vor dem Amtsgericht dargestellt, hatte er wohl allen Grund dazu: Vor fast genau einem Jahr, in der Nacht des 25. Oktober 2010, waren die beiden jungen Soldaten mit dem Wagen auf der A 7 in Richtung Norden zu ihrer Einheit in Schleswig/Jagel unterwegs. Gegen 1 Uhr nachts herrschte auf der Autobahn nur wenig Verkehr, die jungen Männer fuhren daher entsprechend zügig mit Tempo 160 auf der Überholspur. Umso größer war der Schrecken, als bei Großenaspe plötzlich ein Kleintransporter ausscherte, um einen Lkw zu überholen. Der Soldat bremste auf Tempo 90 ab und ließ, wie er im Gericht zugab, entnervt die Lichthupe aufblitzen.

Damit begann für die beiden Soldaten der Schrecken aber erst richtig: Offensichtlich verärgert über die Lichthupe, versperrte der Transporter dem Hintermann fortan den Weg auf der leeren A 7. Er bremste den Pkw regelrecht aus, so der Vorwurf. Als der dennoch zum Überholen ansetzte, zog der Transporter soweit nach links, dass er den Gegner rammte. Die Soldaten gaben auf und alarmierten die Polizei. Die winkte die Kontrahenten wenig später von der Autobahn.

Der Fahrer des Kleintransporters, ein Berufskraftfahrer (51) aus Niedersachsen, stellte den Fall im Gericht allerdings ganz anders dar. Nicht er habe den Pkw, sondern der Pkw ihn genötigt, sagte der Angeklagte. Der Hintermann sei mit Fernlicht aufgefahren, infolgedessen habe auch der Gegenverkehr aufgeblendet, er selbst sei dabei geblendet worden, möglicherweise sei er über die Mittellinie geraten, erklärte er. Den Unfall habe er nicht bemerkt.

Merkwürdig: Gegenüber der Polizei hatte der 51-Jährige noch den Ahnungslosen gespielt. Keine Rede war damals von der angeblichen Nötigung und von Blendmanövern des Hintermanns. Der Richter hielt die Version des Kraftfahrers daher für wenig glaubhaft.

Ein Urteil gab es aber noch nicht: Am 8. November sollen der Beifahrer und die Polizisten aussagen. Die Staatsanwaltschaft erhofft sich Hinweise, ob der Fahrer möglicherweise absichtlich den Gegner gerammt hat.

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