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Clips gegen Rechts : Mit Videofilmen gegen die Ausgrenzung

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Mediengestalter der Walther-Lehmkuhl-Schule schieben einen Jugendwettbewerb an. Einsendeschluss ist am 1. Oktober

Neumünster | Der Spot ist gerade mal 100 Sekunden lang, aber die haben es in sich: Auf einem Schulhof pöbelt eine Gruppe Jugendlicher einen neuen Mitschüler an, der einen dunklen Teint hat und nur gebrochen Deutsch spricht. Drumherum stehende Schüler kauen desinteressiert Kaugummi oder zücken das Handy, um die Schubserei zu filmen. Nur einer hält es nicht aus, macht zuerst seine Mitschüler an („Warum macht Ihr nichts?!“), um sich dann entrüstet an die Mobber zu wenden. Und das Blatt wendet sich! Jetzt auch von den anderen Schülern lebhaft kritisiert, wenden sich die Mobber ab und ziehen davon.

Für die kurze Szene gab es gestern Vormittag in der vollbesetzten Mehrzweckhalle der Walther-Lehmkuhl-Schule (WLS) brausenden Applaus: Ja, so könnte Zivilcourage funktionieren!

Der professionell von jungen Mediengestaltern der Schule produzierte Streifen ist ab heute auch im Internet zu sehen und bildete gestern den Auftakt zum landesweiten Jugendwettbewerb „Clips gegen Rechts“. Noch bis zum 1. Oktober können junge Filmemacher, Schüler, Jugendgruppen oder andere Videobastler ihre eigenen Filme einreichen.

In den bis zu drei Minuten dauernden Kurzfilmen sollen die Jugendlichen sich mit den Themen Ausgrenzung und Fremdenhass kritisch auseinander setzen. Wie sie das tun, ob sie dabei das Schicksal von Flüchtlingen beleuchten, die Widerstände und Widrigkeiten von Migration thematisieren oder – wie die WLS-Filmer – an einem alltäglichen Beispiel orientiert zur Zivilcourage aufrufen, das bleibt den Jugendlichen weitgehend selbst überlassen. Die besten „Clips gegen Rechts“ werden mit Geldpreisen von insgesamt 1000 Euro belohnt und vom Runden Tisch für Toleranz und Demokratie später auf einer DVD verbreitet. Erstmals gezeigt werden die Clips auf einer öffentlichen Preisverleihung am 9. November.

Gemeinsam mit Schirmherr Innenminister Stefan Studt gab Henning Möbius, Vorsitzender des Rundes Tisches für Toleranz und Demokratie, gestern den Startschuss für den Jugendwettbewerb. Bereits vor anderthalb Jahren habe der runde Tisch die Idee eines solchen Wettbewerbs diskutiert, aber erst die professionelle Unterstützung der Schüler habe die Umsetzung ermöglicht, lobte Möbius das Engagement der jungen Filmemacher.

Zuletzt hatten gut 20 junge Männer und Frauen aus der Oberstufe das Projekt vorangetrieben, Logos und Plakate für den Wettbewerb ausgearbeitet und den Spot entwickelt, der anderen Jugendlichen Lust aufs Nachmachen machen soll – und mit einem dramaturgischen Pfiff endet: „Jetzt hast Du Deinen Clip!“, ruft der Held der Geschichte zum Schluss in die Handy-Kamera eines Mädchens, das das Schulhofmobbing aufnimmt.

Schirmherr Stefan Studt war voll des Lobes: Es sei ein Gebot der Stunde, sich auf allen gesellschaftlichen Ebenen den Herausforderungen der Integration zu stellen. Der Wettbewerb könne einen wichtigen Beitrag zur friedlichen Konfliktlösung leisten, sagte der Minister. Das Land unterstützt den Wettbewerb mit einem Zuschuss von 1650 Euro.

Noch am Starttag zeichnete sich ab, dass das Projekt auch außerhalb Schleswig-Holsteins Karriere machen könnte: Die „Auslandsgesellschaft Deutschland“, die sich vor allem im Ruhrgebiet um die Integration von Ausländern bemüht, kündigte gestern an, das Konzept übernehmen zu wollen.

>Weitere Infos: www. clips-gegen-rechts.de

 

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erstellt am 24.Feb.2015 | 07:00 Uhr

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