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Holsteinischer Courier

23. Oktober 2017 | 16:01 Uhr

Bürgergilde : Mit Schirm, Charme und Zylinder

vom

Das war ein kaltes, verregnetes Vogelschießen der Bürgergilde zu Neumünster seit 1578. Der Holzadler fiel um 18.27 Uhr.

shz.de von
erstellt am 23.Mai.2013 | 07:35 Uhr

Neumünster | Der neue Bürgergilde-König Heiner Schulz-Hildebrand ist nicht nur als Diplom-Informatiker ein kühler Rechner. "Ich denke mal, dass ich durch mein Amt als Fahnenträger eine ruhige Hand beim Schießen habe", sagte er überglücklich, nachdem er gestern Abend um 18.27 Uhr den Königsschuss gesetzt hatte. Und auch die Aufgabe, die neue Majestät zu schultern, hatte er vorher wohlweislich delegiert - das wäre nämlich eigentlich sein Part als Fahnenträger gewesen. Zu den ersten Gratulanten gehörten Schulz-Hildebrandts Frau Elisabeth per Küsschen und Tochter Klara, die nun stolze Prinzessin ist. Der 53-Jährige ist gebürtiger Neumünsteraner, Gildemitglied seit 2001 und wohnt mit seiner Familie in der Innenstadt.

Begonnen hatte der Schießtag am Morgen bei strömendem Regen mit der Musterung an der Gilde-Eiche auf dem Kleinflecken. Die Gildebrüder schulterten dabei nicht das Gewehr, sondern reckten ihre Regenschirme gen Himmel. Dann ging es frei nach dem Krimi-Duo Emma Peel/John Steed mit "Schirm, Charme und Zylinder" zur Betstunde in die Vicelinkirche. "Der Himmel weint", sagte Bürgergilde-Capitain Ulf-Christian Mahlo. Ehren-Capitain Jens Bartram gab sich optimistisch und wünschte einen "schönen sonnigen Tag".

Doch diesen frommen Wunsch konnte selbst Propst Stefan Block nur bedingt erfüllen. "Herzlich willkommen im Trockenen", begrüßte Block die Gilde zum Gottesdienst und gab bei Andacht und Gesang mit einem Kirchenlied von Paul Gerhardt (1607-1676) quasi die Losung des Gildetags aus: "Geh aus, mein Herz, und suche Freud." Die Bürgergilde zeigte sich ebenso textsicher wie stimmgewaltig.

Beim anschließenden Festumzug durch die Innenstadt reichte die Geschäftswelt in einer schönen Geste Erfrischungen; auch der Courier bot Süßes als Marschverpflegung an - nach dem Motto "Tradition grüßt Tradition". Tradition hat auch, dass die Bürgergilde an ihrem Schießtag für eine gemeinnützige Einrichtung aus der Stadt spendet. Diesmal überreichte Mahlo beim abendlichen Empfang für die Ehrengäste 1000 Euro an den Notruf für häusliche und sexualisierte Gewalt.

Kleiner Schönheitsfehler am Gildetag: Die Stadt hatte trotz ausdrücklicher Bitte nicht geflaggt. Das könnte zwei prominente Gildebrüder in Erklärungsnöte bringen - Stadtpräsident Friedrich-Wilhelm Strohdiek und Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras tragen ebenfalls die "witten Büxen".

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